Hopfner im tz-Interview: "Kapitel 1860 beendet"

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Der Mann im Hintergrund: Karl Hopfner ist seit 1983 beim FC Bayern. Er sagt: „Der Stolz des FC Bayern ist, dass wir alles selbst geschaffen haben“

München - Im tz-Interview spricht Bayern-Finanzvorstand über das liebe Geld, über den Nachbarn TSV 1860 und über Transfers. Diese können auch mal nach dem "Good cop, bad cop"-Prinzip ablaufen, verrät er.

Neuer, Boateng, Rafinha, Petersen, Usami – die Einkaufstour der Bayern vor der Saison 2011/12. Eine Transferoffensive, die es in sich hat. Nur zweimal in ihrer Geschichte investierten die Bayern vor einer Saison mehr Geld in Neueinkäufe.

Die tz sprach mit Bayerns Finanzvorstand Karl Hopfner (59) über Transfertaktik, das Financial Fairplay und den Löwen-Investor.

Herr Hopfner, mit welchem Gefühl gehen Sie in eine neue Saison? Nervös, wie sich die Mannschaft präsentiert? Gelassen, weil alle Einkäufe getätigt wurden und Sie sich zurücklehnen können?

Hopfner: Was wir an Transfers gemacht haben, war, glaube ich, nicht so schlecht. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Jetzt erhoffen und erwarten wir, eine Mannschaft zu haben, die permanent vorne mitspielt.

Stichwort Gelassenheit: Wie sehr haben Sie gezittert, als die Champions-League-Qualifikation in der vergangenen Saison auf dem Spiel stand?

Hopfner: Da fiebert man mit, keine Frage. Aber wir haben unser Minmalziel erreicht.

Rechnet man während der Partien mit, wie viel Geld verloren gehen kann?

Hopfner: Nein, ich sitze nicht auf der Tribüne und fange zu rechnen an. Wenn das Spiel läuft, bin ich begeistert mit dabei. Gerechnet wird danach.

Nun gab’s im Sommer die drittgrößte Transferoffensive der Vereinsgeschichte.

Hopfner: Wir wussten, wo wir Schwachstellen hatten. Diese wollten wir mit Transfers beseitigen. Wir hätten ja auch in der vergangenen Saison Transfers gemacht – aber wenn der Trainer sich dagegen ausspricht, dann macht das keinen Sinn.

Diese Spieler hat der FC Bayern seit 1990 gekauft

Was sagt das Gewissen des Finanzchefs bei weit über 40 Millionen Euro Transferausgaben?

Hopfner: Ich habe ein sehr gutes Gewissen. Wir haben mit den Verpflichtungen die richtigen Entscheidungen getroffen, ganz speziell mit Manuel Neuer, über dessen Transfer zum FC Bayern wir unheimlich froh sind.

Welcher war der schwierigste Transfer? Neuer? Boateng?

Hopfner: Bei Neuer hatten wir uns ja schon geeinigt, dann hat es sich mit vielen Nebengeräuschen unheimlich hingezogen. Letztendlich galt aber doch unser Handschlag. Bei Boateng ist Manchester City lange auf Sendepause gegangen. Aber da muss man eben die Nerven haben, abzuwarten. Nicht jeder hat eben so kurze Dienstwege wie wir beim FC Bayern. Wenn sich Vorstand und Sportdirektor einig sind, wird der Aufsichtsratsvorsitzende Uli Hoeneß eingebunden und dann steht das Ganze. Das ist ein ganz großes Plus des FC Bayern.

Bei Boateng wurde lange gefeilscht, die Zahlen für die Ablöse schwanken zwischen 13,5 und 17 Millionen.

Hopfner (schmunzelt): Wir haben Stillschweigen vereinbart. Aber wir haben uns, wie immer, ein Limit gesetzt. Und wir haben dieses Limit nicht nach oben korrigiert, sondern eingehalten.

Wie laufen die Verhandlungen ab? Gibt’s Strategien nach dem Motto: good cop, bad cop?

Hopfner: Das kommt auf die Verhandlungen an. Aber das kann durchaus vorkommen, einer ist der „good cop“, der andere der „bad cop“. Aber sicher haben wir vorher keine Besprechung, wo die Rollenverteilung festgelegt wird.

Auf dem europäischen Transfermarkt tut sich in diesem Sommer bisher erstaunlich wenig. Warum?

Hopfner: Dank des ab dieser Saison eingeführten Financial Fairplay fangen einige Vereine gottlob zu rechnen an: Was ist machbar, wie schaut’s auf der wirtschaftlichen Seite aus? Wenn sich einige Klubs ihre Geschäftsergebnisse der letzten Jahre anschauen, dann haben sie nicht so rosige Zeiten vor sich.

Interessiert Vereine wie Manchester City überhaupt das Financial Fairplay?

Hopfner: Es hat sie zu interessieren! Wenn Manchester City international spielen will, hat es sie zu interessieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass die UEFA unter Michel Platini eingreifen wird, wenn die Regeln des Financial Fairplay missachtet werden. Das kann bis zum Ausschluss von UEFA-Klubwettbewerben führen.

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Sie glauben also an Financial Fairplay?

Hopfner: Die Vernunft wird siegen. Ich bin absolut sicher, dass die Regeln von der UEFA greifen werden. Die UEFA macht jetzt ernst. Es gibt eine Anpassungszeit von drei Jahren – wenn sich dann Vereine nicht an die Regeln halten, ist mit den genannten Sanktionen zu rechnen.

Und der FC Bayern ist der große Gewinner?

Hopfner: Nicht nur der FC Bayern, sondern die gesamte Bundesliga. Wir haben dank des Lizenzierungsverfahrens der DFL ein solides wirtschaftliches Gefüge.

Ist der FC Bayern der gesündeste Verein Europas?

Hopfner: Wir sind sehr, sehr gesund, das steht fest. Alles Weitere müssen andere beurteilen.

Der Nachbar von der Grünwalder Straße kann finanziell dank Ismaiks Einstieg wieder ein wenig aufatmen…

Hopfner: Das Thema ist für uns erledigt. Wir haben das gestundete Geld bekommen, inklusive Zinsen. Am 15. Juli wurde der gesamte Betrag überwiesen, das Kapitel ist für uns beendet.

Bei den Löwen gibt es Konflikte, weil Ismaik mehr Macht will. Präsident Schneider drohte gar mit Rücktritt.

Hopfner: Ich habe keinen genauen Einblick bei 1860. Aber dass derjenige, der die Anteile gekauft hat, ein anteilsgemäßes Mitspracherecht haben möchte, halte ich für absolut legitim. Aber das muss man vorher wissen: Wenn man Anteile verkauft – wie viel Prozent auch immer –, dann wollen diejenigen auch anteilsgemäß mitsprechen und mitentscheiden. Das halte ich für absolut legitim. Alles andere wäre ja naiv: Geld zu bekommen und davon auszugehen, dass alles beim Alten bleibt. Das wäre nicht realitätsnah.

Interview: Tobias Altschäffl

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