Bundeswehr

Segelschulschiff „Gorch Fock“ zurück in Kiel

„Gorch Fock“
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Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ fährt auf die Kieler Förde zu, während eine Transall der Bundeswehr das Schiff überfliegt.

Rückkehr nach rund sechs Jahren: In Begleitung von mehreren Dutzend Segel- und Motorbooten hat das runderneuterte Segelschulschiff „Gorch Fock“ Kiel erreicht.

Kiel - Salutschüsse donnern durch den Kieler Hafen. Nach sechs Jahren mit negativen Schlagzeilen, dafür runderneuert ist der Stolz der Marine wieder da.

Die letzten Seemeilen in den Heimathafen Kiel haben mehrere Dutzend Segel- und Motorboote die „Gorch Fock“ begleitet, Tausende Menschen von den Ufern aus die Ehrenrunde des Segelschulschiffs verfolgt. Immer wieder fliegen Transall im Tiefflug über den Dreimaster. Auch ein Tornado ist in der Luft. In frischem Glanz macht die Crew am Montagnachmittag unter Orchesterklängen im Marinestützpunkt fest. Zahlreiche Familienangehörige warten auf der Mole.

Das letzte Stück der Heimreise begleiteten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, die 120 Männer und Frauen der Stammbesatzung an Bord. Das Schiff sei nach der Sanierung schöner und besser als vorher, sagte Kramp-Karrenbauer. „Dieses kleine Stück Tradition und Emotion, das können wir uns und das sollten wir uns auch leisten.“ Deutschland sei ein reiches Land.

„Dieses kleine Stück Tradition und Emotion, das können wir uns und das sollten wir uns auch leisten“: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Kramp-Karrenbauer sprach angesichts der Rückkehr des Schiffes nach Kiel von einem „Tag der Freude für die gesamte Bundeswehr“ und dankte der Stammbesatzung, die in der langen Werftzeit viele Entbehrungen auf sich genommen habe. Das Schiff werde gebraucht, weil Kadetten dort nicht nur das seemännische Handwerkszeug lernten, sondern auch, dass man auf hoher See eine Gemeinschaft sei. „Die Gorch Fock ist ein besonderes Schiff, sie hat Geschichte.“ Viele Menschen verbänden damit enge Emotionen. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte, viele Menschen verbänden nostalgische Gefühle mit dem Schiff.

Rund 15.000 Kadettinnen und Kadetten haben an Bord der „Gorch Fock“ ihre Segelausbildung erhalten.

Der früheren Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Marine es zu verdanken, dass die „Gorch Fock“ überhaupt wieder in See stechen darf. Von 2015 erwarteten zehn Millionen Euro waren die Sanierungskosten des 1958 gebauten Schiffs immer weiter angestiegen. Es gab finanzielle Unregelmäßigkeiten beim ersten Auftragnehmer - die Elsflether Werft musste im Februar 2019 Insolvenz anmelden. Gegen die entlassene Werftführung laufen Ermittlungen wegen Betrug, Untreue und Korruption. Auch gegen Subunternehmer wird ermittelt.

Die Zukunft des Schiffs stand eine Zeit lang generell in Frage. Letztlich billigte von der Leyen die Steigerungen, legte aber einen Deckel von 135 Millionen Euro fest. Am Donnerstag konnte die Bremer Lürssen-Werft das Schiff wieder an die Marine übergeben. Der Bund der Steuerzahler forderte, dass aus der Kostenexplosion Lehren gezogen werden müssten. Unterhalt und Wartung kosteten jährlich mehrere Millionen.

Bereits zuvor war das Schiff mehrfach in die Schlagzeilen geraten. In der Nacht zum 4. September 2008 war die damals 18-jährige Jenny Böken während einer Ausbildungsfahrt bei einer Wache über Bord gegangen. Im vergangen Sommer wies die Generalstaatsanwalt eine Beschwerde der Eltern gegen die Einstellung der Ermittlungen ab. Die Zukunft der „Gorch Fock“ wurde auch nach dem tödlichen Sturz der Kadettin Sarah Seele 2010 aus der Takelage in Brasilien und Berichten über Schikanen an Bord zwischenzeitig in Frage gestellt.

„Ich habe leider in den letzten vier, fünf Jahren erleben müssen, dass unter dem Namen Gorch eine Menge transportiert wurde, was mit uns nichts zu tun hatte“, sagte Kommandant Nils Brandt. Es habe vielleicht um das Schiff Korruption gegeben. „Aber meine Besatzung und ich hatten damit Gott sei Dank nichts zu tun.“ Das Gefühl, das Schiff nach 2232 Tagen wieder in Kiel festzumachen, sei überwältigend gewesen.

Die zahlreichen Schaulustigen am Montag zeigten die hohe Verbundenheit vieler Menschen im Norden mit dem Segelschulschiff. Seine Heimreise absolvierte das 89 Meter lange Schiff allerdings nicht unter Segeln, sondern mit Motorkraft. Auf dem Wasser demonstrierten Naturschützer mit Booten gegen die Verwendung des an Deck verbauten Teakholzes. „Bei dem für die Erneuerung des Decks verwendeten Teak handelt es sich höchstwahrscheinlich um illegales Holz aus den letzten verbliebenen Urwäldern Myanmars“, erklärte ein Aktionsbündnis aus fünf Organisationen. Das Verteidigungsministerium beziehungsweise die ihm unterstellten Behörden hätten die Beschaffungsrichtlinien ignoriert, hieß es.

„Die Marine äußert sich dazu nicht“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Weil Gerichte Klagen gegen die Verwendung des Holzes abgewiesen haben, sind Naturschützer vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Dessen Entscheidung steht noch aus.

Seit Indienstellung hat das Schiff laut Marine 750.000 Seemeilen absolviert, das entspricht etwa 35 Umrundungen des Globus. Rund 15.000 Kadettinnen und Kadetten haben an Bord ihr Segelausbildung erhalten. Anfang Januar 2022 soll von der Kanareninsel Teneriffa aus der nächste Ausbildungstörn starten. Zuvor muss nach der langen Werftliegezeit aber erst die Stammbesatzung trainieren. Von ihnen haben nur 28 Segelerfahrung mit dem Schiff.

Anfang Januar 2022 soll von Teneriffa aus der nächste Ausbildungstörn starten. Zuvor muss nach der langen Werftliegezeit aber erst die Stammbesatzung trainieren.

(HINWEIS: Berichtigung der Meldung vom 4. Oktober. Es wird klargestellt, dass die „Gorch Fock“ nach 2232 - nicht 2332 - Tagen in den Heimathafen Kiel zurückgekehrt ist.) dpa

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