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Versteher von Putin: Darum vermittelt Altkanzler Schröder im Ukraine-Krieg

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Von: Felix Busjaeger

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Gerhard Schröder spricht in Moskau mit Wladimir Putin. Hierzulande scheint es keine Abstimmung der Reise gegeben zu haben. Doch für Schröder könnte sie sich lohnen.

Berlin/Moskau – Seit über zwei Wochen wütet der Ukraine-Krieg* in Osteuropa, Panzer beschießen auf Geheiß von Wladimir Putin* ukrainische Städte und über eine Million Menschen sind auf der Flucht vor den Kämpfen. Bisher blieben Verhandlungen ohne Erfolg. Zuletzt trafen sich die Außenminister von Russland und der Ukraine in der Türkei, um über einen möglichen Ausweg aus dem Krieg in der Ukraine zu sprechen. Nach anderthalb Stunden war klar: Lawrow* und Kuleba fanden keinen gemeinsamen Nenner und trennten sich wieder ergebnislos.

Gerhard Schröder trifft Wladimir Putin in Moskau – wohl Verhandlungen über Ukraine-Krieg

Die diplomatischen Bemühungen der vergangenen Tage und Wochen scheinen derzeit im Sande zu verlaufen. Zu isoliert ist Wladimir Putin, der sich offenbar seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine* nicht mehr im Kreml aufhalten soll. Zuletzt hatte von den europäischen Regierungschefs wohl nur noch der französische Präsident Emmanuel Macron intensiveren Kontakt mit Moskau. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bemühen sich derweil um eine Stärkung des Einheitsgefühls auf dem europäischen Kontinent. Inmitten dieser schwierigen Lage des Ukraine-Kriegs* reiste nun ein Altkanzler nach Moskau Dies könnte die Möglichkeit eröffnen, eine Wendung in der Krise in Osteuropa herbeizuführen.

Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Poolfoto zeigt wie Gerhard Schröder (r., SPD), ehemaliger Bundeskanzler, Wladimir Putin (l.), Präsident von Russland, 2018 bei dessen vierter Amtseinführung im Kreml die Hand gibt.
Schröder und Putin sind seit Jahren Vertraute. Nun könnte der deutsche Altkanzler eine Wendung im Ukraine-Krieg bringen. © Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Gerhard Schröder (SPD), Kanzler a.D. und seit Jahren Lobbyist für russische Unternehmen*, überraschte am Donnerstag mit seiner Reise nach Moskau wohl nicht nur seine eigenen Parteigenossen. „Gas-Gerd“, wie Schröder hierzulande auch gerne mal genannt wird, hatte in den vergangenen Wochen wegen seiner engen Beziehungen nach Russland* mit viel Kritik zu kämpfen. Im Raum standen Parteiausschlussverfahren, die Aberkennung von Ehrentitel und ein generelles Misstrauen gegen seine Person. Über seine Gesprächsversuche in Moskau mit Wladimir Putin, der im Ukraine-Krieg auch mit Atomwaffen* drohte, berichteten zuerst das Nachrichtenportal Politico und die Bildzeitung.

Schröder trifft Putin: Beide Politiker pflegen engen Austausch – scharfe Kritik an Schröders Russland-Beziehungen

Schröder gilt seit jeher als Vertrauter Putins. Noch während seiner aktiven Zeit in der Politik pflegten die Männer einen intensiven Austausch, der sich nach Schröders Rückzug aus der Bundespolitik intensivierte. Der ehemalige Bundeskanzler von Deutschland hat inzwischen mehrere Vorstandsposten bei russischen Gasunternehmen inne – etwa auch bei Nord Stream 2. Die Nähe zum Kreml und zum russischen Gas waren in den vergangenen Wochen zunehmend kritisch gesehen worden. Gut möglich, dass Schröders jetziges Engagement im Krieg in der Ukraine* die Wogen wieder glätten soll. Derweil übt Moskau weiter Kritik an der Nato*.

Dass er noch Moskau reist, um mit Wladimir Putin über den Ukraine-Krieg* zu verhandeln, geschah wohl ohne Abstimmung mit der Bundesregierung. Bundeskanzler Scholz (SPD) wollte entsprechende Berichte zu Schröders Agieren am Donnerstagabend nicht kommentieren. Zuvor hatte Scholz allerdings Schröder für seinen Starrsinn* kritisiert. Zwar soll inzwischen mindestens ein Gespräch zwischen Schröder und Putin stattgefunden haben, allerdings will Kremlsprecher Dmitri Peskow Berichte darüber ebenso wenig bestätigen. Auf Fragen von Journalisten antwortete er am Freitag in Moskau: „Ich habe keine Informationen zu Schröder. Ich kann Ihnen nichts sagen.“

Schröder in Moskau: Altkanzler und SPD-Politiker scheint im Krieg in der Ukraine Verhandlungen zu führen

Auch in der Ukraine zeigte man sich über Schröders Reise nach Moskau verwundert. Wie Politico berichtet, sei Schröders Vermittlungsversuch allerdings von einem Kiewer Politiker eingefädelt worden, der vergangene Woche den Kontakt über das Schweizer Medienhaus Ringier, für das Schröder als Berater arbeitet, suchte. Am Donnerstagabend äußerte sich hingegen SPD-Parteichef Lars Klingbeil in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ vorsichtig positiv. „Alles was hilft gerade, um diesen furchtbaren Krieg zu beenden, ist ja willkommen“, sagte er.

Welche Rolle Schröder im Ukraine-Konflikt einnimmt, ist somit weiter unklar. Ebenso ist der Inhalt seiner Mission völlig undurchsichtig. Sicher ist hingegen, dass Gerhard Schröder einer der wenigen Menschen in Europa ist, der überhaupt zu Wladimir Putin durchdringen kann. Wie der Tagesspiegel in einem Beitrag schrieb, wusste auch der ukrainische Botschafter, Andrij Melnyk, nichts von Schröders Vermittlungen im Ukraine-Krieg. Vor einer Woche sagte er allerdings gegenüber der Bildzeitung, dass Schröder einer der wenigen in Deutschland sei, der noch einen direkten Draht zu Putin* habe.

Schröder-Kim in Moskau: Ehefrau von Gerhard Schröder begleitet Ehemann nach Russland

Überschattet wird Gerhard Schröders Vermittlungen im Ukraine-Krieg von weiteren Kämpfen in der Ukraine. Ob es dem Altkanzler gelingen wird, den Krieg in der Ukraine zu beruhigen, kann derweil noch nicht abgesehen werden. Allerdings stößt der SPD-Politiker weiterhin auf wenig Gegenliebe in seinem Heimatland. Während er gemeinsam mit seiner Frau Soyeon Schröder-Kim in Moskau weilt, zog der Deutsche Fußball-Bund Konsequenzen: Ohne Gegenstimme wurde Gerhard Schröder am Freitag die Ehrenmitgliedschaft entzogen.

Auch die SPD hatte zuletzt von Schröder ultimativ gefordert, seine Mandate niederzulegen. Wie Gerhard Schröder weiter in Deutschland gesehen wird, könnte ganz stark von seinem Gesprächserfolgen bei Wladimir Putin abhängen. Sollte sich der Altkanzler in den Verhandlungen mit Moskau profilieren und einen friedlichen Ausgang im Ukraine-Krieg, durch den schon zahlreiche Flüchtlinge* das Land verlassen haben, in greifbare Nähe bringen können, würde ihm voraussichtlich eine große Welle der Sympathie begegnen. *kreiszeitung.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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