Löwen auf Investoren-Suche

1860-Präsident Rainer Beeck und seine Vizepräsidenten Franz Maget und Dr. Michael Hasenstab.
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1860-Präsident Rainer Beeck und seine Vizepräsidenten Franz Maget und Dr. Michael Hasenstab.

Investor dringend gesucht! Der finanziell angeschlagene Fußball-Zweitligist TSV 1860 München wirbt unverhohlen um Finanzspritzen von außen.

“Wir könnten uns vorstellen, zehn bis 15 Prozent unserer Anteile abzugeben“, sagte Vereinspräsident Rainer Beeck am Samstag nach der 40. ordentlichen Delegiertenversammlung, die ihn im Amt bestätigt hatte. “Wir sind in Kontakt mit potenziellen Geldgebern.“ Nach einem Defizit von 560 000 Euro in der Saison 2007/08 und einem kalkulierten Minus von drei Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr, steht die Profiabteilung finanziell mit dem Rücken zur Wand. Sportlich soll es in der 2. Liga schon an diesem Montag im Auswärtsspiel beim FC Hansa Rostock wieder aufwärts gehen.

Bilder von der Delegiertenversammlung des TSV 1860 München

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“Die Lizenz für die nächste Saison ist nicht in Gefahr, aber danach brauchen wir einen neuen Plan“, sagte Finanz-Geschäftsführer Markus Kern bei der fünfstündigen Versammlung in München. “Wir sparen schon, wo wir können. Aber wir müssen darauf achten, dass wir sportlich wettbewerbsfähig bleiben. Das ist ein Spagat - vor allem aufgrund bestehender Verträge.“ 5,6 Millionen Euro kostet die “Löwen“ die Allianz Arena in dieser Saison, allein zwei Millionen zahlen sie für das Catering - genauso viel wie der FC Bayern. “Leider mussten wir diese Vertragskonstruktion so übernehmen“, klagte Beeck.

Auch wegen der sinkenden Zuschauerzahlen - der Durchschnitt liegt bisher um mehr als 7000 Besucher pro Heimspiel niedriger als im Vorjahr (35 000) - werden die Forderungen der Fanbasis nach einem Ausstieg aus dem bis ins Jahr 2025 laufenden Mietkontrakt lauter. “Kommt bitte raus aus dem Reich der Fantasien“, rief Vize-Präsident Franz Maget den 187 Delegierten zu und erinnerte: “Es war der erklärte Wille des TSV 1860, diese Arena zu bauen. Wer das damals in die Wege leitete, spielt heute keine Rolle mehr.“

Viereinhalb Jahre nach Ende der Ära Wildmoser ist das mittelfristige Ziel Aufstieg immer noch in weiter Ferne. Sportlich steckt 1860 im Zweitliga-Mittelmaß fest, was Manager Stefan Reuter in seiner Rede nur dürftig begründete. “Wir sind darauf angewiesen, einmal verletzungsfrei durch eine Saison zu kommen“, sagte der Weltmeister von 1990 und erntete Kopfschütteln bei den Delegierten.

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Angesichts der prekären Finanzlage - der Verein hat 6,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten - sind mögliche Verkäufe der umworbenen Talente Timo Gebhart sowie Lars und Sven Bender nun kein Tabu-Thema mehr. “Es ist illusorisch, dass wir gegenüber Top-Klubs immer sagen können: Nein, wir verkaufen nicht“, meinte Reuter, über dessen Zukunft als 1860-Geschäftsführer im Frühjahr verhandelt werden soll.

Die Führungsriege um Präsident Beeck sitzt derweil fest im Sattel. Für den 46-Jährigen, der am 27. Mai als Nachfolger von Alfred von Linde ins Amt gehievt worden war, votierten 156 Delegierte bei nur 16 Gegenstimmen und 15 Enthaltungen. “1860 München gehört in die erste Liga“, sagte Beeck.

Trainer Marco Kurz will die Offensiv-Misere des Teams schnellstens wieder beenden und den Einstand von Trainer Dieter Eilts beim FC Hansa Rostock vermiesen. “Wir fahren dort hin, um drei Punkte zu holen“, sagte Kurz vor der Partie am Montagabend in Rostock. “Hansa hat zuletzt nicht überzeugt, hat aber ein hohes Grundpotenzial“, bemerkte Kurz.

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Gegen den Bundesliga-Absteiger, der seit fünf Spielen sieglos ist, steht Defensivspezialist Mathieu Béda wieder zur Verfügung. Dafür fehlt Markus Thorandt (Gelb-Sperre). Nach den zwei 0:1- Heimniederlagen gegen Rot-Weiß Oberhausen und den FC Augsburg hatte Kurz Konsequenzen gezogen. “Wir waren im Training sehr intensiv unterwegs und ein freier Tag wurde gestrichen“, sagte Kurz. Nach drei Partien ohne Treffer soll gegen die Hanseaten der Ball wieder ins gegnerische Netz. “Wir müssen den Hebel in der Chancenverwertung umlegen“, forderte Kurz.

Quelle: DPA

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