„Establishment will verhindern, dass ...“

CDU muss nach Merkel „wieder laufen lernen“: Merz übt Kritik - und sieht sich als Verschwörungs-Opfer

Friedrich Merz kündigt in einem Essay an, die CDU müsse wieder „laufen lernen“. Ein „weiter so“ im Bezug auf Merkels Kanzlerschaft dürfe es nicht geben.

  • Friedrich Merz will sich auf dem Bundesparteitag der CDU* zum neuen Parteivorsitzenden lassen.
  • Für die Zukunft seiner Partei sieht der 64-Jährige große Herausforderungen.
  • Ein „weiter so“ der CDU dürfe es nicht geben.

Berlin - Friedrich Merz will beim bevorstehenden CDU-Parteitag endgültig zurück ins politische Rampenlicht treten und sich wieder ein Amt von nationaler politischer Bedeutung sichern. Als CDU-Vorsitzender sähe Merz große Herausforderungen, um die Volkspartei auf den richtigen Kurs für die Zukunft zu bringen. Ein einfaches „weiter so“ dürfe es nicht geben, schrieb der 64-Jährige in einem Essay für die FAZ.

Friedrich Merz: CDU muss wieder einmal „laufen lernen“ - leise Kritik an Merkels Krisenmanagment

Merz bezieht sich dabei auch auf eine Aussage von Angela Merkel aus dem Jahre 1999. „Die CDU muss laufen lernen“, so der Kerngedanke von Merkel, die damals Generalsekretärin der Partei war. Als Anlass hatte die heutige Bundeskanzlerin die Parteispendenaffäre der CDU genommen - und hatte nach Ansicht Merz‘ so für ein „völliges Zerwürfnis“ zum Ende der Kohl-Ära in der Partei gesorgt.

Zwar bleibe der CDU ein solche Zerwürfnis heute erspart, dennoch konstatiert auch Merz mit Bezug auf die Bundeskanzlerin: „Und doch muss die CDU nun wieder einmal ‚laufen lernen‘.“ Zwar habe „zupackendes Handeln“ während Merkels Kanzlerschaft dazu geführt, dass das Vertrauen der Bevölkerung in Union und Kanzlerin „überwiegend sehr groß“ gewesen sei, stellt Merz fest. Dennoch stellt der 64-Jährige die Frage in den Raum, ob Deutschland „wirklich genug und vor allem das Richtige“ tue, um gestärkt aus einer Krise herauszukommen.

Wahl zum CDU-Vorsitzenden: Friedrich Merz mit kritischen Aussagen über die Kanzlerin

Nach der Ansicht von Friedrich Merz hat die Kanzlerin die Partei zwar „solide und skandalfrei“ durch die Jahre geführt, dennoch sei offen, ob die Krisenpolitik von Angela Merkel nicht ungewollt die Risiken für den Eintritt weiterer Krisen“ erhöht habe. Der Ex-Unionsfraktionschef warf der Kanzlerin darüber hinaus vor, den Staat in „die Rolle eines Rückversicherers für alle gesellschaftlichen Risiken“ gedrängt zu haben.

Friedrich Merz (l.) mit seinem Konkurrenten um den CDU-Parteivorsitz Armin Laschet.

Merz für CDU-Parteitag im Dezember: „Ein Wahlparteitag ist kein Oktoberfest“

Friedrich Merz kandidiert neben Armin Laschet* und Norbert Röttgen* für den CDU-Vorsitz, den Annegret Kramp-Karrenbauer nach nur zwei Jahren wieder abgeben wird. Gewählt wird der neue Vorsitzende auf dem nächsten Bundesparteitag, der für den 4. Dezember geplant war. Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sorgen nun jedoch dafür, dass die Wahl erst im neuen Jahr über die Bühne gehen wird.

Merz wollte den Parteitag weiterhin im Dezember abhalten. Parlamentarische Entscheidungen seien in der Demokratie unabdingbar, begründete Merz seine Haltung.  „Ein Wahlparteitag und die Vorbereitung der nächsten Bundestagswahl ist keine Party, kein Oktoberfest und kein Fußballspiel“.

CDU-Vorsitz: Merz sieht „beachtliche Teile“ des CDU-Establishments gegen sich

Wie Friedrich Merz in einem Interview mit dem Morgenmagazin von ARD und ZDF erklärte, sieht er die Forderungen nach einer Verschiebung des CDU-Parteitags auch als Teil einer Agenda gegen seine Person. Sollte der Vorstand sich gegen einen Parteitag - auch in digitaler Form - in diesem Jahr aussprechen, läge das nicht an den Infektionszahlen, so Merz. „Dann gibt es offensichtlich Gründe, die mit Corona wenig oder gar nichts zu tun haben.“

Merz betonte weiter, dass er bereits seit einigen Wochen merke, wie sich Teile der Parteiführung gegen ihn wenden: Es gebe „beachtliche Teile des Partei-Establishments, die verhindern wollen, dass ich Parteivorsitzender werde“, so der 64-Jährige.

Wahl zum neuen CDU-Vorsitzenden: Merz liegt in Umfragen vorne

Die Forderung nach einer baldigen Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden durch Merz könnte auch auf den aktuellen Umfrageergebnissen basieren. Einer Forsa-Umfrage von RTL und n-tv zufolge wünschen sich 45 Prozent der Mitglieder Merz als Nachfolger von Kramp-Karrenbauer und somit voraussichtlich auch als Bundeskanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2021. (fd) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa/picture alliance

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