Studie über Talentförderung

Bundesliga-Profis im NLZ ausgebildet: TSV 1860 schlägt den FC Bayern

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Emre Can (li.), Kevin Volland und Julian Weigl (r.) haben es bis in die Nationalmannschaft geschafft.

Es gibt viele Beispiele von jungen Fußballern, die als „Jahrhundert-Talent“ oder „Juwel“ gelten. Doch wie viele davon schaffen dann tatsächlich den Sprung in die erste Liga, oder zu einem europäischen Topverein?

Wie gut und erfolgreich ist die Jugendarbeit der Profivereine in Deutschland? Und wie viele Talente schaffen tatsächlich den Sprung aus dem Nachwuchsbereich in die Profimannschaft eines Bundesligisten? Dieser Frage ging ein Rechercheteam der Sportredaktion des ARD-Radios nach. Untersucht wurden alle U19-Spieler aus den Nachwuchsteams der 1. bis 3. Liga seit 2010/11. Als Quelle diente die Datenbank von transfermarkt.de.

Das Ergebnis ist einigermaßen ernüchternd: Von 5738 Talenten schafften es nur 3,5 Prozent, sich einen Platz im Profikader eines Vereins aus der ersten oder einer europäischen Liga zu sichern. Der Prozentsatz bei Spielern, die mindesten zehn Spieler absolviert haben, ist noch geringer.  

Die gute Nachwuchsarbeit des  TSV 1860 ist landesweit bekannt. Von den Münchner stehen aktuell neun ehemalige U19-Spieler im Kader einer 1. Bundesligamannschaft. Acht davon absolvierten mindesten zehn Spiele, bei den ehemaligen Junglöwen sind es aber bei fast allen Spielern bedeutend mehr Einsätze: Kevin Volland (197) Bobby Wood (61), Felix Uduokhai (20), Marius Wolf (37), Florian Neuhaus (11), Julian Weigl (88) haben sich in ihren Klubs etabliert und sind sogar teilweise zu Nationalspielern gereift. 

Beim Stadtrivalen FC Bayern Nachwuchs stehen acht Akteure bei einem Bundesligisten unter Vertrag oder haben vor ihren Wechseln ins Ausland mehrere Einsätze im Oberhaus gehabt. Der inzwischen beim FC Southhampton kickende Pierre-Emile Höjbjerg oder Nationalspieler Emre Can (Juventus Turin) bestritten 56 bzw. 33 Spiele. Alessandro Schöpf vom FC Schalke 04 kommt bisher auf 64 Einsätze.

Auch Haching hat heutige Bundesliga-Profis ausgebildet

Die beste Quote an ehemaligen Jugendspielern, die es in die Bundesliga geschafft haben, hat der Hauptstadtklub Hertha BSC. 14 Spielern haben seit 2010/11 den Sprung in einen Bundesliga-Kader geschafft. Immerhin: Auch die SpVgg Unterhaching taucht im Ranking auf und brachten drei Spieler heraus. Janik Haberer vom SC Freiburg sticht heraus und lief unter Christian Streich 71 Mal auf. 

Eine Menge Spieler schaffen den Sprung allerdings nicht. Oft werden die „Jahrhundert-Talente“ hochgelobt, von Trainer, Freunden und insbesondere den eigenen Eltern. „Die Eltern unterstützen das massiv“, sagte Günter Gorenzel, sportlicher Leiter von 1860 München dem Bayerischen Rundfunk. „Die wollen ihre Söhne, oder auch Töchter, ganz nach oben bringen. Nicht nur bringen, sondern oft auch schreien.“ Dass diese Erwartungshaltung bei den Jungs viel Druck erzeugt, erkennt auch Gorenzel: „Das ist nicht immer förderlich, nicht immer förderlich für die Kinder und nicht für das gesamte Gefüge im Sport.“

Scouting beginnt schon bei Achtjährigen

Dennoch beginnt der aggressive Kampf der Profivereine um die Stars von morgen immer früher. So ist es keine Seltenheit mehr, dass sogar Achtjährige verpflichtet werden. „Es reicht nicht mehr, in der U12 oder U13 in München zu schauen und dann die Besten zu holen, die kriegt man dann nicht mehr“, sagt Roy Matthes vom TSV 1860-Nachwuchsleistungszentrum, „die spielen dann mittlerweile in Ingolstadt, in Haching oder in Augsburg.“

Doch was passiert mit den hoffnungsvollen Talenten, wenn das gesteckte Ziel nicht erreicht wird? Viele Spieler wissen dann nicht, wie es weiter gehen soll. Wichtig ist für die Jugendlichen einen Schulabschluss zu haben. 1860-Keeper Marco Hiller schaffte sein Abitur und gibt zu: „Es ist auch ganz wichtig für den Kopf. Das Du einfach einen Plan B hast, und nicht sagst, ja ich muss Profi werden.“

Text: Markus Altmann 

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