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Proteste in Lützerath: „Jetzt kommt‘s auf uns an“

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Von: Katja Thorwarth, Nadja Austel, Nail Akkoyun

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Der Konflikt um das besetzte Dorf Lützerath an der Abbruchkante des Rheinischen Tagebaus spitzt sich zu. Tausende sollen auf dem Weg sein.

+++ 16.45 Uhr: Die Politik hat nach Meinung von Klimaaktivistin Luisa Neubauer nicht mit soviel Widerstand gegen den Abriss des Dorfes Lützerath am Rande des rheinischen Braunkohletagebaus gerechnet. „Man merkt, dass anscheinend unterschätzt wurde, welche Kraft in diesem Ort steckt“, sagte Neubauer am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Lützerath. „Hier zeigt eine Gesellschaft, dass sie versteht: Es geht um alles. Das Dorf hier ist überlaufen von Menschen, die aus der ganzen Republik angereist sind. Und das ist keine ganz unkomplizierte Anreise. Da gibt es viele gesperrte Straßen und Polizeibarrikaden. Aber das nehmen die Menschen auf sich.“

Man sei entschlossen, den Widerstand gegen die Räumung lange durchzuhalten, sagte Neubauer. „Wir geben jetzt alles. Das hier ist erst der Anfang. Die große Demo ist am nächsten Samstag. Was ich so eindrücklich finde, ist: Hier vor Ort sind Menschen aus den unterschiedlichsten Generationen und Milieus: kleine Kinder in Regenhosen, aber auch ihre Großeltern. Hier sind die Aktivisten, die seit Monaten die Infrastruktur aufgebaut haben, aber eben auch Menschen, die einem ganz normalen Alltag nachgehen und verstehen: ‚Hey, jetzt kommt‘s auf uns an.‘“

Luisa Neubauer, Klimaaktivistin, am Rande der Abbruchkante am Tagebau Garzweiler II. Lützerath soll zur Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler II abgebaggert werden.
Luisa Neubauer, Klimaaktivistin, am Rande der Abbruchkante am Tagebau Garzweiler II. Lützerath soll zur Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler II abgebaggert werden. © Christoph Reichwein/dpa

Proteste in Lützerath: Räumung soll wochenlang verzögert werden

+++ 11.40 Uhr: Die Aktivisten in Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler wollen die geplante Räumung wochenlang verzögern. „Wir hoffen, dass wir Lützerath sechs Wochen lang halten können“, sagte Dina Hamid, Sprecherin der Initiative Lützerath, am Sonntag. Derzeit befänden sich 700 Menschen in dem in dem Erkelenzer Ortsteil. Geplant seien unter anderem Sitzblockaden sowie die Besetzung von Baumhäusern und Hütten. Die aus wenigen Häusern bestehende Ortschaft liegt unmittelbar an der Abbruchkante des Tagebaus. Die Räumung wird in naher Zukunft erwartet.

+++ 11.30 Uhr: Wie der Aktionsticker Lützerath auf Twitter schreibt, würden bereits „Tausende“ in das Dorf reisen. Etwaiige Polizeikontrollen seien „reine Schikane“. So sei etwa ein Bus aus Hamburg von der Polizei aufgehalten und die Personalien festgestellt worden.

Proteste in Lützerath: Polizei will mit Einsatzkräften aus 14 Bundesländern räumen

Update vom Sonntag, 8. Januar, 8.25 Uhr: Wenige Tage vor einer möglichen Räumung des Dorfes Lützerath zur Kohlegewinnung wollen Klimaaktivisten am Sonntag (10.00 Uhr) über ihre geplanten Protestaktionen informieren. Vorstellen will sich das Bündnis „Lützerath unräumbar“, zu dem sich Organisationen und Initiativen wie Ende Gelände, Fridays for Future, Alle Dörfer bleiben und Letzte Generation zusammengeschlossen haben. Geplant sei auch ein „öffentliches Aktionstraining für die geplanten Aktionen zivilen Ungehorsams“, hieß es. Danach soll es einen sogenannten Dorfspaziergang geben.

Wie der Spiegel berichtet, werden für die Räumung neben der Polizei aus NRW Einsatzkräften aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Der Spiegel bezieht sich auf interne Berichte des nordrhein-westfälischen Innenministeriums und des Polizeipräsidiums Aachen. Für die „Bewältigung der Einsatzlage“ ab Kalenderwoche 2 reichten die eigenen Kräfte nicht aus, zitiert das Blatt aus einem Papier des Innenministeriums. Der Kräfteeinsatz werde als „massiv“ beschrieben.

Die Polizei will Lützerath mit einem Großaufgebot räumen.
Die Polizei will Lützerath mit einem Großaufgebot räumen. © David Young/dpa

Proteste in Lützerath: Demonstrierende errichten Barrikaden – Lage ist angespannt

Erstmeldung, 7. Januar: Lützerath – Im rheinischen Lützerath treffen zahlreiche Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten ein. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) reisten sie am heutigen Samstag (7. Januar) an, um sich der Protestbewegung anzuschließen. Shuttlebusse brachten sie demnach von nahegelegenen Bahnhöfen in das unwegsame Gelände. Im benachbarten Stadtteil Keyenberg wurden zudem mehrere neue Zelte auf einem Feld aufgebaut.

Auch Luisa Neubauer kündigte an, am morgigen Sonntag (8. Januar) in das besetzte Lützerath kommen. Dort wird sie im Rahmen der Protestbewegung an einem sogenannten „Dorfspaziergang“ teilnehmen, so die dpa. Sie hatte außerdem die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich der Demonstration anzuschließen.

Proteste in Lützerath – Polizei soll Dorf räumen

Unter dem rheinischen Lützerath westlich von Köln gibt es Kohlevorkommen, die der Energiekonzern RWE abzubauen plant. Das Dorf soll daher abgerissen werden, um den Tagebau auszudehnen. Der verlassene Weiler wird jedoch von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten besetzt, die Widerstand gegen den Abriss leisten. 

Die schwarz-grüne Landesregierung Nordrhein-Westfalen kündigte zuletzt an, Lützerath Mitte des Monats von der Polizei räumen lassen. Sie verwies darauf, dass im Gegenzug der Kohleausstieg um acht Jahre auf 2030 vorgezogen worden sei.

Neubauer zu Lützerath: „Die Kohle muss im Boden bleiben“

Luisa Neubauer sagte dazu, der Kohleausstieg 2030 sei ein falsches Versprechen. „Das Klima wird dadurch nicht geschützt, das einzige, was hier geschützt wird, sind die Profite von RWE, dem Betreiber der größten CO2-Quelle Europas.“ Der Energieversorger hatte unter anderem argumentiert, dass die Energie-Krise, die durch den Ukraine-Krieg von Wladimir Putin ausgelöst wurde, eine Förderung der Kohle notwendig mache. Einige Fachleute sind jedoch der Ansicht, dass der Abriss und die Kohle von Lützerath für das Überwinden der Energie-Krise nicht nötig sei. „Die Kohle muss im Boden bleiben“, forderte Neubauer daher für den Fall Lützerath.

„Die Zukunft ist erneuerbar. Deshalb rufen wir bundesweit dazu auf, am 8. Januar nach Lützerath zu fahren“, so Neubauer weiter. „Die Gesellschaft ist bereit, für eine sichere und nachhaltige Welt einzustehen, das werden wir in Lützerath zeigen. Beim Dorfspaziergang am Sonntag und in den nächsten Wochen.“

Proteste in Lützerath: Die Lage ist angespannt #LuetzerathUnraeumbar

Die Lage vor Ort ist Aufgrund der bevorstehenden Räumung zusehends angespannt. Lützerath gehört mittlerweile vollständig der RWE, die ein Aufenthaltsverbot ausgesprochen hatte. Polizeikräfte sind seit Anfang der Woche im Einsatz, um den Energieversorgungskonzern zu unterstützen,

In den sozialen Netzwerken riefen Initiativen unter anderem mit dem Hashtag #LuetzerathUnraeumbar dazu auf, sich am Widerstand gegen die Räumung zu beteiligen. Auf den Straßen von Lützerath wurden weitere Barrikaden errichtet, unter anderem sollen Aktivistinnen und Aktivisten Gasflaschen in die Fahrbahnen einbetoniert haben, um diese unpassierbar zu machen. (ktho/na/nak/dpa)

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