Tausende Demonstranten

Corona-Proteste in Berlin: Experte gibt tiefe Einblicke in Demonstranten - Umfrage mit deutlicher Sprache

Bei Corona-Demos in Berlin ziehen tausende Demonstranten durch die Stadt. Abstands- und Hygieneregeln zum Schutz gegen das Coronavirus werden missachtet. Ein Experte erklärt, was hinter den Protesten steckt.

  • In Berlin kam es zu Corona-Demos mit tausenden Demonstranten.
  • Die Zahlen der Teilnehmer gehen dabei weit auseinander. Offizielle Stellen sprechen von 20.000. Die Veranstalter von mehren 100.000. Auch Rechtsradikale sollen sich bei den Corona-Demos unter die Demonstranten gemischt haben.
  • Laut dem Soziologen und Risikoforscher Ortwin Renn wollten die Demonstranten „endlich den Feind vor sich sehen können.“
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

Update vom 3. August, 9.45 Uhr: Etwa 20.000 Demonstranten protestierten am Samstag in Berlin gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen und begingen dabei reihenweise Verstöße gegen die Corona-Auflagen. Die Kritik an der Veranstaltung ist enorm - aber auch die Berliner Polizei steht im Fokus kritischer Stimmen.

Ein Großteil der deutschen Bevölkerung erkennt die Gefahr durch das Coronavirus laut einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap an. Doch immerhin jeder fünfte Befragte ist der Meinung, dass Behörden und Gesundheitsexperten bezüglich der Gefährlichkeit des Virus übertreiben und so die Öffentlichkeit bewusst getäuscht werde.

Der Soziologe und Risikoforscher Ortwin Renn glaubt, den Grund für dieses Verhalten zu kennen. Auf diese Weise mit einer akuten Gefahr umzugehen, liege in der Persönlichkeitsstruktur von Corona-Leugnern begründet, so Renn.

Soziologe Ortwin Renn: Corona-Leugner wollen etwas „als Feind vor sich sehen“

„Es gibt sozusagen in unserer Bevölkerung und überhaupt in allen Bevölkerungen Menschen, die sehr stark dazu neigen, bei Bedrohungen mit Kampf zu reagieren. Sie wollen etwas bekämpfen“, erklärte Renn Focus Online. Doch das Coronavirus ist eine unsichtbare Gefahr, deshalb „werden Ersatzobjekte gesucht.“

Der Experte meinte weiter: „Diese Personen sind sehr anfällig für Verschwörungstheorien, weil sie endlich jemanden haben, den sie als Feind vor sich sehen können. Das Virus sehen sie halt nicht vor sich. Und das ist sehr frustrierend, wenn man zu diesem Kampftyp gehört.“ 

Zu der Großdemo in der Hauptstadt hatte die Initiative „Querdenken 711“, die der Stuttgarter IT-Unternehmer Michael Ballweg gründete, aufgerufen. Aus dessen Heimatbundesland Baden-Württemberg kam nun massive Kritik.

Berlin: CDU-Politiker Schuster fordert Aus für Corona-Demos

Update vom 3. August, 6.43 Uhr: Die massenhaften Verstöße gegen die Corona-Auflagen bei den Demos in Berlin haben eine Debatte über die Grenzen der Versammlungsfreiheit entfacht (siehe Update vom 2. August, 12.23 Uhr). In der Union wird ein hartes Durchgreifen gefordert. CDU-Innenexperte Armin Schuster stellte Demonstrationen dieser Art generell infrage. Aus seiner Sicht wäre es verhältnismäßig, solche Versammlungen „nur noch unter sehr viel strengeren Auflagen oder gar nicht mehr zu genehmigen“, sagte er der Rheinischen Post.

Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) unterstrich, Demonstrationen dürften nur in absoluten Ausnahmefällen eingeschränkt werden. „Aber wenn die Demonstranten selbst zum Hochrisiko werden, darf der Staat nicht tatenlos zusehen“, erklärte er der Welt. Der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer kritisierte die Demonstranten. Im Bild-Talk „Die richtigen Fragen“ sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium: „Die 20.000 Demonstranten sind naiv, wenn sie nicht sehen, was sich außerhalb Deutschlands abspielt.“ Er könne „überhaupt kein Verständnis dafür aufbringen wie ein Großteil der Demonstranten vorgegangen ist“.

Die Veranstalter der Demo „Das Ende der Pandemie“ in Berlin waren laut Polizei nicht in der Lage, die Corona-Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Corona-Demos in Berlin: Esken stellt Strategie der Polizei infage - AfD-Co-Chef kann "keine Fehlverhalten" erkennen

SPD-Chefin Saskia Esken übte scharfe Kritik an den Demonstranten, stellte aber auch Einsatzstrategie der Berliner Polizei infrage. „Die Demonstration hätte schon früher aufgelöst werden können“, sagte sie der ARD-„Tagesschau“. Dies sei jedoch erst bei der Kundgebung geschehen, zu der sich noch mehr Menschen versammelt hätten. „Dann war es allerspätestens Zeit, einzugreifen.“ Der Veranstalter hatte den Protestzug am Nachmittag selbst für beendet erklärt, nachdem die Polizei Strafanzeige gegen ihn gestellt hatte.

Der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla verteidigte die Demonstranten. „Ich kann keine Fehlverhalten erkennen“, sagte er der ARD. Er habe die Demonstration verfolgt. Es sei friedlich gewesen, die Menschen seien für ihre Grund- und Bürgerrechte auf die Straße gegangen. „Und das kann man nur begrüßen.“ Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki zeigte Verständnis für die Demonstranten. Der stellvertretende FDP-Chef sagte im Bild-Talk: „Wenn Menschen das Gefühl haben, sie müssen Maßnahmen nachvollziehen, die sie selbst in ihrem eigenen Wirkungsfeld nicht für vernünftig halten, dann sagen Menschen: Das mache ich nicht mehr, ich wehre mich dagegen.“ Er sei sich sicher, dass unter Demonstranten „eine Menge Leute dabei waren, die für uns nicht verloren sind, die einfach verzweifelt sind, weil sie nicht mehr wissen, warum diese Maßnahmen umgesetzt werden“.

Corona-Demo in Berlin: „Selbstgerechtigkeit und Nazigedankengut“ - SPD-Politiker greift Protestler scharf an

Update vom 2. August, 21.25 Uhr: In Berlin demonstrierten tausende gegen die Corona-Regeln. Auf zehntausendfach geteilten Facebook-Postings wird behauptet, über eine Million seien auf der Straße gewesen - klassische Falschinformation.

Update vom 2. August, 18.45 Uhr: Lob für die Berliner Polizei nach den Corona-Demos in der Hauptstadt.

„Ich mache das selten aber möchte der Berliner Polizei für den Einsatz ganz herzlich danken. Von ihr wurde UNSERE Freiheit verteidigt, gegen Rücksichtslosigkeit, Dummheit, Selbstgerechtigkeit und Nazigedankengut“, schrieb SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bei Twitter: „Gute Besserung den Verletzten. Hoffentlich niemand infiziert worden!“

Laut Polizei waren 1100 Beamte im Einsatz. 18 wurden demnach bei den Corona-Demos verletzt, drei müssen sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Corona-Demos in Berlin: ZDF-Team von Dunja Hayali wird von Demonstranten angegangen

Update vom 2. August, 18.30 Uhr: Immer mehr wird über die Corona-Demos in Berlin bekannt. Unter anderem auch, dass ein ZDF-Team um Journalistin Dunja Hayali einen Dreh abbrechen musste, weil es zu gefährlich für die Crew wurde.

Hayali veröffentlichte danach einen rund 37-minütigen Videobeitrag bei Instagram, der die Aggression einzelner Demonstranten dokumentiert. So wurde die 46-Jährige offenbar von einzelnen Demonstranten angegangen. "Machen Sie sich ihr eigenes Bild", schrieb die TV-Reporterin dazu.

„Es ist nicht gewaltfrei. Es wäre eskaliert“, sagt ein Sicherheitsmann am Ende des Videos zu Hayali. „So, das sagt jetzt der Sicherheitsmann, wir sind ja nicht ohne Security hier: Abbruch des Drehs, zu gefährlich“, meint sie daraufhin und sagt: „Alter Schwede, das ist Deutschland 2020! So viel zum Thema Meinungs- und Pressefreiheit.“ 

Bei den Corona-Demos in Berlin sollen sich unter anderem auch Rechtsradikale unter die Demonstranten gemischt haben.

Corona-Demos in Berlin: Große Diskussion unter Hashtag #Covidioten

Update vom 2. August, 12.23 Uhr: Unter dem Hashtag #Covidioten wird am Tag danach über die Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen in Berlin diskutiert. Aber wer war es, der auf der Straße des 17. Juni seinem Frust Luft machte - und derart gegen alle Pandemie-Vorsichtsgebote verstieß, dass die Polizei den Protest auflöste? Medienberichten zufolge Menschen aus allen Milieus. So etwa Vertreter aus dem rechten Spektrum. Laut Berliner Zeitung (B.Z.) nahm etwa die rechtextreme „Patriotic Opposition Europe“ mit einem eigenen Lautsprecherwagen teil - und es wurden auch mehrere schwarz-weiß-rote Reichsfahnen geschwenkt.

Eine Spiegel-Reportin staunt über eine „verwirrende Mischung von Leuten, die sonst nicht gemeinsam auf die Straße gehen“, und spricht von „Regenbogenfahnen und Pegida-Flaggen“ nebeneinander, von „Esoterikern und Impfgegnern“ Seit an Seit. Auf einem Wagen habe die Parole „Reggae gegen rechts“ gestanden, die Demonstranten („weißhaarig, eher grün, bildungsbürgerlich“) hätten teils alte Slogans der Friedensbewegung gerufen.

Corona-Demos in Berlin: „Der Frauenanteil im Zug ist hoch“

„Der Frauenanteil im Zug ist hoch“, fiel wiederum der B.Z. auf, die eine Mutter und ihre Tochter (beide Akademikerinnen) mit „Peace“-Fahne befragte, die den Eindruck hätten, „es gehe bei der aktuellen Politik nicht mehr um Corona“. Zudem kommuniziere die Regierung in der Sache schlecht, die Medien stellten die Proteste zu Unrecht oft als Nazi-Proteste dar. Die beiden gaben zu, dass auch rechte Gruppen mitliefen: „Aber wir wollen die hier nicht, uns geht es um unsere Demokratie.“

Lambrecht (SPD) lobt Polizei bei Corona-Demos in Berlin

Justizministerin Christine Lambrecht lobte unterdessen das Vorgehen der Berliner Polizei, die „konsequent durchgegriffen“ habe. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) hob die SPD-Politikerin zwar das „besonders wichtige Rechtsgut“ Demonstrationsfreiheit hervor.  Jedoch müssten, aus Rücksicht auf andere, die Corona-Schutz-Auflagen dabei eingehalten werden: „Mir fehlt jedes Verständnis für Demonstranten, die sich hierüber selbstherrlich hinwegsetzen“, sagte sie der Zeitung.

Corona-Demos in Berlin: Polizei löst Kundgebung auf - drei Polizisten im Krankenhaus

Update vom 2. August, 7.07 Uhr: Bei der Auflösung der Kundgebung von Gegnern staatlicher Corona-Auflagen in Berlin sind am Samstag 18 Polizeibeamte verletzt worden. Drei Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie die Polizei am frühen Sonntagmorgen über Twitter mitteilte.

Nach Schätzungen der Polizei schlossen sich bis zu 17.000 Menschen einem Demonstrationszug an, rund 20.000 beteiligten sich anschließend an der Kundgebung. Weil dort viele Demonstranten weder die Abstandsregeln einhielten, noch Masken trugen, begann die Polizei am frühen Abend, die Versammlung aufzulösen. Insgesamt waren laut Polizeiangaben 1100 Beamte im Einsatz.

Corona-Demos in Berlin mit 20.000 Teilnehmern - Polizei löst Kundgebung in der Hauptstadt auf

Update vom 1. August, 22.35 Uhr: Bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin hat sich auch die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali unter die Demonstranten gemischt, um Interviews für ihre Show zu sammeln. Dabei wurde die 46-Jährige Opfer von wüsten Beleidigungen und musste schließlich den Dreh abbrechen.

Update vom 1. August, 18.50 Uhr: Die Polizei hat bei der Auflösung einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen des Staates auch die Veranstaltungsbühne besetzt und mehrere Vertreter der Veranstalter von der Bühne geholt. Zuvor wurden die ca. 20.000 Teilnehmer von den Beamten mehrfach dazu aufgefordert worden, den Bereich zu räumen. Die Veranstalter und Teilnehmer sprachen allerdings von höheren Teilnehmerzahlen. Einige sogar von mehreren 100.000 oder über 1.000.000.

Viele Teilnehmer wanderten dennoch ab oder verteilten sich auf den Wiesen des angrenzenden Tiergartens. Etwa 3000 versammelten zwischenzeitlich sich vor dem nahen Reichstag. Vor der Bühne der Kundgebung hielt sich zunächst noch ein harter Kern der Teilnehmer.

Die Polizei hatte die Kundgebung beendet, weil die Veranstalter nicht in der Lage gewesen seien, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Dies war auch bei der Demonstration zuvor der Fall. „Aufgrund der Nichteinhaltung der Hygieneregeln wurde eine Strafanzeige gegen den Leiter der Versammlung gefertigt“, twitterte die Polizei. Die Veranstalter erklärten die Demonstration anschließend für beendet.

Mehrer Corona-Demos in Berlin - Spahn :„Demonstrationen müssen möglich sein, aber...“

Update vom 1. August, 17.30 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich via Twitter zu den Massendemonstrationen und Kundgebungen geäußert, die am heutigen Samstag in Berlin stattfinden. „Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein“, postete Spahn über den Kurznachrichtendienst. Die Art und Weise des Protests sei jedoch unverantwortlich. „Aber nicht so. Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienen unser aller Schutz; so gehen wir respektvoll miteinander um und schätzen den Verzicht so vieler in dieser Pandemie wert", schrieb der Bundesminister weiter. Die Pandemie würde man nur mit Vernunft, Ausauer und Teamgeist besiegen.

Update vom 1. August, 16.34 Uhr: Die Berliner Polizei plant nach Informationen der dpa die Kundgebungen gegen staatliche Corona-Auflagen in der Hauptstadt aufzulösen. Die Veranstalter würden nicht für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen sorgen. Bereits zuvor wurde eine Massendemo gegen die Corona-Maßnahmen vom Veranstalter vorzeitig beendet. An der Kundgebung sollen allein 17.000 Menschen teilgenommen haben. Gegen den Veranstalter wurde Strafanzeige wegen „Nichteinhaltung der Hygieneregeln“ gestellt. In Berlin kam es jedoch zu weiteren Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen, die nun aufgelöst werden sollen.

Update vom 1. August, 14.57 Uhr: Die Massendemo von zehntausenden Corona-Leugnern in Berlin ist vorzeitig beendet worden. Wie die Berliner Polizei am Nachmittag mitteilte, wurde gegen den Versammlungsleiter eine Strafanzeige wegen der „Nichteinhaltung der Hygieneregeln“ gefertigt.

Wie die Polizei um 14.36 Uhr bekannt gab, wurde die Demo durch den Veranstalter beendet. Auf Twitter hieß es seitens der Polizei zuvor: „Nachdem der Versammlungsleiter die Teilnehmenden auf ausreichende Abstände und das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung hingewiesen hat, werden unsere Kollegen auf die Einhaltung dieser Auflagen achten.“

Massendemo der Corona-Leugner: Berliner Polizei prüft nach vorzeitigem Ende „weitere Maßnahmen“

Offenbar konnte der Demo-Veranstalter die Einhaltung der Auflagen nicht gewährleisten und musste letztlich die Kundgebung früher als geplant beenden. Nun versucht die Polizei, den Umzug zu entzerren und prüft „weitere Maßnahmen“. Dem Versammlungsleiter droht möglicherweise ein juristisches Nachspiel.

Update vom 1. August, 11.32 Uhr: In Berlin versammeln sich aktuell zehntausende Menschen zu einer Kundgebung. Laut Tagesspiegel fuhren die Demonstranten ohne Masken in der S-Bahn und hielten teilweise Fahnen mit rechten Symbolen. In Berlin-Mitte formiert sich der Protest der Corona-Leugner, Innensenator Andreas Geisel spricht von einer „besonderen Herausforderung“.

Die Teilnehmer der Demo standen dicht gedrängt und riefen auf ihrem Marsch über die zentral gelegene Straße Unter den Linden: „Wir sind die zweite Welle!“. Zudem machten die Corona-Leugner ihrem Unmut über die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus mit Trillerpfeifen und Rufen wie „Freiheit“ oder „Widerstand“ Luft. Außerdem waren Parolen wie „Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie“ zu hören.

Anti-Corona-Demo: Abstandsregeln werden ignoriert - Mundschutz trägt fast niemand

Die Demonstranten verzichteten weitgehend auf Abstandsregeln, kaum ein Teilnehmer trug einen Mund-Nasen-Schutz. Offenbar kamen die Protestierenden aus dem gesamten Bundesgebiet, sie trugen Ortsschilder und Fahnen verschiedener Bundesländer. Trotz steigender Infektionszahlen wollen sie das Ende aller Auflagen.

In Berlin versammeln sich zehntausende Menschen zu einer Anti-Corona-Demo.

Zuvor hatte die Gruppierung „Querdenken 711“ zu einer Großdemo im Berliner Tiergarten aufgerufen. Die Corona-Leugner gingen von bis zu 500.000 Teilnehmern am von ihnen ernannten „Tag der Freiheit“ aus.

Corona-Leugner protestieren in Berlin - Gegendemos geplant

Laut Berliner Polizei waren für die Kundgebung allerdings nur rund 10.000 Teilnehmer angemeldet. Das Motto der Demo „Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit“ trägt den identischen Titel wie ein Propagandafilm der Nazi-Ikone Leni Riefenstahl, der vom NSDAP-Parteitag von 1935 handelte.

Auch mehrere Gegendemonstrationen sind geplant, unter anderem wurde eine Veranstaltung „Kein Fußbreit den Verschwörungstheoretikern“ mit 500 Menschen bei den Behörden angemeldet.

Erstmeldung vom 31. Juli: Berlin - Was erwartet die Hauptstadt am kommenden Samstag (1. August)? Die Gruppierung „Querdenken 711“ ruft zu einer Großdemo im Berliner Tiergarten auf. Die Corona-Leugner sprechen von 500.000 Teilnehmern am von ihnen ernannten „Tag der Freiheit“. Das Ende der Pandemie soll dort gefeiert werden. Steigende Fallzahlen werden als Humbug abgetan, wenn denn überhaupt registriert.

Die Stuttgarter Initiative glaubt nicht an die Existenz des Coronavirus. Ihr Pressesprecher Stephan Bergmann nennt es „Fake-Virus“ und ist sich sicher, es sei von „Fake-Wissenschaftlern“ erlogen, zitiert ihn der Tagesspiegel. Absurde Aussagen und Gerüchte rund um das Coronavirus machen schon seit Beginn der Pandemie die Runde.

Coronavirus: Großdemo in Berlin - Corona-Leugner sprechen von 500.000 Teilnehmern

Angeblich stünden 3.000 Busse bereit um die Demonstranten in die Hauptstadt zu bringen. Sollte es nicht die gesamte halbe Millionen nach Berlin schaffen, gibt es dafür auch schon eine Schuldige. Innerhalb der Initiative und den ihre sympathisierenden Gruppierungen heißt es, Angela Merkel werde Zufahrtsstraßen und Zugstrecken nach Berlin sperren lassen. Die Anreise der Menschen soll angeblich verhindert werden.

Eine Demonstration dieses Ausmasses hätte die Bundesrepublik lange nicht gesehen. Dementsprechend zweifelhaft sind die Zahlen, von denen die Organisatoren sprechen. Die Polizei rechnet am Samstag mit maximal 22.000 Teilnehmern. Bei Facebook haben 2.258 /Stand 31. Juli, 15.58 Uhr) zugesagt. In einschlägigen Portalen soll trotzdem sogar das Gerücht von 4,5 Millionen Demonstranten kursieren.

„Querdenken 711“: Keine rechte Initiative? Mitstreiter offen rechtsextrem

„Querdenken 711“ betont regelmäßig, dass es in ihrer Bewegung kein rechtes Gedankengut gebe. Auf Twitter zeigen sich Mitverantwortliche gerne betont weltoffen, sprechen von Frieden und Freiheit. In Baden-Württemberg fanden bereits einige Aktionen der Gruppe statt.

Das Rahmenprogramm der geplanten Kundgebung hinterlässt allerdings einen ganz anderen Beigeschmack. Pegida-Redner Thorsten Schulte wird auf der Bühne sprechen, auch Verschwörungsideologe Heiko Schrang. Daneben ist ein Auftritt des umstrittenen Rappers Kevin Mohr geplant.

Die Stuttgarter „Querdenker“ bezeichnen sich selbst als politisch absolut neutral. Ihre Mitstreiter tun offensiv das Gegenteil. Unter anderem rufen auch das vom Verfassungsschutz beobachtete Magazin „Compact“ sowie die Gruppierung „Patriotic Opposition Europe“ zur Teilnahme am „Tag der Freiheit“ auf. Beide sind offen rechtsextrem. Auch die NPD mischt übrigens mit. Der sich selbst als freiheitsliebend bezeichnende „Querdenker 711“-Initiator Stephan Bergmann steht derweil unter dem Verdacht, identitäres Gedankengut zu verbreiten.

Corona-Demo in Berlin: Zuvor wird Landesvertretung attackiert - gibt es einen Zusammenhang?

Haben sich die rechten Gruppierungen dem Corona-Protest zufällig angeschlossen? Die Virus-Leugner werden diese Frage wohl mit Schweigen beantworten. Wie geleakte Screenshots aus Telegram-Chatgruppen und diverse Facebook- sowie Twitter-Bekundungen nahelegen, spielt politische Gesinnung für sie eine untergeordnete Rolle. Es eint die Wut auf das System.

Ebenfalls eine auffällige zeitliche Korrelation mit dem angekündigten Protest hat eine Attacke auf die Landesvertretung Baden-Württembergs am Freitag. Maskierte bewarfen das Regierungsgebäude mit Steinen und gefüllten Farbflaschen. Die Polizei schließt ein politisches Motiv keinesfalls aus. „Wir haben keine Erkenntnisse, in welche Richtung es geht“ räumt ein Sprecher allerdings ein. Die Unbekannten konnten flüchten.

Die Corona-Pandemie bestimmt weiterhin den Alltag in Deutschland und der Welt. SPD-Experte Karl Lauterbach fordert einen Strategiewechsel im Kampf gegen das Virus. Ob eine zweite Welle droht, ordnet eine Epidemiologin anhand verschiedener Faktoren ein. Russland will unterdessen bereits gefunden haben, wonach die ganze Welt gerade sucht: einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Eine neutrale Bewertung des Stoffs ist mangels Veröffentlichungen unmöglich.*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa/picture alliance

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