Drei fragwürdige Elfmeter gegen Halle

„Schiedsrichter hat Spiel kaputt gepfiffen“ - TSV 1860 trotz Überzahl nur Remis

Prägender Pfiff: Justus Zorn zeigt Toni Lindenhahn nach einer Notbremse gegen Adriano Grimaldi die Rote Karte. Den fälligen Strafstoß von Sascha Mölders (M.) parierte Halles Keeper Kai Eisele. Ab da war es ein wildes Spiel. Foto: sampics

Michael Schädlich, 64, stand abfahrbereit vor dem Grünwalder Stadion, seine multiplen Rollen machten ein unverzügliches Verlassen des Sehnsuchtsorts seiner Kindheit unumgänglich („Ich hab Opa-Pflichten zu erfüllen“).

München – Zuvor jedoch hatte der Präsident des Halleschen FC das Bedürfnis, diesen emotionalen Tag Revue passieren zu lassen – und dabei war es nicht nur um die Punkteteilung auf dem Rasen gegangen (1:1), die er ja im Interview herbeigewünscht hatte.

Vor dem Duell beim TSV 1860 hatte sich der Thüringer als glühender Löwen-Fan geoutet, was ihm einen überaus herzlichen Empfang in Giesing bescherte: „Ich hab mehr Selfies gemacht als in drei Monaten bei Halle.“ Zuvor, bei einem Weißwurstfrühstück im Wirtshaus Hohenwart, war ihm zudem ein Souvenir von hohem ideellem Wert überreicht worden: „Ein Fan mit Kultstatus kam auf mich zu und schenkte mir ein Löwenmaskottchen aus dem Jahr 1967 – das letzte dieser Art, das er besaß.“ Eigentlich hätte Schädlich also allen Grund gehabt, zufrieden zurück nach Sachen-Anhalt zu reisen. Doch natürlich fühlt er sich von Amts wegen dem HFC verpflichtet, liebt überdies den schönen Fußball – und war deswegen irgendwo auch ernüchtert.

„Leider hat der Schiedsrichter das Spiel kaputt gepfiffen“, klagte Schädlich einen Referee an, dessen Name zu diesem Nachmittag passte. Justus Zorn, 28, aus dem badischen Opfingen hatte in der Tat erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Partie genommen, viele seiner Entscheidungen waren so schräg wie die Freistoßlinie, die er kurz vor Schluss auf den Rasen sprühte. Er dezimierte früh die Gäste (Rote Karte gegen Toni Lindenhahn/21.), benachteiligte die Löwen, indem er ein reguläres Tor von Phillipp Steinhart nicht ankannte (45.). Dazu pfiff er drei Elfmeter, die für reichlich Diskussionsstoff sorgten.

Mindestens zwei dieser Elfmeter waren fragwürdig. Jener, den ein Hallenser mit dem bemerkenswerten Namen Bentley Baxter Bahn zum 0:1 verwandelte (41.), nachdem Drittliga-Debütant Eric Weeger Leichtgewicht Manu gefoult haben soll. Auch der Strafstoß, den Steinhart zum 1:1 ins Netz trat (67.), war zweifelhaft und roch nach Konzession. Stefan Lex war zwar K.o. gegangen und zog sich einen Brummschädel zu, doch Halle-Keeper Kai Eisele hatte sein Knie bereits in der Luft, als der eingewechselte und danach sofort ausgewechselte Stürmer in ihn reingerannt war. „Witzelfer“, schimpfte Halle-Trainer Torsten Ziegner, der spät auch noch auf die Tribüne verbannt wurde.

Selbst der erste Strafstoß des Spiels erhitzte die Gemüter. Der Pfiff an sich ging in Ordnung; den zusätzlichen Platzverweis gegen Lindenhahn, der Adriano Grimaldi umgerissen hatte, fand jedoch nicht nur Halle-Boss Schädlich übertrieben. Sascha Mölders, der bei seiner Ausführung von Bierbecher- und Klorollenwürfen irritiert wurde, wirkte geknickt, suchte die Schuld aber mannhaft bei sich. „Ich glaub, wenn der drin ist, gewinnen wir das Spiel“, sagte er.

Am Ende waren jedenfalls beide Lager verstimmt, beide fühlten sich benachteiligt, was Halles Trainer deutlicher aussprach als Daniel Bierofka („Möchte nichts zum Schiedsrichter sagen“). „Ich bin immer noch ein bisschen aufgewirbelt“, sagte Ziegner: „Schiedsrichter sind dafür da, ein Spiel zu leiten – und nicht zu entscheiden.“ Seiner Meinung nach sei Halle „um den Sieg betrogen“ worden.

Laut Schädlich litt das Spiel darunter, dass die dezimierten Gäste frühzeitig in den „Fighter- und Schauspielermodus übergangen waren“. Die zerfahrene Partie, in der sich die Löwen in Halles 4-4-1-Bollwerk festgerannt hatten, passte so gar nicht zu seiner Grundstimmung. „Mit dem Unentschieden kann ich leben, aber ich bin ein bisschen verärgert, dass man junge Leute ansetzt, die dann so einen Mist pfeifen.“ Die Folge, griffig zusammengefasst: „Beide Teams sitzen bedröppelt in der Kabine, der Sportchef dreht am Rad, der Trainer ist beleidigt . . .“ Er selber werde trotzdem gerne nach München zurückkommen.

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