Wählerzuspruch sinkt

Neue Umfrage: Nach Lindners Corona-Fauxpas - FDP taumelt dem Bundestags-Aus entgegen

Nach Ministerpräsidentenwahl in Thüringen - FDP
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Der Blick aufs ZDF-Politbarometer dürfte FDP-Chef Christian Lindner an diesem Freitag nicht gefallen haben.

FDP-Chef Christian Lindner hat vor wenigen Tagen einen aufsehenerregenden Corona-Fauxpas begangen. Nun sinken die Umfragewerte der Partei.

Update vom 29. Mai 2020: Vor einigen Tagen hatte FDP-Chef Christian Lindner mit einer Umarmung für den weißrussischen Honorarkonsul einen kleinen Corona-Eklat provoziert. Auch ein gelöschter Tweet zum Thema Thüringen sorgte für Stirnrunzeln - und Thüringens Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich erregte mit einem Auftritt ohne Abstand und Mundschutz auf einer zweifelhaften Demo Aufsehen.

Ob Zufall oder nicht: Nun ist die FDP zum ersten Mal in dieser Wahlperiode im ZDF-Politbarometer unter die Fünf-Prozent-Marke gefallen. Nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage käme die Partei im theoretischen Fall einer Bundestagswahl am kommenden Sonntag auf lediglich vier Prozent, und damit auf einen Prozentpunkt weniger als noch vor zwei Wochen - mit diesem Wert würde die Partei zum zweiten Mal nach 2013 aus dem Bundestag herausfallen. Bei der Wahl 2017 hatte sie mit 10,7 Prozent noch mehr als doppelt so viel erreicht. Ende August sprach Lindner im Interview mit dem Münchner Merkur* über den Corona-Kurs der Regierung und warum die FDP trotz Unmut in der Bevölkerung nicht davon profitiert.

Häme kam am Freitag von den Grünen: Lindner schreite auf „den Spuren von Philip Rösler erfolgreich voran“, spottete Ex-Minister Jürgen Trittin. „An den 4% hart er hart gearbeitet ...“. Rösler war von 2011 bis 2013 FDP-Chef. Nachdem die Partei 2013 die Fünf-Prozent-Hürde riss, übergab er den Staffelstab an Lindner. Ein Vertrauter von Lindner ist unterdessen in ein Fettnäpfchen getreten, im Zuge einer Trauerbekundung.

Lindners Vorgänger an der FDP-Spitze war Ex-Vizekanzler Philipp Rösler. Der ehemalige Politiker wurde jetzt beim Einkaufen nach seinem Ausweis gefragt - und bedankt sich nun wegen der Maskenpflicht. Linder stellte sich unterdessen im ARD-Sommerinterview 2020 den Fragen. Auch 24hamburg.de* hat über Christian Lindner* berichtet.

Meldung vom 18. Mai 2020: 

Berlin/München - Die Corona-Krise bedeutet auch in Deutschland einiges an menschlichem Leid - gerade für die Risikogruppen in Altenheimen, in Krankenhäusern; auch für Menschen, die nun nicht ihrem Beruf nachgehen können. All jene, die nicht selbst nicht so akut in Gefahr sind, sind momentan zu Disziplin und Solidarität angehalten: Maske auf, Abstand halten, womöglich immer noch etwas häufiger zuhause bleiben. Lockerungen zum Trotz.

Dass das alles nicht immer klappt, es zeigt sich in der U-Bahn, bei steigenden Temperaturen auch auf den Straßen - und an den besonders exponierten Orten. Auf dem Bundesliga-Rasen etwa. Aber auch in der Politik. Ob man Situationen von „Maske ab, voll auf Tuchfühlung und mitten im Getümmel“ dann als zutiefst menschliche Regung oder fahrlässige Gedankenlosigkeit bewerten mag, es bleibt eine subjektive Entscheidung.

Christian Lindner: FDP-Chef erteilt Umarmung ohne Maske - ausgerechnet für weißrussischen Honorarkonsul

Durchaus pikant ist so oder so ein Fall aus dem Herzen des politischen Berlin. In Berlin-Mitte, am Promi-Restaurant Borchardt, ist am Freitag (14. Mai) FDP-Chef Christian Lindner fotografiert worden. An sich kein Problem, in der Hauptstadt dürfen just seit diesem Tag Cafés und Restaurants wieder buchstäblich ihre Pforten öffnen.

Doch die Umstände haben es in sich. Denn auf dem auf Twitter kursierenden Schnappschuss ist Lindner ohne Maske und in enger Umarmung zu sehen - einem Bericht der Berliner B.Z. zufolge ausgerechnet mit Steffen Göpel, dem Honorarkonsul Weißrusslands. Also einem Vertreter jenes Landes, dessen diktatorisch veranlagter Präsident Alexander Lukaschenko die Existenz des Coronavirus in seinem Einflussbereich in teils kurioser Weise leugnete.

Zugleich wurde der Wiedereröffnungsabend im Borchardt unstrittigerweise von der Polizei beendet. Der Besitzer bestätigte der B.Z., das Lokal habe die erlaubte Öffnungszeit um mindestens zehn Minuten überschritten. Die Polizei selbst berichtete, etwas brisanter, von einem Einsatz wegen eines überfüllten Lokals in der Französischen Straße, in der auch das Restaurant beheimatet ist.

FDP-Chef Christian Lindner entschuldigt sich für Umarmung

Coronavirus: Linder missachtet Corona-Regeln - „Tut mir leid!“

Lindner hatte in den Wochen zuvor immer wieder harsche Kritik an laxem und offenkundig tatsächlich fahrlässigem Umgang mit Mundschutz- und Abstandgebot geübt. Mit Blick auf das vieldiskutierte Facebook-Video des Berliner Profifußballer Salomon Kalou forderte Lindner etwa eine strenge Ahndung des „individuellen Fehlverhaltens“, so, „dass es selbst Fußballmillionären richtig weh tut“. 

Ob Lindner nun auch selbst schmerzhafte Maßnahmen gegen sich selbst befürwortet, ist nicht bekannt. Ein individuelles Fehlverhalten hat er jedenfalls eingeräumt. „Die spontane Umarmung bei der Verabschiedung am Freitag war ein Fehler, wie er unter Freunden nach einem privaten Abend leider passiert“, twitterte er am Montag - knapp vier Tage nach dem Vorfall und nach dem Erscheinen des B.Z.-Berichts. Es habe sich nicht um Vorsatz, sondern um Unkonzentriertheit gehandelt. 

Zugleich nahm der FDP-Chef für sich selbst die Deutung des zutiefst menschlichen für seinen Fehltritt in Anspruch. „Am Ende bleibt man Mensch. Tut mir leid!“

Coronavirus in Deutschland: Linder nach Corona-Fehltritt mitten im Debatte-Getümmel

Im Kurznachrichtendienst hagelte es natürlich dennoch Kritik. Der Hashtag „#Lindner“ wurde zum Toptrend auf Twitter. Auch Theorien und Thesen verschiedener Couleur waren zu lesen. „Ins Borchardt gehen Leute, um gesehen zu werden“, verpackte eine Userin einen recht schwerwiegenden Vorwurf in vergleichsweise harmlose Worte. 

Gegner der Corona-Schutzregeln wollten Lindner beispringen. „Es gibt keinen Grund sich zu entschuldigen“, postete einer unter Lindners Tweet. „Wir sollten alle wieder unsere Freunde umarmen, wenn uns danach ist.“ Lindner Social-Media-Team bemühte sich, diese Unterstützer einzubremsen: „Nein, das ist falsch“, stellte es klar. „In Zeiten von Corona sollten wir alle auf Abstand achten.“

Allerdings drängte selbst die politische Konkurrenz zur Rückkehr zum Tagesgeschäft. Grünen-Vizechefin Jamila Schäfer etwa bemerkte, Lindner habe sich für seinen Fehler entschuldigt - „können wir uns jetzt bitte wieder inhaltlich mit der FDP auseinandersetzen? Danke.“ SPD-Amtskollege Kevin Kühnert fand sogar Lob für Lindner. Wer nicht „von Politik-Maschinen repräsentiert werden möchte“ müsse Fehler in Kauf nehmen - Lindner habe vorgemacht, wie man souverän mit ebensolchen umgehe.

Das Coronavirus wird für die Liberalen auch im September zu einer Herausforderung werden, wenn unter den besonderen Vorzeichen der Pandemie der FDP-Bundesparteitag 2020* stattfindet. Die Beschlüsse werden live im TV und im Live-Stream übertragen*. Mit dem Treffen wollen sich die Liberalen für das Wahljahr aufstellen.

Außenminister Heiko Maas beantwortet in einer ARD-Sendung Fragen der User - die letzte wird im Internet zerrissen.

fn

*Merkur.de und 24hamburg.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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