Präsenz oder Online?

Gottesdienste an Weihnachten: Dissens mit Laschet? Sein Vize mit Aufruf - „Völlig unabsehbare Entwicklung“

Zurzeit läuft eine Diskussion darüber, ob Gottesdienste an Weihnachten wie geplant stattfinden können. Armin Laschet will darüber noch einmal nachdenken. Die Deutschen zeigen sich zurückhaltend.

  • NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will in den nächsten Tagen noch einmal mit den Kirchen über die Gottesdienste sprechen.
  • Sowohl die Evangelische als auch die Katholische Kirche in Deutschland hatten Alternativen zu Präsenzgottesdiensten angesichts der Corona-Zahlen in Deutschland ins Gespräch gebracht.
  • Die Bereitschaft, an Weihnachten in die Kirche zu gehen, ist einer Umfrage zufolge in diesem Jahr eher gering.

Update vom 22. Dezember, 12.59 Uhr: Gibt es da Unstimmigkeiten mit dem Landeschef? NRW-Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) hat die Kirchen aufgerufen, alle Präsenzgottesdienste abzusagen. „Die völlig unabsehbare Entwicklung der Pandemie und die Nöte auf den Intensivstationen in vielen Teilen Deutschlands“ machten dies seiner Meinung nach „unausweichlich“, sagte Stamp am Dienstag der dpa. Ihm falle das als „bekennender und praktizierender Christ“ schwer und im sei bewusst, dass viele Gemeinden hervorragende Hygienekonzepte entwickelt hätten.

Katholische Bistümer in NRW lehnen einen kompletten Verzicht auf Präsenzgottesdienste bislang ab: „Aus der Staatskanzlei (Anm. der Red: in Düsseldorf) ist mir versichert worden, dass der Ministerpräsident die Gottesdienste nicht insgesamt in Frage stelle“, sagte der nordrhein-westfälische Pfarrer Antonius Hamers indes am Montag der dpa. Und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet* (CDU*) bekräftigte am Montag bei einer Pressekonferenz: „Die Landesregierung wird kein Gottesdienste untersagen, dabei bleibt es.“

Inwieweit Stamps Vorstoß mit Laschet abgestimmt war, blieb zunächst unklar.

Uneins beim Thema Präsenzgottesdienste in der Corona-Pandemie? NRW-Familienminister Joachim Stamp (links) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Düsseldorfer Landtag.

Gottesdienste an Weihnachten: Söder legt sich fest - Jeder zweite Deutsche für eine bestimmte Regel

Unsere Erstmeldung vom 20. Dezember: Düsseldorf/Berlin - Weihnachten ohne Gottesdienst: Für viele Menschen fehlt dann etwas Zentrales an den Feiertagen. Doch in diesem Jahr ist bekanntlich alles anders. Die Diskussion darüber, wie die Kirchen das Weihnachtsfest in diesem Jahr feiern, ist noch nicht beendet.

Angesichts der weiter hohen Corona-Zahlen in Deutschland zeigte sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) skeptisch, ob die Gottesdienste an Weihnachten so stattfinden können wie derzeit geplant. „In den nächsten Tagen werde ich angesichts der aktuellen Lage noch einmal Gespräche mit den Kirchen führen“, sagte Laschet dem Tagesspiegel. „Die Glaubensgemeinschaften nehmen die Lage sehr ernst. Sie wissen auch, dass dies das Fest des Lebens und der Nächstenliebe ist, und dass man sorgsam abwägen muss.“ Er bekräftigte noch einmal die Zusage seiner Regierung, Kirchen und Synagogen als Staat nicht schließen zu wollen, da die Freiheit der Religionsausübung ein wichtiges Grundrecht der Verfassung sei.

Gottesdienste an Weihnachten: Ringen um richtige Entscheidung - Übertragungen im Internet, TV und Radio

Vor rund einer Woche forderte Unionsfraktionschef im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU*), die Kirchen auf, ihre Gottesdienste wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie zu überdenken. Auch die katholische Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rieten zu Vorsicht rund um die Weihnachtsgottesdienste. Die Evangelische Kirche von Westfalen hat bereits zu einem Verzicht geraten.

„Alle Landeskirchen ringen gegenwärtig mit den richtigen Entscheidungen zum Umgang mit den Weihnachtsgottesdiensten“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Rheinischen Post am Donnerstag. Er wirbt für Online-Gottesdienste* an Weihnachten. Im Hinblick auf die Sicherheitskonzepte gingen die Kirchen „an vielen Orten auch über die staatlichen Vorgaben hinaus“. Bund und Länder verständigten sich im aktuellen Corona-Beschluss unter anderem auf eine Maskenpflicht, ein Abstandsgebot und ein Gesangsverbot. Bedford-Strohm sagte weiter: „Digitale Formate und Radio- und Fernsehgottesdienste ebenso wie Hausandachten werden, das zeichnet sich schon jetzt ab, in diesem Jahr ein besonderer Schwerpunkt in der Feier der Weihnachtsgottesdienste sein.“

Weihnachtsgottesdienste wegen Corona: Markus Söder hat sich schon für einen Weg entschieden

Einer, der bereits ankündigte, Gottesdienst im Internet zu schauen, ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU*). „Ich werde am Heiligen Abend viele Angebote für Online-Gottesdienste beziehungsweise Online-Predigten wahrnehmen“, sagte er kürzlich der Augsburger Allgemeinen.

Die katholische Bischofskonferenz hält bisher an Weihnachtsgottesdiensten fest, ihr Vorsitzender Georg Bätzing sieht aber mögliche regionale Absagen. Auch er erinnert laut Nachrichtenagentur AFP an die Alternativen, Gottesdienste im Internet zu übertragen. Dennoch: „Weihnachten ist ein zentrales Glaubensfest der Kirche, das einmal im Jahr stattfindet. Es ist wichtig, dass die Gottesdienste an den Festtagen unter bestimmten Auflagen gefeiert werden können, damit Christen an diesem Tag ihren Gott verehren und auf diese Weise Trost und Hoffnung erfahren können“, erklärte Bätzing.

Gang in die Kirche an Weihnachten? Deutsche sind einer Umfrage zufolge zurückhaltend

Und was sagen die Deutschen? Jeder Zweite ist einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur für ein Verbot öffentlicher Weihnachtsgottesdienste. 50 Prozent sprachen sich demnach dafür aus, Präsenzgottesdienste zu untersagen. Nur 35 Prozent sind für die Gottesdienste. 15 Prozent machten keine Angaben.

Die Bereitschaft, an Weihnachten Gottesdienste zu besuchen, ist nach den YouGov-Ergebnissen eher gering. Nur sechs Prozent der Befragten sagten, dass sie an den Feiertagen in die Kirche gehen wollen. 87 Prozent wollen dagegen auf die Teilnahme an einem Gottesdienst verzichten und sechs Prozent machten keine Angaben. Von den Katholiken wollen etwas mehr Gläubige in die Kirche (neun Prozent) als von den Protestanten (sieben Prozent).

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich zuletzt über seinen Glauben und seine Beziehung zur Kirche. Er glaube an einen Gott, der „einen nimmt, wie man ist“, sagte er in einem Focus-Interview. Doch weil er und sein Ehemann lange suchen mussten, um einen kirchlichen Segen zu bekommen, übt Spahn auch deutliche Kritik an der Kirche*. (cibo) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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