TSV 1860: Fans und Legenden verteidigen Mölders

„Sascha war schon immer mehr Ailton als Ronaldo“

Seitfallzieher von Sascha Mölders alias Wampe von Giesing.
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Plauze schützt vor Toren nicht: Sascha Mölders, vorige Saison mit 22 Treffern als „Wampe von Giesing“ gefeiert.

Einst war er ein Topstürmer, doch mit seinem Mölders-Bashing schoss Olaf Bodden ein Eigentor. Ein Profi mit „Plauze“? Für unsere Befragten kein Widerspruch.

Die Diskussion über sein Alter hat Sascha Mölders vergangene Saison auf seine Weise beantwortet. Der Löwen-Kapitän schoss einfach noch mehr Tore als sonst: 22 waren es am Ende – das reichte für den 36-Jährigen, um sich Ende Mai als bester Spieler der 3. Liga und ältester Torschützenkönig im deutschen Profifußball feiern zu lassen. Es gab sogar eine Petition, dass der Kultlöwe mit zu Olympia muss.

Neu für den alternden Torjäger ist, dass seit Samstag ähnlich leidenschaftlich über seine Leibesfülle gesprochen wird, angestoßen durch Olaf Bodden, einen seiner Vorvorvorgänger im Sturm des TSV 1860. Wörtlich sagte Bodden, 53, in einem Radiobeitrag des BR: „Wenn man ehrlich ist – so eine Plauze hat im Profifußball nicht viel zu suchen.“ Eine Aussage, die natürlich nicht unkommentiert blieb. Ivonne und Gerd Mölders, die Ehefrau und der Vater des Torjägers, waren mit die Ersten, die sich in die Diskussion bei Facebook einbrachten (wir berichteten) und die selbst ernannte „Wampe von Giesing“ verteidigten. Auch wir haben uns umgehört – und zeigen, wie Ex-Stürmer und sonstige Kultlöwen, Fans und Kabarettisten über die Bodden-Breitseite denken.

Benny Lauth (Stürmerlegende des TSV 1860, Schütze des Tor des Jahres 2002, fünfmaliger Nationalspieler): „Da hat sich der Olaf ordentlich in seiner Meinung vergriffen. Vor drei Monaten hat Sascha Mölders noch jede Drittligawahl gewonnen – da kann man doch jetzt nicht hergehen, und sagen, er sei zu dick! Das passt nicht. Aber so ist es halt heutzutage. Solche Aussagen kommen schnell, ziemlich oft ist das unfair – und in dem Fall ist es absolut unangebracht, ihn jetzt dafür zu kritisieren. Ich sehe es so, dass jeder Stürmer Phasen hat, wo er mal nicht trifft – der Sascha wird ja auch nicht jünger. Man konnte sich über viele Jahre auf ihn verlassen – da wären jetzt auch andere mal mit Toren gefragt.“

Stefan Aigner (Ex-Kapitän der Löwen): „Ich hab schon viele Spieler gesehen, die vielleicht nicht die Topfigur hatten, aber trotzdem ihre Leitung gebracht haben. Ob jetzt einer eine Wampe hat oder einen Waschbrettbauch – das spielt doch gar keine Rolle. Letztes Jahr haben noch alle über Sascha gestaunt und seine 22 Tore gefeiert – damals wurde die Wampe von Giesing Kult, jetzt sieht man nur noch die Wampe. Das sagt, glaube ich, alles.“

Aaron Berzel (mit Sechzig 2018 in die 3. Liga aufgestiegen): „Ich denke, am Ende des Tages ist es egal, wie die körperliche Verfassung ist – es kommt immer auf die sportlichen Qualitäten an. Ob jetzt einer drei Arme hat oder einen dickeren Bauch – darum geht es nicht. Ich glaube, die letzten Jahre hat Sascha unter Beweis gestellt, was er drauf hat – und auch da war sein Bauch schon deutlich vorhanden. Es muss nicht sein, dass man jetzt so eine Diskussion anstößt. Wer Sacha kennt, der weiß aber, dass das jetzt genug Ansporn für ihn ist, den oder die Kritiker Lügen zu strafen.“

Thomas Miller (Aufstiegsheld und Kultverteidiger): „Es ist doch vollkommen wurscht, ob einer 18 ist oder 38, ob er dick ist oder dünn. Bei mir geht’s nicht nach Alter oder Gewicht, sondern nur nach der Leistung auf dem Platz. Dass es gerade nicht läuft, hat andere Gründe. Die Mannschaft hat das letzte Jahr im Kopf, wo es super gelaufen ist. Sie haben der Aufstiegschance nachgetrauert – und das wird halt gnadenlos bestraft. Aber: Man sieht ja, dass das Potenzial da ist. Selbst gegen Zwickau haben sie in den ersten 20 Minuten sehr gut gespielt. Die Mannschaft ist gut, sie ist eingespielt – sie müssen nur ruhig bleiben. Auch die Stürmer – die machen ihre Tore schon wieder. Ich sehe das nicht so schwarz wie andere. Und ich habe die Saison auch noch lange nicht abgeschrieben. Das geht so schnell in dieser engen Liga – wenn du mal vier Spiele hintereinander gewinnst, dann bist du wieder vorne dabei.“

Helmut Erdmann (eingefleischter 1860-Fan und Chef der Privatbrauerei Aying): „Was für ein unnötiger Kommentar! Ich glaube sogar, dass der Mölders letztes Jahr ein gutes Stück gwamperter war, dass er abgenommen hat. Vielleicht braucht er die Wampe sogar, um seine Tore zu machen (lacht). Auf mich wirkt er diese Saison austrainierter – er ist halt ein Jahr älter geworden. Ein bisschen ist das aber typisch für unsere Gesellschaft: Dass man gebrandmarkt wird, wenn man nicht irgendeinem Ideal entspricht. Der Mölders war doch schon immer mehr Ailton als Ronaldo. Mein Tipp an ihn wäre: Wieder mehr essen und auch aufs Bier nicht verzichten. Letzteres sowieso nicht, denn wie jeder weiß, ist Bier kein Dickmacher. Die Mär vom Bierbauch ist längst überholt (schmunzelt).“

Michael Altinger (1860-Fan und Kabarettist): „Ich sage: Dem Bauch eines Fußball-Gottes wird nicht gespottet, sondern gehuldigt. Und wenn er demnächst wieder seine Tore schießt, dann bringe ich ihm persönlich drei Leberkassemmeln vorbei.“

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