1. kurierverlag-de
  2. Leben
  3. Gesundheit

Nur antriebslos oder schon depressiv? Psychologen-Duo nennt Unterschiede und Warnzeichen

Erstellt:

Von: Judith Braun

Kommentare

Fehlender Antrieb ist bis zu einem gewissen Grad normal. Allerdings kann er auch ein Anzeichen für Depressionen sein. Ab wann Antriebslosigkeit krankhaft ist, erklären zwei Psychologen.

Antriebslosigkeit hat wohl jeder schon mal in seinem Leben verspürt. Wenn man morgens beispielsweise das warme Bett verlassen muss, kann einen die fehlende Motivation schon mal die Schlummertaste des Weckers betätigen lassen. Aber auch auf die Arbeit oder manche Freizeitaktivitäten hat man eben nicht immer Lust. Antriebslosigkeit kann jedoch auch ein Symptom von Depressionen sein. Anhand von bestimmten Faktoren können Sie Ihr persönliches Risiko für die Krankheit ermitteln. Um herauszufinden, ob man nur antriebslos oder bereits depressiv ist, gibt es für die psychische Erkrankung der Depression weitere Warnzeichen und Frühsymptome.

Nur antriebslos oder schon depressiv? Psychologen-Duo klärt auf

Müde Frau liegt auf einem Bett
Sport hilft nicht nur bei Antriebslosigkeit, sondern kann auch bei der Therapie von Depressionen unterstützen. © Maskot/IMAGO

Lust- und Antriebslosigkeit sind laut den beiden Psychologen Stefanie Stahl und Lukas Klaschinski zunächst einmal ein normaler und menschlicher Zustand. „Weil wir alle körperlich und psychisch auf Ökonomie gebürstet sind und im Grunde genommen Anstrengung vermeiden wollen“, erklärt Stahl in ihrer gemeinsamen Kolumne bei Stern Online. Dabei liegt es laut Klaschinski in unserer Natur, unangenehme Gefühle vermeiden und angenehme Gefühle erzeugen zu wollen. Der Moderator und Psychologe schildert weiter, dass mit Antriebslosigkeit auch häufig Versagensangst einhergeht.

Um die Lust nicht zu verlieren und Erfolge feiern zu können, sind deshalb laut Stahl vor allem Routinen im Alltag hilfreich. Sie können einem Menschen ein Gerüst geben, das Halt spendet: „Denn je öfter ich etwas tue, desto mehr Erfolgserlebnisse habe ich, desto besser die Laune dranzubleiben.“ Möchte man sich beispielsweise sportlich mehr betätigen, fällt es den meisten anfangs schwer. Da hilft es nur, sich zu überwinden und es öfter zu tun, damit sich das System und der Körper wieder darauf einstellen, Sport zu machen. Gleichzeitig kann Sport aber auch ein Mittel gegen Antriebslosigkeit sein. Denn er sorgt im Körper für die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin und verbessert die Durchblutung des Gehirns. „Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und psychischer Gesundheit“, so Klaschinsiki.

Nichts verpassen: Alles rund ums Thema Gesundheit finden Sie im regelmäßigen Newsletter unseres Partners 24vita.de.

Depression: Antriebslosigkeit kann ein Symptom sein – Wie erkenne ich den Unterschied?

Nun kann fehlender Antrieb jedoch auch auf körperliche Ursachen zurückgeführt werden. Niedriger Blutdruck oder Müdigkeit können beispielsweise zu Trägheit und weniger Energie führen. Auch der Hormonspiegel wirkt sich, wenn er zu weit unten ist, negativ auf den Antrieb aus. So kann eine Depression unter anderem auch durch eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst werden. Wer unter Antriebslosigkeit leidet, sollte laut Klaschinski außerdem seine Ess- und Schlafgewohnheiten unter die Lupe nehmen.

Gleichzeitig kann Antriebslosigkeit jedoch auch ein Symptom von Depressionen sein, wobei es verschiedene Formen der psychischen Erkrankung gibt. Eine hochfunktionale Depression merkt man den Betroffenen meist nicht an. „Ist man sich nicht sicher, ob man sich gerade in einer depressiven Phase befindet oder einfach nur lust- und antriebslos ist, kann es helfen, sich die Hauptmerkmale einer Depression vor Augen zu halten“, rät deshalb Stahl. Zu den typischen Anzeichen zählen unter anderem folgende Symptome:

Wenn die Symptome länger als zwei Wochen anhalten, spricht man von einer depressiven Episode. Ob es sich wirklich um eine Depression handelt, darüber können sogenannte Stimmungsfragebögen Aufschluss geben. Eine Diagnose stellen allerdings nur Hausärzte, Psychiater oder Psychotherapeuten. Die Experten entscheiden dann auch, ob das Leiden zum Beispiel mit Medikamenten (Antidepressiva) und/oder mit einer Psychotherapie behandelt werden sollte. Dabei können sich Betroffene zusätzlich auch mit bestimmten Verhaltensweisen selbst mental stärken. Mit Sätzen wie „Sei doch nicht so depressiv!“ aus dem Umfeld ist jedoch sicherlich keinem Patienten geholfen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare