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„Pandemie-Radar“: Lauterbach stellt Corona-Strategie vor - ganz ohne Grenzwerte

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Von: Markus Hofstetter

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Bundesgesundheitsminister Lauterbach will mit einem „Pandemie-Radar“ bessere Vorhersagen über neue Coronavirus-Wellen ermöglichen. Doch das eigentliche Ziel könnte verfehlt werden.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) befürchtet im Herbst eine Verschlechterung der Corona-Situation. Die Maßnahmen des geplanten Corona-Infektionsschutzgesetzes sollen helfen, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Doch das neue Gesetz zieht viel Kritik auf sich, sowohl aus der Politik als auch aus der Wissenschaft. So kritisiert Klaus Holetschek (CSU) es als „nicht zu Ende gedacht“. Experten werfen Lauterbach vor, er habe sich von der Wissenschaft verabschiedet.

Lauterbach mit „Pandemie-Radar“ gegen das Coronavirus: mithilfe von genaueren Daten die geeigneten Maßnahmen ergreifen

Ein Kritikpunkt am Infektionsschutzgesetz ist, dass es den Bundesländern zwar erlaubt, Corona-Maßnahmen zu verhängen. Es ist allerdings unklar, unter welchen Bedingungen die Bundesländer die Einschränkungen erlassen sollen. Lauterbach begründete den Verzicht auf Grenzwerte damit, dass dies immer wieder gescheitert ist.  

Gesundheitsminister Lauterbach
Karl Lauterbach, Bundesminister für Gesundheit. © Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild

Auch, dass Lauterbach ihnen über das sogenannte „Pandemie-Radar“ bessere Daten zur Verfügung stellen will, scheint kein große Hilfe zu sein. Das Ziel des „Pandemie-Radars“ ist, den Bundesländern eine Fülle von Zahlen zur Verfügung zu stellen, damit sie eine genauere Vorhersage über eine anrollende Coronavirus-Welle machen und entsprechende Maßnahmen ergreifen können.

Lauterbach mit „Pandemie-Radar“ gegen das Coronavirus: Bundesländer sollen Eindruck über Entwicklung der Lage erhalten

„Das Pandemie-Radar, das wir momentan ausbauen, wird den Ländern einen guten Eindruck geben, wie sich die Lage entwickelt“, so Lauterbach in einem Interview mit der Welt am Sonntag (28. August). Eine gut begründete Gefahr für das Bundesland im Lichte vieler einzelner Parameter gebe die beste Rechtssicherheit.

Doch welche Daten genau erhoben werden sollen, scheint noch unklar. Dazu sollen die Bettenbelegung in Krankenhäusern und die Erfassung aller PCR-Tests, also der positiven und der negativen, gehören. Auch die Abwasserüberwachung soll ausgebaut werden. Das Abwasser eignet sich für eine Untersuchung des Infektionsgesehens, da sich darin stark verdünnt, winzige Virusbestandteile befinden, die manche Infizierte beim Zähneputzen oder beim Toilettengang ausscheiden. Als Hauptvorteile dieser Variante gelten der zeitliche Vorlauf im Vergleich zu den offiziellen Pandemie-Daten und die Unabhängigkeit von der Zahl durchgeführter Tests. 

Lauterbach mit Pandemie-Radar gegen das Coronavirus: Es wird keine Grenzwerte geben

Zwar will Lauterbach den Bundesländern mit dem „Pandemie-Radar“ Zahlen über das Infektionsgeschehen zur Verfügung stellen, aber keine Richtlinien, wie die diese anzuwenden sind. „Der Wunsch nach einfachen Grenzwerten zur Beurteilung der Corona-Lage ist so verständlich wie irreführend“, so der Gesundheitsminister. Jedem Landesgesundheitsminister mit Pandemie-Erfahrung sollte klar sein, dass das Infektionsgeschehen weitaus komplexer als drei oder vier Zahlen sei. Aber richtig sei, dass man einen besseren Überblick brauche. Denn schaffe man mit dem „Pandemie-Radar“.

Dadurch, dass Lauterbach die Entscheidungsgewalt, wann welche Corona-Maßnahmen eingeführt werden, in die Hände der Bundesländer legt, ist die Gefahr eines erneuten sogenannten „Flickenteppichs“ groß. Das heißt, dass Corona-Regelungen sich innerhalb Deutschlands stark unterscheiden, dass es für Bürger nur schwer nachvollziehbar wird, welche Regelungen an ihrem aktuellen Aufenthaltsort gelten. Um dies zu verhindern, fordern Experten wie Virologe Hendrik Streeck deswegen mit Blick auf Maßnahmen klare Vorgaben.

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