Neuer Keeper

Steinhauer: Das "Kind" revitalisiert den EHC

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„Ein bisschen Sonnenschein verdient“: Lukas Steinhauer feiert sein EHC-Debüt.

München - Es ist der Lukas-Steinhauer-Effekt: Dank dem 20-jährigen Torwart findet die Mannschaft zu ihrer Identität zurück. Trainer Pat Cortina will sich aber noch nicht festlegen, ob der Keeper DEL-Format hat

Zum ersten Mal hat Lukas Steinhauer, der 20-jährige Torwart, ein DEL-Spiel für den EHC München absolviert – und schon trägt er einen Spitznamen. „The Kid“ – übersetzt: Das Kind. Rick Adduono, der Coach der am Sonntag mit 2:3 nach Penaltyschießen unterlegenen Krefeld Pinguine, hat so über ihr gesprochen: „Congrats to the kid“ – Glückwünsche. „The kid did a great job“ – Lob für die tolle Arbeit im Kasten. „The kid was the difference in the game“ – Lukas Steinhauer als der Mann des Spiels, der Matchwinner für München.

Ja, auf gewisse Weise war er das. Nicht dadurch, dass er die Monsterparaden abgeliefert hätte – es war seine Anwesenheit, die etwas veränderte am Sonntag in der Münchner Olympia-Eishalle. Mit Stammtorhüter Jochen Reimer hatte sich der EHC nach einem Drittel einen 0:2-Rückstand eingefangen, der Nummer-eins-Schlussmann beschloss, seinen Platz zu räumen, er fühlte sich nicht gesund (Münchens Manager Christian Winkler: „Jochen hat eine richtig satte Erkältung“). In der ersten Pause sagte EHC-Trainer Pat Cortina zu Lukas Steinhauer, dem Mann, der diese Saison noch keine Pflichtspiel-Minute absolviert hat: „Steini, you’re in.“ Und von diesem Moment an fühlte sich die Mannschaft in der Pflicht: dem jungen unerfahrenen Mitspieler zu helfen, in die Zweikämpfe mit Krefeld zu gehen, möglichst wenig Schüsse zulassen.

„Einen Weckruf“, nannte Winkler diese Situation. Resultat: Lediglich zwei ernsthafte Schüsse gaben die im ersten Drittel dominanten Krefelder zwischen der 21. und 40. Minute ab. Aus ihrer 2:0-Führung wurde ein 2:2, und als sie im Schlussabschnitt das Münchner Tor schwer unter Druck setzten, stand Steinhauer, „The kid“, seinen Mann.

"Pat" steht NICHT für "Patrick"! Cortina im Mini-Porträt

Pat Cortina ist nicht nur Trainer des EHC Red Bull München, sondern auch Bundestrainer. Wir stellen ihn im Kurzporträt vor © dpa
Voller Name: Pasqualino "Pat" Cortina © sampics
Nationalität: Italo-Kanadier © sampics
Geboren: 4. September 1964 in Montréal © dpa
Bisherige Stationen als Nationaltrainer: Italien, Ungarn © sampics
Bisherige Stationen als Vereinstrainer: HC Varese, AS Asiago Hockey (Italien), Alba Volán Székesfehérvár (Ungarn), HC Innsbruck (Österreich), EHC München © sampics
Größte Erfolge als Trainer außerhalb Deutschlands: 2008 Aufstieg mit Ungarn in WM-A-Gruppe; dreimal ungarischer Meister © sampics
Größte Erfolge in Deutschland: Gewinn des DEB-Pokals, Meisterschaft in der 2. deutschen Eishockey-Bundesliga und Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) jeweils mit dem EHC München © dpa

„Das Wichtigste für mich war: Die Mannschaft hat nach dem ersten Drittel den Kopf nicht hängen lassen. Mit einem 0:2-Rückstand und ohne Jochen Reimer wäre es leicht gewesen, einfach aufzuhören“, sagte Pat Cortina. Sein Kollege Rick Adduono meinte: „Das passiert oft, dass ein Torwartwechsel das Spiel einer Mannschaft revitalisiert.“

Diese Erwartung äußerte auch Andreas Brockmann. Der Tölzer, früher Nationalspieler, mittlerweile Trainer (von 2008 bis Herbst 2011 bei den Nürnberg Ice Tigers), führte für den EHC am Sonntag die Statistik und kündigte gegenüber Manager Christian Winkler zu Beginn des zweiten Drittels die Wende an („Das gibt euch einen Push“).

Dass Brockmann gerade mit dem EHC München zu tun hat, erklärt sich so: Der ERC Ingolstadt hat auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer den EHC-Assistenten Mauricio Mansi angesprochen. Die Sache hat sich mittlerweile erledigt, Mansi bleibt in München. Aber: „Wir hätten ihm die Chance nicht verbaut, die Treppe hochzusteigen“, so Christian Winkler, „für diesen Fall hätten wir an einer Ersatzlösung gearbeitet. Mit Andreas Brockmann.“ Der ist nun zwar nicht Co-Trainer geworden, sagt aber, dass er da sei, wenn der EHC was brauche. Schaden kann diese freundliche Bereitschaft nicht – denn auf alle Fälle benötigen die Münchner kommende Saison einen neuen Trainer, weil Pat Cortina dann ausschließlich Bundestrainer sein wird.

Christian Winkler ist es ganz recht, dass es mit Mansi und Ingolstadt nichts geworden ist. Mansi spielt eine Rolle beim Vorhaben von Chefcoach Pat Cortina, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen nach vier glatten und einer Penalty-Niederlage. Cortina: „Wir müssen unsere Identität wiederfinden.“ Als Team, das einfach und kampfbetont spielt, ein unangenehmer Gegner ist und dadurch seine bescheidenen Mittel kompensiert.

Jochen Reimer wird zum kommenden Wochenende gesund zurückerwartet. „Er ist der beste Torwart der DEL“, sagt Lukas Steinhauer nahezu ehrfürchtig. Seinen eigenen Auftritt beschrieb der Ersatzmann so: „Ich hatte kein Gefühl, ich war einfach fokussiert. Überrascht war ich, dass ich zum Einsatz gekommen bin, denn ich wusste nicht, dass es Reimi nicht gut geht.“ Ein wenig half es ihm, dass er eine Woche zuvor wenigstens mal ein Testspiel absolviert hatte, für den Oberligisten Peiting gegen eine US-Universität, „wir haben 1:4 verloren“.

Pat Cortina will sich noch nicht festlegen, ob Lukas Steinhauer DEL-Format hat: „Da müsste er fünf, sechs Spiele machen, dann kann man sagen, ob er dem Druck standhält.“ Doch fürs erste freute er sich einfach für „The kid“: „Er hat ein bisschen Sonnenschein verdient.“

Von Günter Klein

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