Bundestagswahl 2017

Frauke Petry von der AfD: Schmeißt sie noch am Wahlabend hin?

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Frauke Petry.

Um Frauke Petry ist es in den vergangenen Wochen ruhiger geworden. Parteivorsitzende der AfD ist sie noch, geht allerdings auf Distanz zu ihren Spitzenkandidaten. Wie geht es für das ehemalige Aushängeschild der Alternative für Deutschland nach der Wahl weiter?

Wenige Tage vor der Wahl geht Frauke Petry auf Distanz zu Alice Weidel und Alexander Gauland, dem Spitzenduo der AfD. Zur Leipziger Volkszeitung sagte sie, sie verstehe, wenn Wähler über die Äußerungen der Spitzenkandidaten entsetzt seien. „Es ist zu erleben, dass sich gerade viele bürgerliche Wähler abwenden. Das liegt auch an Schlagzeilen, wie sie in jüngster Zeit produziert wurden, und bei denen man sich jedes Mal fragt, ob sie tatsächlich wahr und damit ein Skandal sind.“

Weiter sagte sie: „Wenn nicht klar ist, wohin die Partei steuert, verunsichert das die Wähler.“ Die Parteichefin wollte außerdem am Mittwoch vor der Wahl in Görlitz sprechen, sagte ihre Rolle als Hauptrednerin aber kurzfristig ab. Innerparteiliche Querelen sollen der Grund dafür sein, wie der Berliner Tagesspiegel berichtet. Ihr Einfluss auf ihre Parteikollegen nimmt weiter ab, was schon beim sächsischen Landesparteitag der AfD im März dieses Jahres deutlich geworden war: Damals war Petry in Tränen ausgebrochen wegen einer heftigen Attacke von Parteikollegen. Nach dem Parteitag im März folgte eine Reihe weiterer Veranstaltungen, auf denen innerhalb der Partei Stimmung gegen Petry gemacht wurde. In ihrem Wahlkreis war sogar darüber nachgedacht worden, sie als Direktkandidatin abzusetzen. Die AfD-Basis im Kreisverband sächsische Schweiz-Osterzgebirge bekannte sich letztendlich aber doch zu Petry - sie blieb Direktkandidatin. 

Seit ihrem Verzicht auf die Spitzenkandidatur im Bundeswahlkampf verhärteten sich die Fronten in der Partei weiter. Auf der einen Seite steht das gemäßigter auftretende Lager um Frauke Petry und ihren Ehemann Marcus Pretzell, auf der anderen der völkisch-fundamentalistische Flügel um Alexander Gauland und Björn Höcke.

Für die Frau an der Spitze der Alternative für Deutschland könnte nun also alles von der Bundestagswahl am kommenden Sonntag, 24. September, abhängen. Sollte die AfD ein gutes Ergebnis in Sachsen erzielen, könnte sie damit wieder einen besseren Stand in der Bundespartei bekommen. Möglich ist aber auch, dass Frauke Petry sich noch am Wahlabend (oder kurz danach) zurückzieht. Sie hatte bereits im März 2017 über diese Möglichkeit nachgedacht (lesen Sie bei Merkur.de: Nach Petry-Rückzug: Die AfD erneut vor der Spaltung?). Petry und ihr Mann hatten erwogen, nach der Bundestagswahl mit ihren Abgeordneten die AfD-Fraktionen im Bundestag und in den Landtagen zu verlassen und eine neue Partei zu gründen - eine Art bundesweite CSU.

Bei diesem möglichen Schritt geht es auch darum, dass das Ehepaar den Fehler von Parteigründer Bernd Lucke vermeiden will. Dieser hatte nach einem Machtkampf mit Petry die AfD verlassen. 

Frauke Petry: Das war ihr ursprüngliches Ziel

Ursprünglich war es einmal Petrys Ziel gewesen, als alleinige Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf zu gehen. Doch diese Hoffnungen musste sie nach einer Mitgliederversammlung der AfD im Februar begraben. Mit der Ernennung von Alice Weidel und Alexander Gauland zum Spitzenduo für die Wahl 2017 sollte die ganz große Schlappe jedoch erst noch folgen. Offiziell hatte Petry auf die Position als Spitzenkandidatin verzichtet - innerhalb der Partei sorgte diese Maßnahme für ein Beben. 

Im Januar hatte sie in einem Interview mit dem Focus noch betont, dass Mehrfachspitzen wenig förderlich für den Wahlkampf seien. Im gleichen Monat prognostizierte sie ein „sicheres zweistelliges Ergebnis“ für die AfD, das Potential der Partei sei dennoch „nach oben begrenzt“. Als Ziel nannte Frauke Petry dabei, die AfD wolle „stärkste Oppositionspartei“ werden. Im Anschluss folgte die Entscheidung der AfD-Vorstandsmitglieder, mit einem Team an Spitzenkandidaten gegen die anderen Parteien anzutreten. 

Im Juni lag die AfD laut einer Allensbach-Umfrage bei lediglich 6,5 Prozent -  seitdem befinden sich die Alternativen im Aufwind. Die jüngste Allensbach-Umfrage vom 19. September sah die AfD bei 10 Prozent. Rund um diesen Wert kreist die Partei seit Wochen. 

Frauke Petry: Wer ist die Frau an der Spitze der AfD?

Doch wer ist die Parteivorsitzende der AfD? Frauke Petry ist studierte Chemikerin, fünffache Mutter und Parteivorsitzende der AfD. Mit dieser Partei wollte sie es als Spitzenkandidatin schaffen, in den Bundestag einzuziehen. Doch es kam anders - Alexander Gauland und Alice Weidel führten durch den Bundestagswahlkampf.

Doch wer die AfD und Frauke Petry begreifen will, sollte dabei mit Sicherheit auch einen Blick hinter die Kulissen der Politikerin werfen. 

Frauke Petry wurde 1975 in Dresden geboren. Ihr Vater floh nach Westdeutschland, der Rest der Familie folgte ihm kurz nach dem Mauerfall in die Nähe von Dortmund. In der Schule war Petry eine Überfliegerin, machte ihr Abitur mit einem Durchschnitt von 1,1 und erhielt später ein Stipendium für ihr Chemie-Studium. Sie gründete auch ihre eigene Firma, ging damit aber fünf Jahre später pleite. 

Frauke Petry und die AfD: So gelang ihr der Aufstieg in der Partei

Heute steht in ihrer Berufsbeschreibung „Politikerin“, sie ist als Landes- und Bundesvorsitzende für die AfD tätig. Sie war jedoch als eine derer in die AfD eingestiegen, denen der Grundgedanke der Partei zwar gefiel, die sich aber mit der Politik von Bernd Lucke trotzdem nicht identifizieren konnten. Petry hatte in ihrem Machtkampf mit Lucke einen wichtigen Unterstützer an ihrer Seite, Markus Pretzell. Mit Pretzell ist sie heute verheiratet, im Mai kam das gemeinsame Kind zur Welt. Mit Pretzells Hilfe schaffte es Petry, Bernd Lucke 2015 den Parteivorsitz abzugreifen und von den Mitgliedern der AfD zur ersten Vorsitzenden gewählt zu werden. Parteigründer Bernd Lucke wurde in dieser Abstimmung von den AfD-Mitgliedern sogar ausgebuht und ausgepfiffen. 

Wer ist Frauke Petry? Ein Portrait im „New Yorker“

Auch im Ausland wurde Frauke Petry bereits wahrgenommen. Im Oktober 2016 hat sich ein Journalist des Gesellschaftsmagazins The New Yorker über einige Zeit hinweg mit Petry beschäftigt und ein Portrait über sie geschrieben, das auch in deutschen Medien kursierte. „Der neue Star der neuen deutschen Rechten“ heißt der Text, in dem Thomas Meaney die AfD als das erfolgreichste, nationalistische Phänomen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschreibt.

Petry wird von ihm hier sehr genau charakterisiert, er hat sie aufmerksam beobachtet, immer wieder fügt er Zitate ein. Meaney traf Petry häufig zu Gesprächen, er hörte sich Reden von ihr an und begleitete sie auf Wählerveranstaltungen. Dabei erweckt er das Bild einer sehr ehrgeizigen, intelligenten, aber auch kühl berechnenden Frau. Um sich selbst ein Bild von Meaneys Portrait zu machen, finden Sie hier den Artikel zum Nachlesen

Petrys wichtigste politische Themen 

Auf ihrer Website stellt Frauke Petry ihre ganz persönlichen AfD-Themen vor: Im Bereich der Familienpolitik ist das die Forderung eines Familienwahlrechts. Das besagt, dass Eltern für ihre Kinder zur Wahl gehen können. Gleichzeitig macht sich Petry auch für ein „Familiensplitting“ stark: Dieses soll das Ehegattensplitting ersetzen und die Zahl der Kinder bei der Besteuerung stärker berücksichtigt werden. 

Petry befürwortet das Angebot von staatlichen, privaten und kirchlichen Schulen – Förderschulen sollen nebenher vorhanden sein. So heißt es in ihrer Schwerpunktsübersicht: „Inklusion muss dem Menschen dienen, nicht der Mensch der Inklusion.“ Damit schließt sie an das AfD-Grundsatzprogramm an, in dem die Partei klar ihre Stellung zur Inklusion in deutschen Schulen erklärt: Teilhabe am deutschen Bildungssystem sei Kindern mit Behinderung bereits in ausreichendem Ausmaß gewährleistet, heißt es in dem bundesweiten Programm. Eine stärkere Inklusion würde nicht behinderte Schüler in ihrem Lernerfolg hemmen. 

Ganz im Einklang mit dem bundesweiten AfD-Programm fordert Petry auch persönlich, den Einfluss der EU auf die Bundesländer und deren Politik zu beschränken. So heißt es auf Petrys Website: „Regionale Förderung braucht keinen Umweg über Brüssel.“ 

Vom Klimawandel ist die Chemikerin - wie auch der Rest der AfD - nicht überzeugt: Sie fordert aus diesem Grund ausdrücklich, dass Braunkohle weiter genutzt werden soll.

aj/pak

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