Lötzsch will wieder für Parteivorsitz kandidieren

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Gesine Lötzsch und Klaus Ernst sind die aktuellen Parteivorsitzenden der Linken.

Berlin - Nach dem harmonischen Programmparteitag ist die Personaldebatte bei der Linken wieder voll entbrannt. Die umstrittene Parteichefin Lötzsch will sie beenden - indem sie ihren Hut erneut in den Ring wirft.

Linke-Chefin Gesine Lötzsch hält trotz innerparteilicher Kritik an ihrer Amtsführung und abstürzender Umfragewerte an ihrem Posten fest. Die 50-jährige Haushaltsexpertin erklärte am Dienstag überraschend ihre Kandidatur für eine weitere zweijährige Amtszeit beim Parteitag im Juni 2012. Mit ihrer Entscheidung wolle sie das “Katz- und Mausspiel“ in der Personaldebatte beenden, sagte sie. Sie forderte auch andere potenzielle Kandidaten auf, ihren Hut in den Ring zu werfen. Ihr ebenfalls umstrittener Co-Vorsitzender Klaus Ernst hielt sich aber weiter bedeckt.

Die beiden waren im Mai 2010 zu Nachfolgern von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky an die Parteispitze gewählt worden. Unter ihrer Führung hatte die Linke mit Querelen über die Haltung zu Israel oder zum Mauerbau Schlagzeilen gemacht und war in den Umfragen von rund 12 auf 6 bis 7 Prozent abgestürzt.

Auf dem Programmparteitag am Wochenende hatte die komplette Führungsspitze dazu aufgerufen, die Personalquerelen zu beenden. Lötzsch sagte jetzt, sie wolle mit ihrer Entscheidung “Klarheit für die Mitglieder schaffen, die dieser Debatte überdrüssig sind“.

Sie sollen die Linke künftig führen

Das ist die Linken-Führung

Nach dem Rückzug des Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine hat sich die Linkspartei überraschend schnell auf ein neues Personaltableau geeinigt. © dpa
Sowohl beim Vorsitz als auch beim Amt des Bundesgeschäftsführers gibt es künftig eine Doppelspitze. Die Kandidaten hat der Linken-Parteitag in Rostock Mitte Mai gewählt. © dpa
KLAUS ERNST (55) ist Parteivorsitzender. Seine Rede bei der Fraktionsklausur am 11. Januar hatte Bewerbungscharakter, der Partei- und Fraktionsvize versuchte als Versöhner zwischen dem West- und Ostteil der Partei aufzutreten. © dpa
Der für seine Späße bekannte Ernst ist für die Linke eine wichtige Brücke zu den Gewerkschaften. Er war unter anderem Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Schweinfurt. © dpa
Die lief dort zu Zeiten von Rot-Grün Sturm unter anderem gegen Hartz IV und Agenda 2010. © dpa
Ernst und andere Funktionäre verließen die SPD und gründeten die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die 2007 mit der PDS zur Linken fusionierte. © dpa
Seit 2005 sitzt Ernst im Bundestag. Er ist parteiintern umstritten, da er gegen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch Partei ergriffen hatte. © dpa
GESINE LÖTZSCH (48) ist Parteivorsitzende: Die bislang stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist einem größeren Publikum bisher kaum bekannt. Bei den Bundestagswahlen 2002, 2005 und 2009 holte sie das Direktmandat in Berlin-Lichtenberg. © dpa
Da 2002 die damalige PDS an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, saßen sie und Petra Pau allein für ihre Partei ganz hinten im Bundestag. © dpa
Ihre politische Karriere startete Lötzsch zu DDR-Zeiten: 1984 trat sie in die SED ein. Nach der Wende folgte der Wechsel in die PDS, wo sie bis 1993 an der Spitze der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus stand. © dpa
Seit 2005 ist die promovierte Germanistin haushaltspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag und als Expertin auch bei den anderen Parteien angesehen. © dpa
Ihre Aufgabe in der Partei sieht sie darin, das Zusammenwachsen der Ost- und Westteile zu stärken. © dpa
CAREN LAY (37) ist Bundesgeschäftsführerin: Die Soziologin ist zwar in Neuwied am Rhein geboren, zog aber über die Landesliste Sachsen in den Bundestag ein. © Die Linke Sachsen
“Allen Kindern die gleichen Bildungschancen zu eröffnen, auch Kindern aus ärmeren Familien, hat mich angetrieben“, sagt sie zu den Gründen, warum sie in die Politik gegangen ist. © dpa
Sie ist Mitglied beim BUND, Verdi und attac. In ihrer Partei wird sie eher dem realpolitischen Flügel zugerechnet. © Die Linke
Seit 2004 saß Lay im sächsischen Landtag, seit 2007 war sie parlamentarische Geschäftsführerin der sächsischen Linksfraktion. Seit 2009 ist sie Bundestagsabgeordnete. © Twitter
Als Bundesgeschäftsführerin müsste sie vor allem den von Bartsch erfolgreich betriebenen Aufbau junger Nachwuchstalente, die Arbeit am Grundsatzprogramm und die Verfestigung der Parteistrukturen vorantreiben müssen. © Linksfraktion im Bundestag
WERNER DREIBUS (62) ist Bundesgeschäftsführer: Der Gewerkschaftssekretär stammt aus Offenbach am Main. © dpa
Seit 1994 ist er Bevollmächtigter der IG Metall Offenbach. © Hoempage
Er war Gründungsmitglied der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und sitzt seit 2005 im Bundestag. © Homepage
Ähnlich wie Lay ist er über die Parteigrenzen hinweg bisher ein eher unbeschriebenes Blatt und tritt angesichts der Popularität von Bartsch ein schweres Erbe an. © Homepage
Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion ist verheiratet und hat eine Tochter. © Homepage

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Sie wolle auch “denen Mut machen, die als Parteivorsitzende kandidieren wollen und immer noch zögern“, sagte Lötzsch. “Wir brauchen jetzt Klarheit für die Mitgliedschaft, damit wir uns wieder den drängenden Problemen der Menschen widmen können.“

Der Wahlparteitag ist für Anfang Juni 2012 in Göttingen terminiert. Der dpa sagte Lötzsch, dass sie gegen eine Vorverlegung sei. Gleichzeitig betonte sie, dass sie ihre Entscheidung mit Ernst abgesprochen habe. Dieser hielt sich bedeckt. “Ich respektiere die Entscheidung von Gesine Lötzsch. Ich selbst werde mich, wie angekündigt, zu gegebener Zeit äußern“, sagte er der “Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch).

Auch in der Bundestagsfraktion stand am Dienstag eine heikle Entscheidung an, die die Personaldebatte weiter anheizen dürfte. Die Abgeordneten wollten darüber abstimmen, ob dem Vorsitzenden Gregor Gysi eine Frau zur Seite gestellt werden soll. Als potenzielle Kandidatinnen gelten die Parteilinke Sahra Wagenknecht und die frauenpolitische Sprecherin Cornelia Möhring, die sich bewusst keiner Strömung angeschlossen hat.

Gysi hat sich bereits am Montagabend im Fraktionsvorstand dafür stark gemacht, dass erst in zwei Jahren eine Doppelspitze gewählt wird. Hintergrund ist, dass sich Gysi nur schwer eine Zusammenarbeit mit Wagenknecht vorstellen kann. Eine Doppelspitze könne nur funktionieren, wenn ihr zwei “Zentristen“ oder zwei Flügelkämpfer angehören, hatte er am Samstag auf dem Parteitag in Erfurt gesagt. Sich selbst bezeichnete Gysi als Zentristen. Die frühere Galionsfigur der radikalen Parteiströmung Kommunistische Plattform, Wagenknecht, gilt als Flügelfrau.

dpa

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