Neuer Löwen-Coach im Interview

Bierofka-Nachfolger Köllner: „Am Ende machen eh die Spieler die Taktik“

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1860 München stellt neuen Trainer vor.

Michael Köllner ist der neue Trainer beim TSV 1860 München. Der Bierofka-Nachfolger hofft auf eine sorgenfreie Saison.

  • Nach dem Rücktritt von Kult-Trainer Bierofka übernahm Michael Köllner das Traineramt bei 1860 München.
  • Der neue Trainer geht positiv an die neue Aufgabe.
  • Sein oberstes Ziel ist aber eine „sorgenfreie Saison zu spielen“.

München - Hinter Michael Köllner (49) liegt seine erste Arbeitswoche als Trainer des TSV 1860. In den Tagen seit Montag hat er die Mannschaft kennengelernt, sich der Presse vorgestellt, er hat beim Charity-Abend gelernt, dass an der Grünwalder Straße auch manchmal gelacht wird, denn dass Löwen oft streiten, ist bundesweit bekannt. Zeit also, ein erstes Fazit zu ziehen. Wir trafen uns mit dem Nachfolger von Daniel ­Bierofka und führten das erste Interview in seiner Zeit als Trainer des Drittligisten.

Löwen-Coach Köllner spricht von „Crashkurs“

Herr Köllner, wie haben Sie Ihre ersten Tage an der Grünwalder Straße erlebt?

Köllner: Intensiv. Wie ich es mir vorgestellt habe. Allein bis man alle kennengelernt hat… Emotionales Highlight war sicher der NLZ-Abend mit Michael Altinger. Da waren 400 Leute in der Almhütte, die mit dem Herzen dabei sind. Fans, Ex-Profis, Meisterspieler. Das war für mich ein ähnlicher Crashkurs, wie ich ihn mit der Mannschaft vorhabe. Etwas Besseres kann einem nicht passieren.

Sie hatten angekündigt, sich mit Daniel Bierofka austauschen zu wollen. Gab es inzwischen einen Kontakt?

Köllner: Nein, ich wollte auch nicht proaktiv auf ihn zugehen. Ich weiß ja gar nicht, was der Daniel gerade macht. Das wird sich aber sicher mal ergeben.

Was Bierofka zum Rückzug bewogen hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass sein Frust riesig waren. Hat Sie das nicht nachdenklich gestimmt?

Köllner: Nein. Ich bin ja auch ausschließlich Cheftrainer und nicht für andere Bereiche zuständig. Für mich ist wichtig, dass die Mannschaft intakt ist, dass ich was bewegen kann – beides scheint der Fall zu sein.

Köllner: „Mannschaft funktioniert auch nach Bierofka“

Haben Sie das Gefühl, die Mannschaft ist offen für einen Neuanfang?

Köllner: Das hat sie ja schon in Halle gezeigt. Man konnte erkennen, dass die Mannschaft auch nach Daniel ­Bierofka funktioniert. Die Spieler sind einerseits dankbar, dass sie eine gute Zeit mit ihm verbracht haben. Andererseits wissen sie: Der Verein steht über allem.

Es heißt, Sie seien ein Taktik-Guru und würden gerade nebenbei an einem Buch schreiben. Was ist der Inhalt?

Köllner: Das wird ein Trainerhandbuch werden. Ich bin jetzt 30 Jahre Trainer und lasse da all meine Erfahrungen einfließen – das ist ein relativ breites Spektrum. Mein erstes Buch war ein Fußballbuch für Trainer. Dann kam ein Ratgeber für Spieler und Eltern. Jetzt, mit dem Handbuch für Trainer, liege ich in den letzten Zügen.

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1860-Trainer Köllner: „Am Ende machen eh die Spieler die Taktik“

Wie wichtig ist für Sie die Qualität der Spieler welche Rolle spielt die Taktik?

Köllner: Ich glaube, du kannst mit Taktik viel kompensieren. Du kannst viel von den Schwächen wegnehmen, aber auch Stärken betonen. Was der Kaiser damals gesagt hat: „Gehts raus und spuits Fußball“ – das funktioniert heutzutage nicht mehr. Spieler brauchen eine Leitplanke, aber auch Freiraum. Am Ende machen eh die Spieler die Taktik. Ich versuche nur zusammenzuführen, was sie mir anbieten.

Woher rührt Ihre selbstbewusste Aussage, dass Sie noch schauen wollen, was Richtung Platz drei möglich ist?

Köllner: Leider wurde das Zitat, das ich in einem humoristischen Kontext gesagt habe, vielfach aus dem Zusammenhang gerissen. Oberstes Ziel ist und bleibt, eine sorgenfreie Saison zu spielen, aber natürlich musst du auch eine gewisse Aufbruchsstimmung erzeugen. Jedes Spiel beginnt bei 0:0 – und es muss das Ziel jeder Mannschaft sein, dass sie mindestens 1:0 gewinnen kann. Egal, ob jetzt Paderborn gegen Bayern spielt oder Freiburg gegen Dortmund. Wenn du es schaffst, Stabilität reinzubringen, kannst du auch mal fünf Spiele hintereinander gewinnen. Aber es ist kein Selbstläufer. Ziel bleibt eine stabile und ruhige Saison, damit man relativ frühzeitig planen und sukzessive etwas aufbauen kann.

Interview: Uli Kellner

Auch in Münster gab es einen Trainerwechsel: Marco Antwerpen wechselt von Preußen Münster zu Eintracht Braunschweig. Das berichtet msl24.de*.

*msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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