Kurz: Kein Neid auf Klinsmann

Seine Spieler haben Respekt vor ihm, er hat Respekt vor Bayern: Marco Kurz (r.).
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Seine Spieler haben Respekt vor ihm, er hat Respekt vor Bayern: Marco Kurz (r.).

Während beim FC Bayern die revolutionären Veränderungen durch Jürgen Klinsmann für Aufsehen sorgen, geht's bei den Löwen vergleichsweise beschaulich zu.

Buddhas auf dem Dach, Essen vom Sterne-Koch auf dem Tisch, Simultan-Dolmetscher für Mannschaftssitzungen in einem Kinosaal, Couchecken direkt neben dem Trainingsplatz – der unter Jürgen Klinsmann relaunchte, oder soll man angesichts der Wohlfühlatmosphäre besser sagen „reloungte“ FC Bayern hat natürlich auch beim nur ein paar hundert Meter entfernten blauen Nachbarn die entsprechende Aufmerksamkeit geweckt. Auch Neid?

„Nein“, antwortet Marco Kurz, „aber ich habe Respekt davor, was da drüben passiert. Bayern schöpft halt aus dem Vollen.“

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Und die Löwen? „Auch wir schöpfen unser Optimum aus“, sagt der Trainer, „aber wir sind halt 2. Liga.“ Da fehlt’s dann noch weit zu einem eigenen Kinosaal oder einer Bibliothek. Kurz: „Ist doch auch logisch, dass wir uns mit etwas anderem beschäftigen müssen als die Bayern, deren ganzer neuer Trakt 18 Millionen gekostet haben soll.“ Eine Zahl, die zuletzt immer im Raum stand, die aber vom FC Bayern heftigst dementiert wurde. Die Kosten seien weitaus niedriger gewesen.

Sei’s drum. Was der neue Bayern-Trainer drüben an der Säbener Straße innerhalb kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat, nötigt Kurz Anerkennung ab: „Wer den Kollegen Klinsmann kennt, der weiß, dass er alles wahrnimmt, was irgendwie möglich ist.“

Wie gut kennt der Schwabe Kurz (39) den Schwaben Klinsmann (43) eigentlich? Beide spielten ja auch einst für den VfB Stuttgart in der Bundesliga. „Wir kennen uns“, sagt der Löwen-Coach, „aber nicht so gut, dass wir jetzt voneinander die Telefonnummern hätten.“

Aber Kurz traut sich durchaus, den Kollegen richtig einzuschätzen. Und erinnert an dessen Zeit als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft: „Klinsmann wurde ja schon mal wegen seiner Methoden zunächst belächelt – und hinterher dann gefeiert…“

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Aber Kurz hofft trotzdem, dass man auch anders zu Erfolg kommt. Mit weniger Schnickschnack. Wie bei 1860.

„Auch wir werden hier was Gutes auf die Beine stellen“, ist er sich sicher. Und geht davon aus, dass jeder seiner Spieler ebenso pünktlich zum Training kommt wie die der Bayern, auch wenn dort der Terminplan auf einem persönlichen Display in den Spinden abrufbar ist, während er bei den Blauen nach wie vor auf einem einfachen Blatt Papier in einem Kastl an der Wand hängt.

Und aus Versehen länger geblieben ist sowieso noch nie ein Spieler…

Bliebe noch die Geschichte mit den Buddhas. Im Löwenstüberl setzt man nach wie vor auf ein Kruzifix im Stammtischeck, und draußen im Vorgarten sitzt ein Gartenzwerg mit einer Taschenlampe. Vielleicht kann er ja auch den Weg in die erste Liga leuchten…

Quelle: tz

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