Löwen kämpfen weiterhin um Aufstieg

Steinhart: „Bei Sechzig ist was Gutes und Großes zusammengewachsen“

Schon fünf Mal über ein eigenes Tor gejubelt: Phillipp Steinhart liebt die Offensive.
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Schon fünf Mal über ein eigenes Tor gejubelt: Phillipp Steinhart liebt die Offensive.

Der TSV 1860 München kämpft weiterhin um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Phillipp Steinhart spricht über die Chancen und die Entwicklung bei den Löwen.

München – Phillipp Steinhart ist der Dauerbrenner des TSV 1860. Nur Torwart Marco Hiller und Torjäger Sascha Mölders haben in der laufenden Saison mehr Einsatzminuten gesammelt als der 28-jährige Linksverteidiger. Mit seinem Tor zum 1:0 gegen Dresden eröffnete Steinhart den Löwen die Chance, im Aufstiegsrennen noch einmal anzugreifen. Seinen Vertrag hat er unlängst um zwei Jahre verlängert.

Herr Steinhart, sind Sie bibelfest?

Nicht wirklich. Was kommt jetzt?

Im Matthäus-Evangelium heißt es: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause.“ Wir dachten, das könnte ganz gut zu Ihnen passen.

Ja, es gab Zeiten, wo ich das so erlebt habe. In den Medien und im Umfeld bin ich nicht so aufgefallen und eher kritisiert worden. Aber in dem Geschäft muss man damit leben können, und ich kann das.

Wie stellen Sie’s an?

Indem ich nicht alles lese. Natürlich interessiert mich die Kicker-Note am Montag, aber ich bin keiner, der sich in irgendwelchen Foren rumtreibt und jeden Kommentar sucht. Für mich ist wichtig, was der Trainer und die Familie sagen. Ich neige eher dazu, zu selbstkritisch zu sein.

TSV 1860 hat sich unter Michael Köllner weiterentwickelt

Michael Köllner hat Sie zuletzt über den Schellenkönig gelobt. Mit Ihnen zu arbeiten, sei „ein Traum“. Zu viel des Guten?

Ich finde, dass man schon stolz darauf sein darf, wenn der Trainer so etwas sagt. Ich bin ein guter Arbeiter und versuche in jedem Training, meine volle Leistung abzurufen. Da freut es mich dann auch, wenn ich so ein positives Feedback bekomme..

Wie würden Sie Köllner als Trainertypen charakterisieren?

Er ist grundsätzlich positiv, unheimlich akribisch und detailverliebt. Wir haben uns als Mannschaft bei ihm in allen Bereichen weiterentwickelt, ich speziell in Sachen Taktik und Spielverständnis. Und menschlich liegen wir auf einer Wellenlänge.

Was sagen Sie als selbstkritischer Mensch zu Ihrer Offensivbilanz? Fünf Tore, vier Vorlagen.

Mit den Toren bin ich zufrieden, bei den Assists habe ich einen höheren Anspruch.

In der ersten Drittliga-Saison waren es 13 Stück, in der zweiten immerhin noch acht. Der Trend ... 

Ja gut, die 13 Vorlagen sind natürlich auch deshalb zustande gekommen, weil ich damals noch fast alle Freistöße übernommen habe. Inzwischen teilen wir uns das auf, und ich bin auch mehr als Kopfballspieler gefragt. Trotzdem will ich bei den Vorlagen in den letzten acht Spielen schon noch ein paar drauflegen.

Phillipp Steinhart: „Wir sind eine Einheit, wie ich das selten erlebt habe“

Wie sehr haben Sie die beiden verschossenen Elfmeter gegen Saarbrücken und Halle gewurmt?

Saarbrücken natürlich mehr, weil wir da verloren haben, aber auch der andere hat mich einige Tage beschäftigt. Mittlerweile hab ich’s abgehakt. Und im Totopokal gegen Ingolstadt hab ich ja wieder getroffen.

Aber künftig bleibt Sascha Mölders Schütze Nummer eins?

Ja, so haben wir das jetzt festgelegt. Ich hab’ kein Problem damit.

Noch eine Quizfrage?

Gerne.

Aus der Startelf des Relegations-Rückspiels 2018 zur 3. Liga gegen Saarbrücken standen am vergangenen Samstag bei Anpfiff gegen Uerdingen genau drei Spieler auf dem Feld. Wissen Sie, wer?

(überlegt) Der Sascha, klar, meine Wenigkeit, der Vino (Daniel Wein) . . . nein, halt, der ist ja eingewechselt worden. Ach ja, der Marco (Hiller) natürlich.

Exakt. Ist das der harte Kern, der die Truppe zusammenhält?

Es ist natürlich noch mal ein besonderer Zusammenhalt, aber eigentlich hat sich die Mannschaft komplett gefunden. Wir sind eine Einheit, wie ich das selten erlebt habe. Und deshalb können wir auch mit Rückschlägen umgehen wie jetzt in der Rückrunde gegen Zwickau, Saarbrücken oder Duisburg.

„Wir müssen schauen, dass wir selbst unsere Spiele gewinnen“

Ihr Treffer zum 1:0-Sieg gegen Dresden war entscheidend dafür, dass es im Endspurt tatsächlich noch um was geht für Sechzig. Haben Sie die
Situation beim Tor noch vor Augen?

Klar. Als der Ball von Lexi gekommen ist, bin ich noch einen Schritt gegangen, hab’ kurz nach oben geschaut, die freie Ecke gesehen und gedacht: So, volles Risiko, den hau ich jetzt genau da rein. Danach, das war die totale Ekstase. Und nach dem Schlusspfiff noch mal. Wir waren wirklich komplett kaputt, aber so erleichtert, dass wir die drei Punkte geholt haben. Das war ein ganz wichtiger Step im Rückblick, dass wir gemerkt haben: Wir können ein Spiel auch mit Geduld gewinnen. Der Trainer hat uns das oft gesagt, aber du musst es halt auch machen.

Sechs Punkte sind’s noch auf Ingolstadt. Am Samstag sind Sie vermutlich ein kleiner Bayern-Fan . . .

Das würd ich so jetzt nicht sagen, aber natürlich wär’s mir lieber, wenn Bayern II in Ingolstadt gewinnt als umgekehrt, logisch. In erster Linie müssen wir schauen, dass wir selbst unsere Spiele gewinnen, sonst ist alles andere eh egal. Und Verl wird richtig hart, das ist eine spielstarke Mannschaft, in der Offensive mit ihren Einzelkönnern unberechenbar.

Aufstieg? „Die Rolle des Verfolgers liegt uns“

Was sagt Ihr Gefühl für die Zielgerade?

Dass man uns nicht abschreiben sollte. Die Rolle des Verfolgers liegt uns. Als wir zwischendurch die Gejagten waren, da haben wir nicht so gut damit umgehen können und waren einfach nicht konstant genug, um vorn zu bleiben. Jetzt haben wir eine neue Situation.

Und Sie einen neuen Zweijahresvertrag. Wo wollen Sie mit Sechzig 2023 stehen?

In der Zweiten Liga. Das ist das Ziel, das wir hier alle verfolgen. Bei Sechzig ist was Gutes und Großes zusammengewachsen. Ich identifiziere mich total mit diesem Weg, drum bin ich auch hiergeblieben.

Dann noch eine Fachfrage an den Außenverteidiger: Spielen Sie eigentlich lieber auf der Trainerseite oder gegenüber?

(lacht) Im Grunde ist mir das komplett wurscht, aber im Grünwalder spiel’ ich zurzeit lieber auf der anderen Seite. Das hat aber nichts mit dem Trainer zu tun, sondern mit dem Platz. Drüben ist es einfach nicht so sandig.

(Interview: Ludwig Krammer)

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