Sprung an die Spitze verpasst

Löwen straucheln nach One-Man-Show und „Bomben-Halbzeit“ - Köllner sucht den Fehler im eigenen Team

Merveille Biankadi (l.) im Zweikampf mit Marco Schikora
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Blau gegen Rot: Löwen-Profi Merveille Biankadi (l.) kämpft mit Zwickaus Marco Schikora um den Ball.

Mit einem Erfolgserlebnis über Zwickau hätten die Löwen die Tabellenführung in der 3. Liga übernommen. Stattdessen heißt es nun Wunden lecken. Trainer Michael Köllner hadert mit seiner Mannschaft.

München - Wie sich die Szenen gleichen: Angerannt, lange alles versucht, am Ende verzweifelt. Wie vor acht Tagen gegen Meppen (1:1) jubelten nach 90 intensiven Minuten die ultradefensiven Gäste des TSV 1860. Mit einer überraschenden 0:1-Heimniederlage gegen den FSV Zwickau endete das Winterhoch der Löwen, die in den sieben Spielen seit Mitte Dezember 17 von 21 möglichen Punkten geholt hatten. Nix war’s mit dem Sprung an die Tabellenspitze, für den schon ein mageres Unentschieden gereicht hätte.

„Ich glaube, wir haben uns heute selber geschlagen“, haderte 1860-Coach Michael Köllner bei „MagentaSport“: „Wir haben eine Bomben-Halbzeit gespielt, der Gegner hat nach der Pause mit der ersten Chance das Tor gemacht. Das Spiel haben wir in der ersten Halbzeit verloren.“

TSV 1860 gegen FSV Zwickau: Erste Hälfte wird zur One-Man-Show von Lex

Spielerisch war die 3:0-Gala von Magdeburg der bisherige Saisonhöhepunkt. Was das Thema Dominanz angeht, setzten die Löwen am Sonntag in den ersten 45 Minuten sogar noch einen drauf. Offensiv ließ Köllner sein Team in einer mutigen, sehr variablen 3-1-4-2-Formation antreten. Stefan Lex gesellte sich zu Rückkehrer Sascha Mölders (Gelbsperre abgesessen) in die Spitze und tobte sich nach Herzenslust im Strafraum der Gäste aus.

Die erste Halbzeit geriet zu einer One-Man-Show: Lex aus spitzem Winkel (9., 16.), Lex an die Latte (20.), aus der Drehung (37.), aus dem Getümmel (41.), von der Grundlinie (44.). Unterstützt von einem breiten Mittelfeld schoss der quirlige Stürmer aus allen Lagen, Endstation war aber meist bei FSV-Keeper Johannes Brinkies, der als letzte Absicherung einer Zwickauer Zehn-Mann-Verteidigung fungierte. „Das war wie Handball“, sagte Brinkies vergnügt: „Sechzig um unseren Strafraum herum, wir haben uns reingeworfen und alles wegverteidigt.“

TSV 1860 gegen FSVB Zwickau: Schröter stellt seine Topform unter Beweis

Ganz anders dann die zweiten 45 Minuten: Zwickau stellte um, wagte sich immer häufiger aus der Deckung - und belohnte sich in der 65. Minute durch den Überflieger der letzten Wochen. Einen Schuss von Can Coskun hatte Marco Hiller noch abgewehrt, beim Nachschuss von Morris Schröter war das Tor dann leer (65. Minute). Schröters viertes Tor im drittem Spiel, mit dem die Sachsen ihren eigenen Höhenflug fortsetzten und die Löwen in eine kleinere Sinnkrise stürzten.

Wahrscheinlich ist es auch die zunehmend destruktive Spielweise der Gegner, die die 1860-Führung dazu bewogen hat, noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Der technisch starke Keanu Staude wurde am Freitag als zweiter Winterzugang vorgestellt (nach Merveille Biankadi), am Montag könnte bis zur Deadline um 18 Uhr Nummer drei folgen. Im Gespräch ist der zentrale Mittelfeldspieler Dave Gnaase (24) vom Ligakonkurrenten KFC Uerdingen. Um bis zum Schluss im Aufstiegskampf mitzumischen, kann man nicht genug individuelle Klasse im Kader haben. Weiter geht’s für 1860 am Samstag in Lübeck. Dann vielleicht schon mit Staude. Und mit Gnaase? Sollte der KFC auf einer Ablöse beharren, wohl eher nicht. (Uli Kellner)

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