Zeckensaison in vollem Gange

Zecken: Neue riesige Art breitet sich in Deutschland aus - Biss kann tödlich sein

Achtung, Zeckengefahr! Zecken sind bekannt als gefährliche Krankheitsüberträger. Die milden Winter begünstigen die Ausbreitung einer neuen, gefährlichen Art.

  • Die Zeckensaison* begann dieses Jahr schon im März.
  • Aufgrund des milden Winters breitet sich eine gefährliche Zeckenart in Deutschland aus.
  • So schützen Sie sich vor den gefährlichen Zeckenbissen.

Die Coronavirus*-Beschränkungen haben dieses Jahr schon viele Menschen in die Natur getrieben. Zwar ist frische Luft und Bewegung im Freien sehr gesund, doch Wälder und Wiesen bergen auch kleine unscheinbare Gefahren. Jedes Jahr, wenn es wieder wärmer wird, werden auch wieder die Zecken aktiv und lauern auf frisches Blut von Menschen und Haustieren, wie Hunde und Katzen. Auf eine gefährliche Z eckenart müssen Sie dieses Jahr besonders achten.

Neue Zeckenart in Deutschland: Krankheiten, Größe, Lebensdauer

Sie ist eigentlich in wärmeren Regionen der Welt beheimatet und kommt vor allem in Nord-Afrika, Südeuropa und dem Nahen Osten vor. Doch jetzt wurde sie auch schon vermehrt in Deutschland gesichtet: die Zeckenart "Hyalomma". Wie alle Zeckenarten lauert auch die Hyalomma-Zecke in der Natur auf andere Tiere, um deren Blut abzusaugen. Neben Rindern, Hunden und Vögeln befällt sie leider auch Menschen.

Besonders gefährlich sind die Krankheiten, die eine Hyalomma-Zecke auf ihren Wirt übertragen kann. Unter anderem das Krim-Kongo-Fieber wird fast ausschließlich über diese Zeckenart übertragen. Es verläuft in den meisten Fällen mild oder ohne jegliche Symptome, doch bei einem schweren Ausbruch kann es zu gefährlichen inneren Blutungen kommen. Vor allem in medizinisch schlecht versorgten Regionen kann die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Verlaufs auf bis zu 50 Prozent steigen.

Die Hyalomma-Zecke kommt aus Afrika und Südeuropa.

Erkennbar ist die Hyalomma-Zecke durch ihre auffällige Größe. Viele Exemplare können bis zu zwei Zentimeter groß werden. Außerdem haben die Zecken hell gestreifte Beine. In ihrem Leben befallen sie ein- bis dreimal Wirtstiere und übertragen bei diesem Wechsel die gefährlichen Krankheiten.

Wahrscheinlich ist eine Verbreitung in Nordeuropa auf Zugvögel zurückzuführen, denn die Zecken können viele Wochen an ihrem Wirt haften. Bisher konnte sich diese Zeckenart jedoch nicht in Deutschland halten, denn dafür waren die Winter zu kalt. Zeckenforscher der Universität Hohenheim in Stuttgart sind sich sicher, dass die ersten Exemplare schon den Winter 2018/2019 überlebt haben könnten, so daserste.de. Der besonders milde Winter 2019/2020 könnte jetzt dazu beitragen, dass sich die Zeckenart langfristig in Deutschland etablieren kann.

Lesen Sie dazu: Nach Wochen der Corona-Beschränkungen zieht es die Menschen in die Natur. Doch Vorsicht: Im Jahr 2020 ist die Zeckengefahr in Bayern besonders hoch - mit Folgen.

Besonders heimtückisch: Die Hyalomma-Zecke verfolgt ihre Wirte

Die bisher heimischen Zeckenarten gelangen hauptsächlich über das Abstreifen am hohen Gras oder Gebüsch auf den Körper. Die Hyalomma-Zecke gehört aber zu den sogenannten "Jadgzecken". Sie hat gute Augen sowie flinke Beine und verfolgt ihre Opfer über mehrere hundert Meter weit.

Lesen Sie auch: Die Gefahr aus der Erde: Diese Infektionskrankheit können Sie sich im Garten holen

Zeckenarten: Mit diesen Merkmalen lassen sich die Zecken einfach unterscheiden

Leicht an der Größe zu erkennen: Gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma marginatum (rechts)

Insgesamt gibt es sieben Zeckenarten, die in Deutschland regelmäßig gesichtet werden. Drei Arten sind nach ihren Lieblingswirten benannt und auch hauptsächlich dort vorzufinden: Schafzecke, Taubenzecke und braune Hundezecke. Menschen werden am meisten durch den Gemeinen Holzbock befallen.

Merkmale

Gemeiner Holzbock

Hyalomma-Zecke

Größe

2,5 bis 4,5 Millimeter

bis zu 20 Millimeter

Erkennungsmerkmal

rot-brauner Halbmond-förmiger Rücken

hell-gestreifte Beine

übertragene Krankheiten

Borreliose*, FSME*

Zecken-Fleckfieber*, Krim-Kongo-Fieber

Tipps zur Vermeidung von Zeckenbissen und wie Sie Zecken richtig entfernen

Da es nur wenige Impfstoffe gibt, aber dennoch sehr gefährliche Krankheiten von Zecken übertragen werden, gilt es in erster Regel, einen Zeckenbiss vorzubeugen.

  • Hohes Gras und Unterholz vermeiden: Der Gemeine Holzbock gelangt vor allem über das Abstreifen auf die Haut.
  • Lange und helle Kleidung anziehen: Lange Hosen und Ärmel erschweren es den Zecken, zur Haut zu gelangen. Außerdem hilft helle Kleidung dabei, die Parasiten schnell zu erkennen und entfernen zu können.
  • Insektenabweisende Mittel gegen Zecken: Viele Mittel, die Stechmücken abweisen, sind auch gut gegen einen Zeckenbefall. Informieren Sie sich auf der Verpackung und tragen Sie das Mittel vor allem an den Beinen auf.
  • Impfung gegen FSME: Zwar gibt es weder für Borreliose noch für das Krim-Kongo-Fieber einen Impfstoff, aber gegen Entzündungskrankheit FSME gibt es eine Impfung, die in der Regel auch von der Krankenkasse gezahlt wird.
  • Den ganzen Körper absuchen: Wenn Sie nach einem Ausflug wieder nach Hause kommen, sollten Sie die gesamte Haut nach Zecken absuchen, die sich möglicherweise schon festgebissen haben.

Wenn die Zecke bereits angebissen hat, dann achten Sie auf die richtige Methode beim Entfernen der Zecke. Entfernen Sie die Zecke so schnell wie möglich, sobald Sie eine geeignete Zeckenzange zur Hand haben.

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Wie gefährlich ist die Borreliose?

Mehr als nur ein Quälgeist: Zecken können nicht nur schmerzhaft zustechen - sondern damit auch Krankheiten übertragen. Foto: Patrick Pleul
Mehr als nur ein Quälgeist: Zecken können nicht nur schmerzhaft zustechen - sondern damit auch Krankheiten übertragen. Foto: Patrick Pleul © Patrick Pleul
Professor Sebastian Rauer ist Neurologe und Leitender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg. Foto: Universitätsklinikum Freiburg
Professor Sebastian Rauer ist Neurologe und Leitender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg. Foto: Universitätsklinikum Freiburg © Universitätsklinikum Freiburg
Tomas Jelinek ist Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin. Foto: J. Klatt
Tomas Jelinek ist Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin. Foto: J. Klatt © J. Klatt
Armin Schwarzbach ist Laborfacharzt mit einer Spezialisierung auf Infektiologie in Augsburg. Foto: Foto Hirscher, Bobingen
Armin Schwarzbach ist Laborfacharzt mit einer Spezialisierung auf Infektiologie in Augsburg. Foto: Foto Hirscher, Bobingen © Foto Hirscher, Bobingen
Klares Warnzeichen für Borreliose: Die sogenannte Wanderröte kann Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich auftreten. Foto: Harry Melchert
Klares Warnzeichen für Borreliose: Die sogenannte Wanderröte kann Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich auftreten. Foto: Harry Melchert © Harry Melchert

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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