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Sven Bender: „Sechzig boxt sich immer raus“

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Beim Nationalteam gelandet – und stolz darauf: Sven Bender (20). © dapd

Mainz – Und wieder steht ein ehemaliger Münchner Löwe vor einer Nationalmannschaftskarriere: Sven Bender nun Dortmunder, darf mit seiner Premiere rechnen. Dabei denkt er auch seinen Ex-Klub:

Sven Bender, in Deutschland spricht man von den fünf Nationalspielern, die Dortmund geschaffen hat. Doch wenn wir es genau nehmen: Es sind vier. Sie gehören zwar dem DFB-Kader an, Ihr Debüt fand aber noch nicht statt. Also: Fühlen Sie sich als Nationalspieler?

Nein, weil ich noch keine Minute gespielt habe. Doch ich fühle mich wohl und gut aufgenommen, es sind alles Superjungs hier.

Beim Spiel gegen Italien, in Ihrem Stadion, in Dortmund, sind Sie da nicht auf Kohlen gesessen, ob der Bundestrainer Sie bringt? Und waren Sie enttäuscht, dass er Sie nicht eingewechselt hat?

Nein. Es war die erste Berufung, und ich war froh, dass ich die paar Tage mitnehmen und reinschnuppern durfte. Es hat mich stolz und glücklich gemacht.

Hat Joachim Löw Ihnen verraten, wie er Ihre Perspektive sieht?

Er hat im Gespräch verdeutlicht, wie bei der Nationalmannschaft gespielt wird und was sich hier vom Verein unterscheidet – das war der Schwerpunkt. Der Trainer hat mir auch gesagt, dass er mich aufgrund meiner Leistungen eingeladen hat und nicht, weil ich Spieler von Dortmund bin.

Wenn man über Sie spricht, muss man auch über Ihren in Leverkusen tätigen Zwillingsbruder Lars sprechen. Es heißt: Lars ist der etwas offensivere, Sie sind der etwas defensivere Mittelfeldmann. Früher stand Lars darum etwas mehr im Fokus. Sie sind jetzt aber näher an der Nationalmannschaft dran. Haben Sie das Bruderherz überholt?

Für uns beide war nie ein Thema, es aufzuteilen, wer offensiver oder defensiver ist. Wir haben unsere Position stets als identisch wahrgenommen. Dass ich jetzt mehr im Fokus bin, mag mit Dortmund zu tun haben und dass ich mehr Einsatzminuten habe als Lars in Leverkusen. Aber wenn Lars bei Bayer spielt, ist er auf Augenhöhe, in den Europacupspielen sogar vorne.

Und ein Bender wird Deutscher Meister, das ist ziemlich sicher.

Ich hoffe natürlich, dass ich es sein werde. Wir haben in Dortmund eine sehr gute Saison gespielt und hätten den Titel verdient. Ich gönne Lars aber ebenfalls den Erfolg und wünsche ihm, dass er sich direkt für die Champions League qualifiziert.

Bei aller Brüderlichkeit stehen Sie zueinander in Konkurrenz.

Aber es ist nicht so, dass wir darüber sprechen. Wir können beide die Tabelle lesen und wissen, wie viele Spiele es noch sind. Wenn wir die Zeit haben, nutzen wir sie, um über andere Dinge zu reden.

Sie könnten sich auch in der Nationalmannschaft als Rivalen in die Quere kommen.

Soweit denke ich noch nicht. Erst einmal wünsche ich Lars, dass er auch die Erfahrung macht, hier reinzukommen.

In der Bundesliga sind Sie sich schon begegnet.

Das war genial, dass wir bei einem Topspiel dabei waren, das wir früher im Fernsehen bewundert haben. Als Kind träumst du davon, und dann steht auf der anderen Seite noch dein Bruder. Und wir haben direkt gegeneinander gespielt. Lars halblinks, ich halbrechts.

Haben Sie mit Lars das Trikot getauscht?

Er ist kurz nach der Halbzeit ausgewechselt worden, ich habe ihn am Schluss gesucht, er war aber nicht aufzufinden, da habe ich mein Trikot einem von Leverkusen mitgegeben und gesagt: „Bring das bitte meinem Bruder.“ Seines habe ich mir dann schon noch geholt.

Haben Lars und Sie sich mit der Geschichte berühmter Zwillingsbrüder im Sport auseinandergesetzt und geschaut, ob es da mehr gibt als die Altintops im Fußball oder die schwedischen Eishockeyspieler Daniel und Henrik Sedin, die die Stars der Vancouver Canucks in der NHL sind?

Im Sport gibt es nicht allzu viele. Man sieht aber im Fernsehen manchmal normale Brüderpaare, die miteinander auftreten. Wer hat Werbung für die Milchschnitte gemacht? Die Huber-Buam, davor die Klitschkos. Für uns ist das sehr interessant, zu sehen, was geht. Wir wollen auch so erfolgreich werden.

Sie und Lars sind mit 17 in den Profifußball gekommen, schon früh war die Rede von den hochbegabten Benders. Doch Karrieren können auch anders verlaufen wie die des Bayern-Spielers Thomas Müller, der viereinhalb Monate jünger ist als Sie, mit 19 noch unbekannt ist, aber mit 20 WM-Torschützenkönig. Wenn Sie das sehen, haben Sie dann das Gefühl, selbst was falsch gemacht zu haben?

Lars und ich, wir können uns überhaupt nicht beklagen, über fünf Jahre ist unsere Entwicklung gut verlaufen. Thomas Müller spielt eine ganz andere Position, er ist explodiert und hatte diesen Erfolg zurecht. Ich habe größten Respekt vor dem, was er geleistet hat.

Wir müssen auch über Ihren Ex-Verein TSV 1860 reden. Dem geht’s wohl schlecht wie nie.

1860 war ein langer Teil meines Lebens, deswegen schaue ich da natürlich hin. Bisher hat Sechzig sich immer rausgeboxt, irgendwas wird schon gehen. Ich kenne es nicht anders.

Inwieweit berührt es einen Spieler überhaupt, was in einem Verein hinter den Kulissen los ist?

Man beobachtet sicher nicht jede finanzielle Situation in einem Verein, aber im Fall von 1860 muss man sich interessieren, weil es existenzbedrohend ist.

Spürten Sie in Ihrer Zeit bei den Löwen, wie knapp es da manchmal herging?

Man hat mitbekommen, dass der Verein ziemliche Probleme hat und es immer wieder eine neue schwierige Situation gab, wenn man sich gerade aus einer befreit hatte. In der ganzen Zeit, wo ich bei 1860 war, gab es wenig Ruhe.

Bei 1860 wurden Sie und Lars regelrecht weggesperrt. Bevor Sie nicht volljährig waren, durften Sie keine Interviews geben. Eine sinnvolle Maßnahme – oder übertriebene Gluckenhaftigkeit?

Im Nachhinein war’s gar nicht schlecht, um reinzukommen und den Kontakt mit den Medien erst langsam aufzubauen. Als junger Spieler ist man oft zu emotional. Und als wir 18 waren, hat sich das erledigt, wir durften sprechen.

Günter Klein

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