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Ukraine-Krieg: Ostukrainischer Bürgermeister übergelaufen - Das geschah in der Kriegsnacht

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Von: Katja Thorwarth

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In Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine warnt Präsident Selenskyj die Ukrainer, die sich Russland andienen. Die Nacht und ein Ausblick auf den Tag.

Kiew - Auch am Samstag sieht die ukrainische Luftwaffe im Ukraine-Krieg* nach Angaben ihres Kommandeurs trotz schwerer russischer Angriffe den Himmel über der Ukraine weiter in ihrer Hand. „Der Feind hat den ukrainischen Himmel nicht kontrolliert und kontrolliert ihn nicht“, sagte Generalleutnant Mykola Oleschtschuk. Der Generalstab in Kiew veröffentlichte die Äußerungen auf Facebook.  

In Mariupol, der am stärksten zerstörten südukrainischen Stadt, ruhen die Hoffnungen am Samstag auf einem neuen Versuch der Evakuierung von Zivilisten unter dem Schutz des Roten Kreuzes. Am Freitag war erneut kein sicherer Fluchtkorridor zustande gekommen, auch wenn eigentlich eine Feuerpause mit Russland vereinbart war. Vertreter des Roten Kreuzes kündigten aber an, am Samstag einen neuen Anlauf zu nehmen.

Die Ostukraine ist im Ukraine-Krieg stark umkämpftes Gebiet.
Die Ostukraine ist im Ukraine-Krieg stark umkämpftes Gebiet. © dpa/Ukrinform

Ukraine-Krieg: Heftige Kämpfe gehen in der Nacht zu Samstag weiter

In der Nacht zu Samstag gingen die heftigen Kämpfe in vielen Teilen der Ukraine gingen in der Nacht zu Samstag weiter, wobei ukrainische Behörden Raketenbeschuss auf mehrere Großstädte im Süden des Landes meldeten. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte vor mehr als einem Monat am 24. Februar den Angriff auf das Nachbarland befohlen.

Ukraine-Krieg: Raketentreffer auf Städte

In der Millionenstadt Dnipro in der Ukraine* seien schwere Explosionen zu hören gewesen, berichtete das Portal Ukrajinska Prawda unter Berufung auf die Gebietsverwaltung. Die Umgebung der Stadt Krywyj Rih wurde mit Raketenwerfern beschossen. Dabei sei eine Tankstelle in Brand geraten, teilte der Chef der örtlichen Militärverwaltung, Olexander Wilkul, mit. Seinen Angaben nach setzten die russischen Kräfte Mehrfachraketenwerfer vom Typ Grad (Hagel) ein. Wie alle Berichte aus den Kampfzonen waren die Angaben nicht unabhängig überprüfbar. Am Freitagabend war auch die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer mit Raketen beschossen worden.

Mit schweren russischen Angriffen rechnet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj*. Er befürchtet den Osten des Landes als Kernziel. „Russische Soldaten werden in den Donbass geholt. Genauso in Richtung Charkiw“, sagte der Staatschef in einer Videoansprache in der Nacht zum Samstag. „Im Osten unseres Landes bleibt die Lage sehr schwierig.“

Ukraine-Krieg: Flucht aus Mariupol

Auch wenn es am Freitag keinen organisierten Fluchtkorridor aus Mariupol gab, gelang es dennoch etwa 3000 Menschen, auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet zu flüchten. Etwa 2500 Flüchtlinge aus Mariupol wie aus der Stadt Melitopol trafen nachts in Bussen und Privatautos in Saporischschja ein. Das teilte ein Mitarbeiter des ukrainischen Präsidialamtes, Kirilo Timoschenko, mit. Moskau sprach von ebenfalls mehr als 3000 Menschen, die Mariupol am Freitag in Richtung Russland verlassen hätten. Das Rote Kreuz plant, einen Evakuierungskonvoi aus Bussen und Privatfahrzeugen aus der Hafenstadt zu geleiten.

Selenskyj warnt Kollaborateure im Ukraine-Krieg

Wolodymyr Selenskyj mahnte Ukrainer im russisch kontrollierten Süden des Landes, keine Posten in dem Besatzungsregime anzunehmen. In seiner Videoansprache nannte er solche Leute Gauleiter wie bei den Nationalsozialisten. „Meine Botschaft an sie ist einfach: Die Verantwortung für die Kollaboration ist unausweichlich.“ Nach ukrainischen Angaben versucht Russland, in den besetzten Gebieten moskautreue Verwaltungen aufzubauen.

Die prorussischen Separatisten im Gebiet Luhansk teilten unterdessen mit, der Bürgermeister der Stadt Rubischne sei zu ihnen übergelaufen. Bürgermeister Serhij Chortyw habe die ukrainischen Truppen aufgerufen, die Waffen niederzulegen. Rubischne ist im Verwaltungsgebiet Luhansk die achtgrößte Stadt und hatte vor dem Krieg etwa 60.000 Einwohner. Die Stadt war bislang nicht in der Hand der Separatisten. Kiewer Politiker drohten Chortyw Vergeltung an.

Ukraine-Krieg: Generalmajor festgenommen

Ein Generalmajor der Reserve vom ukrainischen Geheimdienst SBU wurde festgenommen bei dem Versuch, sich verbotenerweise nach Ungarn abzusetzen. An der Grenze habe er sich als Gefreiter ausgegeben, teilte das Staatliche Ermittlungsbüro mit. In der Nacht zu Freitag hatte Selenskyj mitgeteilt, er habe zwei Brigadegeneräle des SBU degradiert. Er nannte sie Verräter, genaue Gründe nannte er nicht.

USA liefern im Ukraine-Krieg militärische und politische Hilfe

Das US-Verteidigungsministerium will der Ukraine weitere Waffen im Wert von 300 Millionen Dollar (270 Millionen Euro) zukommen lassen. Das neue Paket soll verschiedene Drohnen, Raketensysteme, gepanzerte Fahrzeuge, Munition, Nachtsichtgeräte, sichere Kommunikationssysteme, Maschinengewehre, medizinische Güter und die Bereitstellung von kommerziellen Satellitenbildern umfassen. Das teilte das Pentagon am Freitagabend (Ortszeit) in Washington mit.

Mit der Präsidentin des Europaparlaments, Roberta Metsola, sprach Selenskyj nach eigenen Angaben in Kiew über die Möglichkeit eines raschen Beitritts der Ukraine zur EU. Es sei um konkrete Vorschläge gegangen, sagte er in seiner Videoansprache. In einem Interview des US-Fernsehsenders Fox News erneuerte der Präsident seinen Vorschlag, die Ukraine sollte Sicherheitsgarantien von verschiedenen „führenden Staaten“ bekommen. Selenskyj sieht dies als Ersatz für eine Mitgliedschaft in der Nato, die politisch im Ukraine-Konflikt* nicht erreichbar ist.

Was diplomatisch im Ukraine-Krieg heute wichtig wird

Die diplomatischen Bemühungen rund um den Krieg in der Ukraine sollen auch am Samstag weitergehen. Die US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland kommt nach Europa, um die Reaktion auf das russische Vorgehen abzustimmen. (ktho/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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