1860-Vizekapitän im Interview

„Der Zug ist noch nicht abgefahren“: Stefan Lex über Form, Trainer-Kritik und Löwen-Perspektive

Das Formtief hinter sich gelassen: Löwen-Vizekapitän Stefan Lex (31).
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Das Formtief hinter sich gelassen: Löwen-Vizekapitän Stefan Lex (31).

Stefan Lex spricht im Interview über seine steigende Form, seine Vertragslage und einen überstandenen Zwist mit Michael Köllner.

München – Vom Mitläufer zum Leistungsträger – Stefan Lex hat sein Formtief beim TSV 1860 überwunden. Nach zwei Toren in den jüngsten beiden Totopokal-Spielen gegen Burghausen und Buchbach soll für den 31-jährigen Offensivspieler und sein Team nun auch in der 3. Liga gegen Mannheim der Knoten platzen. Unser Interview mit dem Vizekapitän.

Stefan, wie haben Sie das verlängerte Wochenende verbracht?
Wir waren mit der ganzen Familie in einem Ferienhaus im Bayerischen Wald, das hatte ich meiner Mutter für die nächste Länderspielpause zum Geburtstag geschenkt. Bergwandern ist mit unserem Kleinen noch zu schwierig, aber immerhin haben wir’s auf den Waldwipfelweg geschafft.
Sehr schön. Und eine Steilvorlage: Ist Sechzig schon überm Berg?
(lacht) Das sind wir dann, wenn wir auch in der Liga ein paar Spiele gewinnen. Für den Totopokal gibt’s keine Punkte, trotzdem war der Sieg in Buchbach wichtig für die Moral. Und wir haben wie schon in der Schlussviertelstunde gegen Berlin gezeigt, dass wir unseren Powerfußball aus der letzten Saison noch können, wenn wir uns offensiv was zutrauen.
Sie sind unverkennbar auf dem aufsteigenden Ast. Hat Sie die Kapitänsbinde beflügelt?
Wichtig war zuvor schon mein Tor im Totopokal in Burghausen. In Verl, als ich zum ersten Mal Kapitän war, haben wir uns alle vorgenommen, lauter zu sein. Ich wollte vorangehen, das hat gut geklappt, auch wenn wir am Ende nur 1:1 gespielt haben. Jetzt gegen Berlin war es offensiv schon um einiges besser, das Spiel hätten wir gewinnen können – hintenraus sogar gewinnen müssen.
Wie erklären Sie sich Ihr langes Formtief?
Schwer zu sagen, da hat Vieles eine Rolle gespielt. Ich war am Ende der vergangenen Saison nicht mehr so frisch, in der Vorbereitung hatte ich dann eigentlich ein gutes Gefühl, aber der Start war ziemlich bescheiden. Dazu kamen die öffentlichen Aussagen, ich sei an den beiden verpassten Aufstiegen mit schuld gewesen.
Getätigt von Trainer Michael Köllner, der Sie vor der Saison ungewöhnlich deutlich für Ihren Chancenwucher kritisierte.
Er wollte mich damit kitzeln, aber das war kein Selbstvertrauens-Booster, das hat am Selbstverständnis gekratzt. Wie haben längst darüber gesprochen, alles gut.
Köllner sagte damals auch, dass Ihnen der verschärfte Konkurrenzkampf guttun könnte. Hat er recht?
Ich bin in jedem Training zu hundert Prozent motiviert, mein Engagement hängt nicht von der Konkurrenz ab. Für die Mannschaft sind die neuen Spieler sicher ein Vorteil, weil wir jetzt anders als im letzten Jahr besser auf Verletzungen reagieren können.
Warum tut sich Sechzig in dieser Saison so schwer mit dem Toreschießen?
Es fehlt an der Leichtigkeit und am Spielglück. Letztes Jahr ist Vieles für uns gelaufen, nehmen wir nur das 6:1 gegen Halle, wo wir zur Halbzeit auch 0:2 zurückliegen hätten können. Die locker-leichten Lösungen finden wir bisher zu selten, dazu spielen viele Gegner extra defensiv gegen uns. Berlin war jetzt auf jeden Fall ein Schritt nach vorne.
Alternative Sichtweise: Sechzig hat in der vergangenen Saison deutlich über seine Verhältnisse gespielt …
Nein, aber wir waren über weite Strecken sehr nahe am Limit. Das gilt es heuer zu toppen, dafür wurden die Transfers getätigt. Jetzt gilt es, Boden gutzumachen, den Anschluss nicht zu verlieren. Im Oktober sind noch einige Punkte zu vergeben. Ich bin zuversichtlich, dass der Zug nach oben für uns noch nicht abgefahren ist, auch wenn wir natürlich wissen, dass der Abstand nach unten momentan kleiner ist.
Gegen Mannheim sind zum ersten Mal seit Februar 2020 wieder 15000 Zuschauer erlaubt. Welche Rolle spielt die Kulisse in dieser kritischen Phase?
Wir haben gegen Berlin gemerkt, wie uns die Fans hintenraus gepusht haben, das wollen wir am Samstag wieder erleben – und dazu müssen wir was zeigen. Ich hoffe, wir können nach Abpfiff alle zusammen einen Sieg vor ausverkauftem Haus feiern.
Ihr Vertrag läuft 2022 aus. Wie ist der Stand der Dinge?
Da bin ich ganz gelassen, die Saison geht noch lang. Ich bin wegen meines Alters sicher nicht der Spieler, mit dem zuerst gesprochen wird, aber wir werden uns zur gegebenen Zeit zusammensetzen. Mein Plan ist es, meine Profikarriere bei Sechzig zu beenden. Nach dieser Saison wäre das ein bissl früh.

Das Interview führten Ludwig Krammer und Uli Kellner.

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