Teile der Löwen-Fans wollen keine Hilfe des FC Bayern

München - Die Vereinsführung kämpft seit Tagen gegen den finanziellen Kollaps - doch die Anhänger der Löwen lehnen eine Rettung des Clubs offenbar ab.

 “Wir, die Fans des TSV 1860 München, wollen einen Neuanfang“, heißt es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung der “Fanszene 1860“. Am Freitag hatten bereits mehr als 60 Fanclubs die Petition unterschrieben. Sie soll dem “Löwen“-Vorstand auf der Mitgliederversammlung der Fußball-Abteilung am Sonntag übergeben werden.

Schäfer lobt Hoeneß

Bis Mitte kommender Woche müssen die Sechziger acht Millionen Euro auftreiben, um die drohende Insolvenz abzuwenden. Doch für die Fans ist der Traditionsclub schon längst gestorben: “Der Verein ist am Ende und wird nur noch künstlich am Leben gehalten“, heißt es in der Erklärung. 1860 München hänge an “der schäbigen Beatmungsmaschine des FC Bayern“.

Was tuscheln Sie denn da, Herr Hoeneß und Herr Schäfer?

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.) und Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer ... © Sampics
... wurden am Mittwochabend ... © Sampics
... beim Tuscheln ... © Sampics
... auf dem Nockherberg erwischt ... © Sampics
Um was es dabei ging ... © Sampics
... dürfte allen Zeugen klargewesen sein: © Sampics
Die Löwen wollen ihre Haut ... © Sampics
... und die Bayern ihr Geld ... © Sampics
... und natürlich auch ein bisschen den alten Rivalen retten. © Sampics

Der Münchner Stadtrivale organisiere die Rettung, damit der Zweitligist weiterhin die Stadionmiete zahle. Dem Rekordmeister drohen bei einer Pleite der Sechziger Mindereinnahmen in der Allianz Arena von bis zu 50 Millionen Euro. “Solange die Kuh noch Milch gibt, wird sie nicht geschlachtet“, schrieben die Fans.

Die Chronik der Löwen-Rettung 2010/2011

14. Juli 2010: Der TSV 1860 verliert den sogenannten Catering-Prozess gegen den FC Bayern, woraufhin der damalige Geschäftsführer Manfred Stoffers (Bild) zurücktritt. Auch eine Bedingung des FC Bayern, um dem TSV 1860 Schulden zu stunden. © Sampics
17. August 2010: Die finanziellen Probleme beim TSV 1860 sind so groß, dass man Stefan Aigner an den VfB Stuttgart verkaufen will. Die Fans sind empört. © Sampics
31. August 2010: Toni Rukavina steht auf der Transferliste und zum Verkauf. Es gibt kein Interesse am letzten Transfertag, der Serbe bleibt ebenso wie Aigner. © Sampics
19. Oktober 2010: Dem TSV 1860 werden von der DFL wegen unzureichender Informationen bei der Lizenzierung zwei Punkte abgezogen. © dpa
23. Oktober 2010: Dieter Schneider wird anstelle von Michael Hasenstab neuer Vizepräsident und Schatzmeister. © Sampics
29. Oktober 2010: Der TSV 1860 steht unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Angestellten bekamen ihr Gehalt nicht überwiesen. Präsidium, Aufsichtsrat sowie Sponsoren springen helfend ein, die drohende Pleite wird unter der Federführung von Dieter Schneider gerade noch abgewendet. Talent Moritz Leitner (Bild) wird für eine knappe Million an Borussia Dortmund vorverkauft. © Sampics
12. November 2010: Geschäftsführer Robert Niemann (Bild) tritt nach dreieinhalb Monaten zurück, sein Nachfolger wird Robert Schäfer. © Sampics
30. November 2010: Die Profis und die übrigen Angestellten beim TSV 1860 sollen auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. “Es ist ein Symbol dafür, dass alle im Verein den eingeschlagenen Weg der Sanierung mitgehen“, erklärt Geschäftsführer Robert Schäfer. © dpa
Dezember 2010/Januar 2011: In der Wintertransferperiode trennt sich 1860 von neun Profis. Im Bild Mate Ghvinianidze, der in die Ukraine wechselte. © Sampics
14. Januar 2011: Der TSV 1860 erhält von der DFL grünes Licht im Nachlizenzierungsverfahren. Zuvor hatte der Verein auf den letzten Drücker einen Liquiditätsnachweis über 5,3 Millionen Euro erbracht. Der Rest der Saison scheint damit gesichert. Die Verträge von Lauth, Bierofka (Bild) und Király sollen nur verlängert werden, wenn die Spieler ab sofort auf einen großen Teil ihres Gehalts verzichten. © Sampics
7. Februar 2011: Nach dem Rücktritt von Rainer Beeck wird Dieter Schneider neuer 1860-Präsident. “Es ist keine einzelne Kuh, sondern eine ganze Kuhherde, die vom Eis muss“, beschreibt Schneider das “Löwen“-Dilemma. © Sampics
Februar/März 2011: Die große Bankenlösung (zinsgünstiges Darlehen über zwölf Millionen Euro auf drei Jahre) scheitert. © dpa
24. Februar 2011: Der bisherige Hauptsponsor Comarch kündigt an, von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen zu wollen und den bis 2013 geltenden Vertrag schon zum Saisonende zu kündigen. © Sampics
18. März 2011: Der TSV 1860 bestätigt nach Zeitungsmeldungen auf einer Pressekonferenz einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf von acht Millionen Euro. Ansonsten würden dem Klub die Insolvenz und der Lizenzverlust drohen. © Sampics
01. April 2011: Auf den letzten Drücker erbringen die “Löwen“ einen von der DFL geforderten erneuten Liquiditätsnachweis in Höhe von 1,5 Millionen Euro. © Sampics
20. Mai 2011: Nach langem Hin und Her gibt die DFL grünes Licht für den Kooperationsvertrag mit dem Investor Hasan Ismaik. Jetzt gebe es die Chance, “den Verein langfristig in eine gesicherte und erfolgreiche Zukunft zu führen“, erklären Schneider und Schäfer. © dpa
28. Mai 2011: Als letzter Gläubiger stimmt der Berliner Unternehmer Nicolai Schwarzer einem Teilverzicht zu. “Ich verzichte schweren Herzens“, sagt Schwarzer. © Sampics
30. Mai 2011: Der 18 Millionen Euro schwere Kooperationsvertrag wird unterzeichnet - am Ende eines langen Tages voller Verhandlungen. “Es war schon dunkel“, sagt Schneider. © 1860
31. Mai 2011: Die vertraglich vereinbarte Summe ist nach Angaben der “Löwen“ bereits an die DFL weitergeleitet, die diese nach der Lizenzerteilung dem Verein übergeben wird. © Sampics
6. Juni 2011: Der TSV 1860 erhält die Lizenz für die 2. Bundesliga. “Der Lizenzierungsausschuss hat nach eingehender Prüfung festgestellt, dass alle Bedingungen erfüllt wurden“, teilte Harald Strutz, Vorsitzender des Lizenzierungsausschusses, in einer Presseerklärung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit. © dpa

dpa

Hurra, die Löwen sind! TSV 1860 präsentiert neues Auswärtstrikot
1860 München
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