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„Kampf um Freiheit“ - Boris Johnson vergleicht Ukraine-Krieg mit Brexit

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Von: Delia Friess

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Boris Johnson zieht Parallelen zwischen dem Ukraine-Krieg und dem Brexit. Kritik lässt nicht lange auf sich warten.

London - Der britische Premier Boris Johnson* hat einen fragwürdigen Vergleich zwischen dem Ukraine-Konflikt* und dem Brexit gezogen. Johnson verglich den Kampf der Ukrainer gegen Russland* mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU*. „Ich weiß, dass es der Instinkt der Menschen in diesem Land ist wie auch der Menschen in der Ukraine*, immer die Freiheit zu wählen“, sagte Johnson am Samstag (19.03.2022) bei der Frühjahrskonferenz seiner konservativen Partei im nordwestenglischen Blackpool.

Als Beispiel für den Vergleich nannte er unter anderem das Votum in Großbritannien* für den Brexit* im Jahr 2016 mit 52 Prozent der Stimmen. „Als die Menschen in so großer Zahl für den Brexit stimmten, taten sie das meiner Meinung nach nicht, weil sie feindselig gegenüber Ausländern waren, sondern weil sie frei sein wollten“, sagte der Premier und fügte nach einer längeren Pause hinzu: „....Dinge anders zu tun und in der Lage zu sein, in diesem Land selbst zu bestimmen“.

Großbritannien: Boris Johnson vergleicht Brexit mit Ukraine-Konflikt

Der Premierminister sagte auch: „Es ist die unbesiegbare Stärke dieses Landes, dass wir im Großen und Ganzen und im Rahmen des Gesetzes glauben, dass die Menschen tun können sollten, was sie wollen, solange sie niemandem anderen schaden. Das nennt man Freiheit.“ Johnson deutete an, dass die Freiheit des Vereinigten Königreichs Menschen anspricht, die vor dem Ukraine-Krieg* oder der politischen Unterdrückung in Russland* fliehen. „Wir wollen einfach nur frei sein, und das ist der Grund, warum talentierte Menschen gerade jetzt aus Russland fliehen“, sagte er.

Der britische Premier Boris Johnson am 19.03.2022 auf einer Koferenz der  Conservative Party in Blackpool.
Der britische Premier Boris Johnson am 19.03.2022 auf einer Koferenz der Conservative Party in Blackpool. © PAUL ELLIS / afp

Die Äußerungen haben laut BBC sowohl in Großbritannien als auch in Europa für Verärgerung bei Politiker:innen gesorgt. Donald Tusk, polnischer Politiker und ehemaliger Präsident des Europäischen Rates, nannte die Kommentare beleidigend. Tusk twitterte: „Boris Johnson vergleicht den Kampf der Ukrainer mit dem Votum der Briten für den Brexit. Ich kann mich noch an die Begeisterung von Wladimir Putin* und Donald Trump* nach dem Referendum erinnern. Boris, deine Worte beleidigen die Ukrainer, die Briten und den gesunden Menschenverstand.“

Ukraine-Konflikt: Johnsons Vergleich mit Brexit löst internationale Kritik aus

Guy Verhofstadt, der frühere belgische Premierminister und Brexit-Chefunterhändler des Europäischen Parlaments, bezeichnete den Vergleich laut BBC als „verrückt“. Der konservative Politiker Lord Barwell sagte, die Teilnahme an einem Referendum sei „in keiner Weise damit vergleichbar, sein Leben“ in einem Krieg zu riskieren. Der BBC zufolge kritisierte der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Sir Ed Davey, die Rede Johnsons ebenfalls. Es handle sich bei der Wortwahl Johnsons um eine „Beleidigung“ der Ukrainer.

Die Schattenkanzlerin Rachel Reeves forderte Johnson sogar auf, sich beim ukrainischen Volk und dem britischen Volk zu entschuldigen. Reeves: „Es ist äußerst geschmacklos und beleidigend, den Kampf für Freiheit und die Aggression des russischen Staates mit der Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen, zu vergleichen“, sagte sie. Johnson steht auch immer noch, wegen des so genannten „Party Gates“ unter Druck.* Fotos von Johnson gelangten an die Öffentlichkeit, die zeigen, wie er mit Parteifreunde während des strengen Lockdowns mitten in der Corona*-Pandemie Partys feierte.

Aber nicht nur Johnson, auch die britische Außenministerin Liz Truss zog auf der Veranstaltung ihrer Partei, den britischen Torries, fragwürdige Vergleiche. In ihrer Rede nannte sie Großbritanniens Einsatz für die kürzlich aus der Haft im Iran* freigekommenen britisch-iranischen Doppelstaatler:innen in einem Atemzug mit den britischen Versuchen, das Nordirland-Protokoll neu zu verhandeln. Das Nordirland-Protokoll wurde als Teil des Brexit-Abkommens von Großbritannien ausgehandelt* und ratifiziert und soll Frieden sichern.. Bereits in einem am Samstag veröffentlichten Interview der „Times“ hatte Truss erneut damit gedroht, das Protokoll teilweise außer Kraft zu setzen. Für diesen Fall wird ein Handelskrieg zwischen Großbritannien und der EU befürchtet. (df, AFP) Frankreichs Innenminister erhebt während des Ukraine-Kriegs Vorwürfe gegen Großbritannien. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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