"Ich zeige 1860, wie es geht"

Werner Lorant redet mal wieder Klartext.
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Werner Lorant redet mal wieder Klartext.

Das tz-Geburtstags-Interview mit Werner Lorant.

Herr Lorant, haben Sie mit der Zahl 60 ein Problem?

Lorant: Ach was, überhaupt nicht. Wenn du so wie ich immer mit jungen Spielern beisammen bist, dann fühlst du dich wie 40. Und denkst wie mit 40.

Ist am Freitag eine große Feier geplant?

Lorant: Nein. Ich bin im Trainingslager. Wir haben am Samstag ein ganz wichtiges Spiel in Banska Bystrica. Die Feier wird im Dezember nachgeholt, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Banska Bystrica… Ihr Verein heißt Dunajska Streda – klingt nicht gerade nach der großen Fußballwelt. Gefällt es Ihnen wirklich in der Slowakei?

Lorant: Aber sicher. Dunajska Streda kannst du durchaus mit einem Klub wie 1860 vergleichen. Jedenfalls was die Fans betrifft. Unser Stadion ist jedes Mal mit 15.000 Zuschauern ausverkauft.

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Apropos 1860. Bei einigen Verantwortlichen des Vereins kommt es nicht gut an, wenn man Interviews mit Ihnen führt, in denen Sie mit Ihrem Verein recht kritisch umgehen?

Lorant: Wie bitte? Was soll das denn? Darf man sich nicht mehr ärgern über seinen ehemaligen Verein? Das ist mir ja wirklich zu blöde. Zuletzt haben sie sogar gegen eine Mannschaft verloren, die von Holger Fach trainiert wird. Da kannst du ja nur noch lachen. Was machen denn die ganzen Experten bei 1860? Der Karsten Wettberg zum Beispiel. Aber es ist doch jedes Jahr das Gleiche. Da geht nix. Aber über mich herziehen. Zuletzt habe ich mitbekommen, dass das auch der Jugendleiter von Sechzig getan hat. Was will der denn? Ohne die Erfolge, die es unter mir und Wildmoser gegeben hat, hätten sie doch die ganzen Talente wie die Benders oder den Gebhart gar nicht. Und auch kein Jugendinternat, in dem der Herr jetzt sein Büro hat.

Hätten Sie denn eine Lösung für 1860?

Lorant: Logisch. Die sollen mich als Sportdirektor holen, dann mach’ ich das schon. Ich hole ihnen die richtigen Spieler, um aufzusteigen. Hier in Streda habe ich zum Beispiel zwei Spieler aus Kamerun, die sind richtig gut.

Wer war denn eigentlich während Ihrer mehr als neun Jahre beim TSV 1860 der beste Spieler?

Lorant: Von den jungen Leuten ganz klar der Jens Jeremies. Wie der sich entwickelt hat, das war wirklich überragend. Und von den älteren, von denen man ja wusste, was sie können, waren das Thomas Häßler, Abedi Pele und Gerald Vanenburg.

Gab’s auch so etwas wie einen Lieblingsspieler?

Lorant: Na ja, vielleicht der Olaf Bodden. Der Lange hat mich zwar nach jedem Training verflucht, aber im Spiel war er dann einer, auf den du dich hundertprozentig verlassen konntest.

Bodden hat allerdings auch mal behauptet, dass es keinen Spieler auf der Welt geben würde, der das Training von Lorant zehn Jahre lang aushalten würde…

Lorant: Na ja, wenn er das meint.

Gab’s auch einen Spieler, an dem Sie verzweifelt sind?

Lorant: Natürlich. Der Kroate damals. Wie hieß er gleich wieder?

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Elvis Brajkovic?

Lorant: Genau. Der Brajkovic. Das war so ein Riesenkicker, aber den habe ich überhaupt nicht in die Spur gekriegt. Er war einfach faul und zu bequem.

Welcher Spieler hat Sie am meisten enttäuscht?

Lorant: Eindeutig Thomas Riedl. Nach seinem Tor zum 1:0-Sieg über die Bayern dachte der auf einmal doch tatsächlich, dass er ein zweiter Thomas Häßler ist und wollte bei uns den Spielmacher geben. Dabei hat der Riedl das, was Häßler im kleinen Zeh hat, nicht einmal in beiden Füßen.

Zuletzt gab es in der Bundesliga viel Aufregung um Trainer, die sich mit Schiedsrichtern angelegt haben. Und der DFB greift jetzt rigoros mit Strafen durch. Könnte es unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch einen Werner Lorant als Trainer in Deutschland geben?

Lorant: Worum geht’s denn? Es geht um Fußball, um Spaß und nicht darum, dass die Leute alle einschlafen. Als ich mich damals beim Derby mit Mario Basler an der Seitenlinie in der Wolle hatte, das war doch nichts weiter Schlimmes. Vor einem Derby ist die Stimmung sowieso immer aufgeheizt und da gehört so was einfach dazu. Das müssen aber auch die Schiedsrichter wissen und richtig damit umgehen. Aber heute muss im Fußball ja alles schön und brav sein. Auch die Spieler und Trainer.

Also wär’ das nichts mehr für Sie?

Lorant: Das weiß ich jetzt wirklich nicht. Es kann so vieles passieren. Nehmen Sie nur mal den Peter Neururer. Der war zweieinhalb Jahre lang arbeitslos. Und jetzt ist er auf einmal der große Macher in Duisburg.

Was imponiert Ihnen denn im deutschen Fußball?

Lorant: Der Ralf Rangnick mit seinen Hoffenheimern. Vor ihm und seinem Verein habe ich eine große Hochachtung. Die spielen Superfußball.

Gibt es irgendwas, das Sie an Ihrem 60. Geburtstag bereuen?

Lorant: Ja. Dass ich nicht schon viel früher ins Ausland gegangen bin. Es ist einfach schön, so viel von der Welt kennenlernen zu können.

Was haben Sie eigentlich für Ziele mit Streda? Im Moment sind Sie Fünfter.

Lorant: Wir sind nicht Fünfter. Wir sind noch Fünfter. Um in den Europacup zu gelangen, muss man in der Slowakei Dritter werden. Und das schaffe ich!

Quelle: tz

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