2. Teil des Interviews mit den 1860-Machern

NLZ-Leiter Märkle und U21-Coach Lubojanski: So werden Junglöwen Profis

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Der TSV 1860 sichtet bereits achtjährige Buben. Im zweiten Teil des Interviews sprechen NLZ-Leiter Dieter Märkle und U21-Trainer Sebastian Lubojanski über die Ausbildung von Talenten.

Im ersten Teil des Interviews haben NLZ-Leiter Dieter Märkle und U21-Trainer Sebastian Lubojanski über die kleinen Löwen gesprochen. Im zweiten Teil geht es um die Ausbildung junger Talente, die bereits im Alter von acht Jahren gesichtet werden. Außerdem sprechen die Nachwuchsmacher, was ein Kind braucht, um Profi zu werden und wie schwer die Trennung fällt, wenn ein junger Spieler leistungsmäßig in der Mannschaft nicht mehr mithalten kann. 

Ist es nach den fünf Abstiegen im Jahr 2017 schwerer, die Top-Talente zu locken? 

Märkle: Das Umfeld hat sich total verändert. Vor zehn Jahren gab es in München nur1860 und den FC Bayern. Jetzt sind mit Augsburg und Ingolstadt in unmittelbarer Nähe Bundesligisten und auch Unterhaching betreibt ein NLZ. Der Markt an Spielern ist aber nicht größer geworden. Mit der Durchlässigkeit, die Sechzig seit Jahren ausmacht und individueller Förderung müssen wir die Spieler für uns gewinnen.

Auch 1860 sichtet bereits Achtjährige.. 

Lubojanski: Die anderen Münchner Vereine gehen teilweise in Schulen, sichten die Spieler im gleichen Alter und haben dann fünf F-Jugend-Mannschaften. Bei uns kommt nur hinzu, dass wir ab der U13 in Richtung Leistungssport gehen. Wir versuchen natürlich, etwas besser zu schauen. 

Märkle: Die NLZs beginnen offiziell ab zwölf. Je früher wir einen Spieler in einem Verein haben und ihn emotional und sportlich an uns binden, umso besser. Durch den gesteigerten Konkurrenzkampf der NLZs hat sich das Einstiegsalter automatisch nach unten verlagert. Das spiegelt sich auch bei Beratern und Ausrüstern wider, die schon 14-Jährige versuchen zu binden.

„Nimmt man 100 Kinder und macht Gesangsunterricht, singen auch nicht alle gleich gut“

Irgendwann folgt aber die Fluktuation, wenn in älteren Jahrgängen neue Spieler kommen. 

Lubojanski: Natürlich, alles andere wäre ein Zeichen schlechter Arbeit. Nimmt man 100 Kinder und macht mit ihnen 100 Stunden Gesangsunterricht, singen danach auch nicht alle gleich gut. Beim Fußball ist die Erwartung, sie müssen alle gut werden. Das stimmt aber nicht. Sportliche Talente sind bei Kindern unterschiedlich ausgeprägt. Ein NLZ muss den Allerbesten eine optimale Umgebung bieten, sonst sind sie unterfordert. 

Märkle: Es ist unrealistisch zu glauben, dass von einer U13 80 bis 90 Prozent in der U19 ankommen. Die Entwicklung ist völlig unterschiedlich, die Pubertät kommt dazu oder eine veränderte Einstellung zum Leistungssport. Deshalb ist es utopisch zu glauben, dass drei Viertel der Spieler oben ankommen. Wir müssen in der Spitze die Top-Spieler ausbilden. Deshalb ist es wichtig, Top-Jahrgänge zu haben, weil man sich nur in diesem Umfeld entwickeln kann. Es geht um Ausbildung von Top-Spielern und nicht um Platzierungen einer Mannschaft. Wir wollen Meister werden und wieder aufsteigen, aber das oberste Ziel bleibt es, Spieler für den Profibereich auszubilden.

Wie beenden Sie die Zusammenarbeit dann? 

Lubojanski: Es gibt ein Zielvereinbarungsgespräch zwischen Trainerteam und Spieler Ende August. Dann folgt ein Halbjahresgespräch im Dezember, bei dem die Eltern dabei sind. Am Ende der Saison wird dann besprochen, ob es in der nächsten Saison weitergeht. Die Spieler merken es auch selbst, sind überfordert und empfinden Stress.

„Je älter die Kinder werden, desto mehr kommt es auf Leistung an“

Für die Kinder platzt dann ein Traum... 

Lubojanski: Ja, aber dennoch liefern wir auch etwas. Sozialverhalten, Leistungsbereitschaft, Teamoerientierung und auch eine Perspektive außerhalb des Profifußballs, womit man zumindest ein Studium oder seine Lehre finanzieren kann. Wenn man sieht, dass die Kinder später im Amateurbereich aufblühen, sind viele auch dankbar. 

Märkle: Es ist nie einfach. Die Entscheidung muss deshalb inhaltlich so transparent sein, dass Kind und Eltern etwas damit anfangen können. Je älter die Kinder werden, desto mehr kommt es auf Leistung an. Das ist im normalen Leben nicht anders. Man darf die Wahrnehmung der Kinder auch nicht unterschätzen. Oft wissen sie, in welche Richtung es geht.

Was braucht ein Talent, um am Ende Profi zu werden?

Märkle: Ein Spieler muss in jeder Jahrgangsstufe hart an sich arbeiten und darf nie zufrieden sein. Die Anforderungen bei Technik, Schnelligkeit, Aggressivität und Laufbereitschaft werden immer höher. Ein Quäntchen Glück gehört dazu, wenn ein Profi-Trainer genau in dem Moment auf den Spieler setzt oder auf einer Position Bedarf ist. Das Talent kann noch so hoch sein, wenn der Trainer den Spieler nicht einsetzt.

Hier lesen Sie den ersten Teil des Doppel-Interviews. Der dritte und letzte Teil erscheint am Sonntagmorgen um 10 Uhr. 

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