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„Moskwa“-Rätsel: Vater eines getöteten Soldaten geht jetzt auf Putin los - „Wer ist hier der Lügner?“

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Von: Markus Hofstetter

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Der Vater eines getöteten Matrosen der „Moskwa“ kritisiert den Kreml. Obwohl er von russischen Behörden drangsaliert wird, will er sich nicht einschüchtern lassen.

Moskau - Am 14. April sank der Lenkwaffenkreuzer „Moskwa“ im Schwarzen Meer. Beide Parteien des Ukraine-Konflikts haben unterschiedliche Versionen für den Grund des Untergangs. Die ukrainische Seite behauptet, das Kriegsschiff mit Anti-Schiffs-Raketen vom Typ „Neptun“ versenkt zu haben. Russland verbreitet eine These, dass Munition unter Deck explodiert und die „Moskwa“ beim Abschleppversuch bei schwerer See untergegangen sei.

Welche Seite auch immer recht hat, Tatsache ist, dass beim Untergang der „Moskwa“ zahlreiche Matrosen ums Leben gekommen sind. Doch die Angaben der russischen Behörden über das Schicksal des Schiffes und der Soldaten widersprechen sich. So wird behauptet, dass auf dem Schiff keine Wehrdienstleistende, sondern nur Berufssoldaten eingesetzt wurden, oder dass bei dem Untergang niemand ums Leben gekommen sei. Schließlich dementierte Russland sogar, dass die „Moskwa“ im Ukraine-Krieg eingesetzt worden ist.

Untergang der Moskwa: Vater eines Besatzungsmitglieds wandelt sich vom Putin-Fan zum Kritiker

Das ruft bei Angehörigen der Besatzungsmitglieder Wut und Verzweiflung hervor, wie das Beispiel Dmitrij Shkrebets zeigt. Dessen Sohn Egor diente als Wehrpflichtiger auf der „Moskwa“. Klar ist, dass Egor tot ist, doch der Vater wird von den Behörden über das wahre Schicksal seines Sohnes im Unklaren gelassen.

Im Russland-Ukraine-Krieg im Fokus: Der Raketenkreuzer „Moskwa“, der laut Kiew versenkt wurde.
Es gibt unterschiedliche Versionen über die Gründe für den Untergang der „Moskwa“. (Archivfoto) © IMAGO / SNA

Seine Verzweiflung geht soweit, dass er immer wieder kremlkritische Artikel im russischen sozialen Netzwerk VK postet. Das berichtet Bild.de. Demnach postete er sogar ein Bild von Waldimir Putin mit dem Text: „Wer ist hier der Lügner?“ Dabei zählte Dmitrij Shkrebets vor dem Untergang des Kriegsschiffes zu den Anhängern des russischen Präsidenten.

Untergang der Moskwa: Russische Behörden eröffnen Ermittlungsverfahren gegen verzweifelten Vater

Die Postings haben nun unangenehme Konsequenzen für Dmitrij Shkrebets. Russische Behörden haben eine Ermittlungsverfahren gegen den verzweifelten Vater eröffnet. Er bekam sogar Besuch von der Polizei, die seine Wohnung durchsuchte und den Rechner beschlagnahmte.

„Sie werfen mir vor, dass ich Bombendrohungen verschickt habe. Es ist ein absolut absurder Vorwurf“, so der Vater zu Bild.de. Er wäre nie auf die Idee gekommen, so etwas zu machen, und seine Unschuld lasse sich leicht nachweisen. Jeder wisse allerdings, dass dahinter wohl mehr stecke als bloß Ermittlungen wegen einer angeblichen Bombendrohung.

Doch Dmitrij Shkrebets scheint das alles nicht abzuschrecken. Nach dem Verlust seines Sohnes habe er vor niemandem Angst: „Ich schreibe die Wahrheit und werde es auch weiter tun.“

 

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