Britische Winterwahl

Wahl in Großbritannien 2019: Kandidaten, Termin, Brexit - alle Infos auf einen Blick

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Das „House of Commons“ wird sich nach der Wahl am 12. Dezember anders zusammensetzen.

Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Unterhaus. Alle Spitzenkandidaten, der Termin und weitere wichtige Informationen zur UK-Wahl auf einem Blick.

  • Am 12. Dezember stehen in Großbritannien vorgezogene Neuwahlen an. 
  • Die Briten werden zum ersten Mal seit knapp 100 Jahren im Winter an die Wahlurne gebeten.
  • Die wichtigsten Informationen zur UK-Wahl 2019 finden Sie in diesem Text.

London - Nach fast 100 Jahren werden die Briten zum ersten Mal wieder während der Wintermonate an die Wahlurne gebeten. Inmitten von turbulenten Zeiten hat Boris Johnson nach drei fehlgeschlagenen Versuchen durch ein neues Gesetz vorgezogene Neuwahlen durchgesetzt. Denn eigentlich wird in Großbritannien alle fünf Jahre gewählt - erst 2017 war der letzte Wahltermin. 

Für den amtierenden Premierminister ist es durchaus eine wichtige Abstimmung: Das erklärte Ziel von Boris Johnson ist es, sich durch die UK-Wahl Zustimmung für seinen Brexit-Plan zu sichern. Britische Medien bezeichnen sie daher bereits als „Brexit-Wahl“.

Wann ist der Termin für die Wahl in Großbritannien 2019?

Die UK-Wahl findet am 12. Dezember 2019 statt. Während es in Deutschland üblich ist, an einem Sonntag zu wählen, finden Unterhauswahlen in Großbritannien seit 1935 traditionell am Donnerstag statt. Am 12. Dezember sind die Wahllokale von 7 bis 22 Uhr britischer Zeit geöffnet.

UK-Wahl 2019: Wer ist wahlberechtigt?

Bei der Unterhauswahl in Großbritannien 2019 dürfen alle britischen Bürger, irischen Bürger und die Bürger der Commonwealth-Länder, die am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind und im Vereinigten Königreich leben, ihre Stimme abgeben. Vom Wahlrecht ausgenommen sind Mitglieder des House of Lords, Gefängnisinsassen, Geisteskranke und Personen, die in den vorhergehenden fünf Jahren wegen eines Verstoßes gegen das Wahlgesetz verurteilt wurden.

Britische Bürger, die ins Ausland gezogen sind, bleiben für 15 Jahre wahlberechtigt. Ebenfalls eine Stimme abgeben dürfen Personen im Ausland, die dem Militär angehören oder Diplomaten bzw. andere Staatsangestellte sind. Eine kuriose Stellung hat dabei das britische Königshaus. Theoretisch sind die Royals wahlberechtigt - aber in der Praxis würde es als verfassungswidrig angesehen werden, wenn sie dieses ausüben. Während des Brexit-Chaos werden nun jedoch Vorwürfe gegen Boris Johnson laut. Er soll eine angebliche Ex-Affäre bei der Vergabe von Fördergeldern bevorzugt haben, nun äußert sie sich selbst dazu

Der Anlass für die vorgezogenen UK-Wahlen 2019: der Brexit

Der Brexit wurde mittlerweile schon zum dritten Mal verschoben. Nach dem aktuellen Plan soll Großbritannien am 31. Januar die Europäischen Union endgültig verlassen. Eigentlich wollte Premierminister Boris Johnson das Land schon im Oktober aus der EU führen - doch er scheiterte. Sein Credo nun: Er möchte durch die UK-Wahl eine breite Mehrheit für die Tories mobilisieren, um seinen Brexit-Plan umzusetzen.

Boris Johnson möchte sich mit den Neuwahlen eine breite Mehrheit für den Brexit sichern.

Diese Strategie scheiterte bereits bei den letzten Unterhaus-Wahlen im Jahr 2017. Damals wollte Theresa May den Brexit durchbringen und die über 46 Millionen Wahlberechtigten von ihren Brexit-Versprechungen überzeugen. Doch bei der damaligen Abstimmung verloren die Tories ihre Mehrheit im Parlament. Laut aktuellen Umfragen zur UK-Wahl könnte Boris Johnson allerdings eine Mehrheit auf seine Seite bringen.

Wer sind die Spitzenkandidaten bei der Wahl in Großbritannien 2019?

Im Zentrum des Wahlkampfes in Großbritannien stehen sicherlich die Tories mit Boris Johnson und die Labour-Partei mit Jeremy Corbyn. In Großbritannien gilt das Mehrheitswahlrecht - wer also eine Mehrheit in einem der 650 Wahlkreise erhält, bekommt alle Stimmen, während die anderen gesetzten Kreuze verfallen. Doch auch neben Johnson und Corbyn gibt es einige weitere Spitzenkandidaten. Welche Personen sind die Gesichter des aktuellen Wahlkampfes in Großbritannien?

Boris Johnson (Tories): Johnson ist seit Juli 2019 der aktuelle Premierminister und möchte Großbritannien aus der EU führen. Bekommt er die Mehrheit, möchte er den Brexit „endlich“ beenden und bis Ende 2020 ein Freihandelsabkommen mit der EU beschließen. Für die Briten verspricht er lautstark Geld für Schulen, Krankenhäuser und die Polizei.

Jeremy Corbyn (Labour): Der Gegenspieler von Boris Johnson hat in der letzten Wahl gut abgeschnitten (siehe unten) - scheint aber aktuell im Absturzflug. Er möchte einen neuen Brexit-Deal aushandeln, strebt auch bei Austritt eine enge Partnerschaft mit der EU an. Ein zweites Referendum soll dabei den aktuellen Willen der Bürger feststellen. Neben Investitionen für staatliche Institutionen wie die NHS, möchte er andere Branchen verstaatlichen.

Jo Swinson (Liberal Democrats): Die Liberaldemokraten stehen aktuell gut da - und bilden mit ihrer Spitzenkandidaten den Gegenpol zu Brexit-Verfechtern. Sie inszenieren sich auch zur UK-Wahl 2019 als EU-Freunde, würden mit Labour ein zweites Referendum unterstützen. Mit ihrem positiven Blick auf die EU teilen die Liberaldemokraten viel mit den kleineren Parteien wie den Grünen, die aber traditionell nur wenig Stimmen auf sich vereinen.

Nigel Farage UK-Wahl 2019

Nigel Farage (Brexit-Partei): Die Linie von Nigel Farage steht bereits im Namen seiner Gruppierung, wobei seine Positionen durchaus radikaler sind als die von Boris Johnson. Mit seiner recht neuen Rechts-außen-Partei schlägt er sich allerdings auf die Seite der Tories - und will in den 317 Wahlkreisen, die aktuell von den Konservativen gehalten werden, nicht antreten. 

Nicola Sturgeon (Scottish National Party): Wie die Liberaldemokraten ist die schottische Nationalpartei mit der Spitzenkandidaten Nicola Sturgeon, die zugleich Ministerpräsidentin von Schottland ist, klar gegen den Brexit. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes steht für das Land ein gewünschtes Referendum zum Austritt aus Großbritannien.

Unterhaus in Großbritannien: Was ist die Ausgangslage vor der UK-Wahl 2019?

Partei

Stimmanteil UK-Wahl 2017

Sitze im Unterhaus nach Wahl 2017

Sitze im Unterhaus (Stand 7. Nov. 2019)

Tories 

42,4

318

297

Labour

40,3

262

241

Liberal Democrats

7,6

12

20

SNP Scottish National Party

3,0

35

35

UK Indepencence Party

1,8

-

-

Grüne

1,6

1

1

DUP Democratic Unionist Party

0,9

10

10

Sinn Féin

0,7

7

nehmen Plätze nicht ein

Das britische Unterhaus besteht aus 650 Abgeordneten - einem pro Wahlkreis. Der aktuelle Sprecher ist nach fast zehn Jahren mit dem bekannten „Order“-Rufer John Bercow sein Nachfolger Lindsay Hoyle

Aktuell bilden die Tories keine Mehrheit im Parlament und mussten nach der Wahl 2017 mit der DUP koalieren. Seit 2010 bilden die Konservativen die Regierung. Aktuell hatten sie mit 307 Parlamentsmitgliedern aber keine absolute Mehrheit mehr - die Opposition bestand vor der Wahl in Großbritannien 2019 aus 331 Mitgliedern.

UK-Wahl 2019: Wann steht das Ergebnis fest?

Die Wahllokale in Großbritannien schließen um 22 Uhr britischer Zeit. Dann wird auch mit der ersten Hochrechnung gerechnet - also um 23 Uhr deutscher Zeit. Die Wahlzettel werden in zwei Durchgängen gezählt, meist steht ein vorläufiges Endergebnis in den frühen Morgenstunden des Folgetages nach der Wahl fest. Aber schon vorher wird sich ein Meinungsbild der Briten abzeichnen - in Umfragen werden Prognosen veröffentlicht, die dem tatsächlichen Ergebnis sehr nahekommen können. 

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