Ex-Bayern-Star über Red Bull Salzburg

Zickler im tz-Interview: "Der Neid ist normal"

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Alexander Zickler wechselte 2005 vom FC Bayern nach Salzburg.

Salzburg - Am Samstag bestreitet der FC Bayern bei Red Bull Salzburg (16 Uhr/Servus TV) sein letztes Testspiel vor dem Rückrunden-Auftakt. Die tz sprach mit Ale­xander Zickler, der 2005 als Spieler vom FCB zu den Bullen wechselte.

Am Samstag bestreitet der FC Bayern bei Red Bull Salzburg (16 Uhr/Servus TV) sein letztes Testspiel vor dem Rückrunden-Auftakt. Die tz sprach mit Ale­xander Zickler, der 2005 als Spieler vom FCB zu den Bullen wechselte und heute als Jugendtrainer bei Red Bull tätig ist, über die Bedeutung des Fußballs für den Brause-Konzern von Gründer Dietrich Mateschitz und den Weg, den die Salzburger einschlagen wollen.

Herr Zickler, ist Salzburg trotz des Investments von Red Bull ein normaler Fußballverein? 

Zickler: Ich glaube, dass Salzburg nicht nur irgendein normaler Fußballverein ist. Hier läuft natürlich alles normal, aber wir haben mit Red Bull schon einen Sponsor, der uns andere Möglichkeiten bietet. Das war von Anfang an der Fall.

Inwiefern?

Zickler: Wer Herrn Mateschitz kennt, der weiß: Wenn er ein Projekt anfängt, ist das keine halbe Sache, sondern dann unterstützt er das zu 100 Prozent. Und so ist es hier auch, es fehlt an nichts.

Das können nicht alle Vereine in Österreich behaupten, oder?

Zickler: Das stimmt schon. Die Mehrzahl der Vereine hat nicht diese Bedingungen und Möglichkeiten wie wir. Da werden kleinere Brötchen gebacken und es wird auf den Nachwuchs gesetzt, weil bei Transfers nicht die Riesenmöglichkeiten da sind. Wir haben das Glück, dass mit Red Bull eine Marke dahintersteht, die uns so etwas ermöglicht. Dennoch sind wir weit von dem entfernt, was in Deutschland möglich ist.

Besitzt der Klub deshalb nicht die größten Sympathien im Land?

Zickler: Ein gewisser Neidfaktor ist da. Aber das empfinde ich als normal, wenn du bessere Möglichkeiten hast als andere. Damit müssen wir umgehen. Aber es geht auch darum, wie man sich nach außen präsentiert. Wenn du deine Privilegien raushängen lässt, dann kommt das nicht gut an. Wir wollen unsere Möglichkeiten nutzen, um den österreichischen Fußball nach vorne zu bringen und international gut zu vertreten.

RB Leipzig genießt in Deutschland auch nicht die höchste Anerkennung.

Zickler: Es ist doch das Gleiche wie in Salzburg. Keine Mannschaft in der dritten Liga hat solche Bedingungen. Da kommt auch Neid auf. Bei Bayern München ist es doch genauso. Da ist der Neid durch den großen Erfolg bedingt. Aber Bayern hat nichts geschenkt bekommen, hat sich alles hart erarbeitet.

Herr Zickler, durch das Red-Bull-Engagement wird häufig von Fußball aus der Dose gesprochen. Ärgert Sie das?

Zickler: Überhaupt nicht. Das ist für uns nicht wichtig. Wir müssen mit unserer Arbeit zufrieden sein und unsere Ziele erreichen. Je besser wir werden, umso mehr Leute finden uns vielleicht gut. Natürlich wird dann auch der Kreis der Neider größer und dann heißt es: Ohne Red Bull würden die das nie schaffen. Doch wenn wir uns mit harter Arbeit gut verkaufen, haben wir alles richtig gemacht.

Geht es Herrn Mateschitz denn nur um den sportlichen Erfolg? Oder spielt die Positionierung der Marke auch eine Rolle?

Zickler: Fußball ist ein Weltsport, wird überall gespielt. Deshalb darf man Mateschitz auch nicht böse sein, dass beide Dinge eine Rolle spielen. Wir haben sportlich die besten Möglichkeiten. Also ist es unsere Aufgabe, die Marke bestmöglich zu präsentieren. Da sind wir in der Verantwortung.

2005 sind Sie zu Red Bull gekommen. Wo steht Salzburg heute?

Zickler: Zunächst war es unsere Aufgabe, Red Bull Salzburg zu positionieren. Das ist national ganz gut gelungen, wir sind viermal Meister geworden und waren immer mindestens Zweiter. Aber wenn man sich die Tradition von anderen Vereinen anschaut, sind wir noch in den Kinderschuhen. Natürlich brauchen wir noch ein bisschen Zeit.

Und wo soll der Weg hingehen?

Zickler: In den vergangenen zwei Jahren hat sich auch bei uns etwas verändert. Wir haben einen Schnitt gemacht und die Mannschaft verjüngt. Wir wollen uns dem modernen Fußball anpassen und eine Philosophie ausgeben, die schönen Offensivfußball garantiert. Ich glaube, da sind wir auf dem guten Weg. Wir geben jungen Spielern wie Kevin Kampl oder Sadio Mané die Chance, sich weiterzuentwickeln. Das große Ziel ist es natürlich, den Sprung in die Königsklasse zu schaffen und sich da mit den ganz Großen messen zu können. Das wird sicher nicht einfach, aber wir müssen uns nicht verstecken. Für den Verein, die Marke und die Zuschauer wäre das eine Riesensache.

Wie kann Salzburg die kritischen Fußballfans von sich überzeugen?

Zickler: Man muss für die Fans anfassbar sein. Wenn man sich permanent versteckt, dann weiß die Öffentlichkeit ja gar nicht, was für Charaktere in der Mannschaft sind. Da erinnere ich mich auch an eine Geschichte: Ich war mal beim Trainingslager von Borussia Dortmund vor Ort, als der BVB in Kirchberg war. Für die BVB-Fans war es auch relativ komisch, als die normal mit mir reden konnten und gemerkt haben: Ja, hoppala, mit dem kann man sich ja ganz normal unterhalten. Das ist ja gar kein arroganter Typ. Mit dem kann man sogar kritische Dinge besprechen, ohne dass es beleidigend wird.

Freuen Sie sich auf den Besuch der Bayern?

Zickler: Absolut. Wir spielen gegen die beste Mannschaft der Welt. Mein Herz schlägt natürlich immer noch für die Bayern. Ich verfolge die Spiele und freue mich über jeden Titel unheimlich. Der FC Bayern und die Mia-San-Mia-Mentalität sind ein gutes Vorbild. Denn es ist eine Kunst, mit Selbstvertrauen und einer gewissen Arroganz guten Fußball zu spielen, aber trotzdem sympathisch rüberzukommen. Das ist gar nicht so einfach. Doch der FC Bayern hat unheimlich viel für den deutschen Fußball getan. So erarbeitet man sich das Stück für Stück.

Interview: Sven Westerschulze

Quelle: tz

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