Rechte mit CD auf Schüler-Fang

München - Neonazis verteilen derzeit Hetz-CDs an Münchner Schulen. Laut eigener Ankündigung will die NPD-nahe "Bürgerinitiative Ausländerstopp" insgesamt 5000 Stück an Jugendliche abgeben.

Auf der so genannten "echten Münchner Schulhof-CD" sind Lieder rechtsextremer Bands zu hören. Der NPD-Parteivorstand hat sie zusammengestellt. Am Montag verteilten Neonazis die Disk bereits vor dem Luisengymnasium. In Fürstenried haben sie einen Schüler, der das Machwerk ablehnte, angegriffen.

Am 5. November tauchten die Rechtsextremen zum ersten Mal gezielt an einer Schule auf. Vor dem Luisengymnasium verteilten sie acht Exemplare der Rechts-Rock-CD. Doch eine Lehrerin schritt ein. Sie sicherte sich ein Exemplar und verständigte den Direktor, der die Polizei rief. Als die Beamten eintrafen, waren die Neonazis verschwunden. Nach eigenen Angaben hat die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" am Montag fast tausend Stück in der Stadt verteilt.

"Es handelt sich eindeutig um rechte Inhalte", sagt Andreas Ruch von der Polizei über die Texte auf der CD. Sie seien allerdings "subtil", das heißt nicht sofort eindeutig als rechtsextrem einzustufen. Man müsse genau hinhören. Die Neonazis versuchten inzwischen, unauffälliger zu sein. Auch äußerlich könne man sie nicht mehr gleich der rechten Szene zuordnen.

"Am rechtsextremen Charakter ist nichts zu deuteln", sagt Michael Feiler vom Landesamt für Verfassungsschutz. Einschlägig bekannte Bands seien zu hören: zum Beispiel "Faktor Deutschland" und "Neue Werte". Feiler beschreibt das Cover: Der Titel lautet "Der Schrecken aller linken Lehrer". Auf einem Button steht "Garantiert ohne Tagebuch der Anne Frank!" Die NPD habe jedoch genau darauf geachtet, dass die CD nicht strafbar sei.

Zu diesem Schluss kam am Freitag auch die Staatsanwaltschaft. Aber die Texte "bewegen sich immer an der Grenze", sagt Sprecher Anton Winkler. Die Polizei hat ein Exemplar an die Bundesprüfstelle für Medien geschickt. Sie wird entscheiden, ob die Musik jugendgefährdend ist.

Die CD ist schon länger im Umlauf. Zum ersten Mal verteilten sie die Rechten am 20. Oktober an einem Infostand am Stachus.

In einem Fall ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung. In Fürstenried haben Neonazis einem 17-jährigen Schüler Ende Oktober zweimal eine CD angeboten. Beim ersten Mal schenkte ihm ein Mann während einer Busfahrt ein Exemplar. Erst als der Jugendliche die Musik anhörte, erkannte er, dass es sich um rechte Texte handelte. Drei Tage später wollten ihm zwei Männer an der Basler Straße eine CD geben. Als er ablehnte, stießen sie ihn gegen eine Wand und flüchteten. Er erlitt eine Platzwunde am Kopf.

Beim Kultusministerium ist man besorgt über die braunen Umtriebe rund um die Schulen und warnt regelmäßig. Das städtische Schulreferat betont, dass die Lehrer durch Fortbildungen sensibilisiert seien. Sie wüssten damit umzugehen ­ wie der aktuelle Fall zeige. Trotzdem sei jetzt besondere Aufmerksamkeit gefordert. Sprecherin Eva-Maria Volland: "Es heißt: Augen auf."

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