Heftige Kritik am Bayern-Coach

Mandzukic tritt böse gegen Pep Guardiola nach

Mario Mandzukic, Pep Guardiola
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Kamen offenbar in ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Bayern nicht sonderlich gut aus: Mario Mandzukic (l.) und Pep Guardiola.

München - Mario Mandzuic ist offenbar immer noch nicht gut auf seinen Ex-Trainer Pep Guardiola zu sprechen. Der kroatische Knipser wirft dem Bayern-Coach vor, ihn um die Torjägerkanone gebracht zu haben.

In der Berufswelt fällt bei Trennungen oft der Satz: "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben". Damit ist gemeint, dass man im Nachhinein nicht noch böse Worte über ehemalige Kollegen oder Vorgesetzte verlieren sollte - könnte ja gut sein, dass man irgendwann später noch einmal auf die Dienste des Ex-Kollegen oder -Chefs angewiesen ist. Für Mario Mandzukic scheint dieses Gebot allerdings nicht zu gelten.

Mandzukic: "Guardiola war nicht fair zu mir"

Wie die Bild-Zeitung berichtet, hat Mandzukic in einem Interview mit der kroatischen Zeitung "Sportske Novosti" ordentlich vom Leder gezogen und sich darüber beschwert, wie man beim FC Bayern mit ihm umgegangen sei. Ziel seiner Attacke: Coach Pep Guardiola. "Dieser Mann hat mich enttäuscht. Guardiola war nicht fair zu mir. Ich habe das Beste für die Mannschaft und für Bayern gegeben, hatte es nicht verdient, so behandelt zu werden", übersetzt Bild aus der kroatischen Zeitung den schimpfenden Mandzukic.

Der Kroate hatte im Sommer den FC Bayern im Streit in Richtung Atletico Madrid verlassen. Trotz seiner 18 Tore in der vergangenen Bundesliga-Saison gehörte der 28-Jährige im Saisonfinish zu den Verlierern beim Double-Sieger. Vor dem Pokal-Finale gegen Borussia Dortmund (im Mai 2014 2:0 n.V.) wurde Mandzukic von Trainer Guardiola sogar aus dem Kader gestrichen. "Es war Guardiolas Entscheidung, mich vor dem Finale des DFB-Pokals nicht in den Kader zu berufen", stellt Mandzukic klar.

Mandzukic: Pep wollte nicht, dass ich die Torjägerkanone gewinne

Und dann folgt auch noch eine Unterstellung in Richtung seines ehemaligen Übungsleiters: "Außerdem wollte er - wenn man die Fakten betrachtet - nicht, dass ich die Torschützen-Kanone gewinne. Deswegen ließ er mich am Ende der Bundesliga-Saison nicht spielen. Dieser Titel ist mir nicht wichtig, aber das zeigt, wie respektlos er mir gegenüber war und wie sehr er mich loswerden wollte."

Nach seinem Wechsel 2012 vom VfL Wolfsburg an die Säbener Straße trug Mandzukic in seiner ersten Saison seinen Anteil zum Gewinn des historischen Triples unter Trainer Jupp Heynckes bei. Mit der Ankunft von Guardiola beim FC Bayern wurde es für den kroatischen Stürmer dann allerdings ungemütlicher. "In den ersten Monaten, nachdem er zu Bayern gekommen war, merkte ich, wie sich die Dinge veränderten. Ich habe so hart daran gearbeitet, alle Neuerungen aufzunehmen – aber damit so etwas klappt, müssen beide Seiten guten Willen zeigen", sagt Mandzukic.

Rückblick: Die Double-Saison der Bayern

Nach der Triple-Saison unter Jupp Heynckes tritt Pep Guardiola das schwere Erbe beim FC Bayern an. Von dem spanischen Star-Trainer wird nichts Geringeres als die Verteidigung aller Titel erwartet. Keine leichte Aufgabe. © picture alliance / dpa
Damit dieses Vorhaben gelingt, braucht Guardiola Spieler, die seine Vorstellung von Fußball teilen. Mit dem Satz "Thiago oder nix" bewegt er die Bayern-Verantworlichen dazu, den 23-Jährigen Spanier vom FC Barcelona zu verpflichten. Ein gelungener Transfer, wie sich im Laufe der Saison herausstellt. © picture alliance / dpa
Und auch der erste Titel lässt nicht lange auf sich warten. Die Bayern starten mit einer Revanche für das verlorene "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea in die Saison. Beim Supercup in Prag schlägt man die "Blues" nach Elfmeterschießen 5:4. © picture alliance / dpa
In der Bundesliga spielen die Bayern eine überragende Hinrunde. Ein Highlight war unter anderem der 3:0-Sieg in Dortmund, bei dem ausgerechnet Ex-Borusse Mario Götze das 1:0 erzielte. Insgesamt sicherte sich der FC Bayern mit sechzehn Siegen und einem Remis die Herbstmeisterschaft. © picture alliance / dpa
Auch die Champions-League-Gruppenphase bereitet den Münchnern keine großen Schwierigkeiten. Der 3:1-Auswärtssieg bei Manchester City ist der Beleg für das funktionierende Guardiola-System. Die Citizens haben dem Tiki-Taka der Bayern nichts entgegenzusetzen. Als Gruppensieger zieht der FCB souverän ins Achtelfinale ein. © picture alliance / dpa
Bevor sich die Guardiola-Elf in die Winterpause verabschiedet, steht die Club-WM in Marokko an. Mit Siegen über Guangzhou Evergrande FC und Raja Casablanca sichert sich der FC Bayern den Weltpokal. © picture alliance / dpa
Gut erholt präsentieren sich die Bayern in der Bundesliga-Rückrunde. Die Münchner eilen von Sieg zu Sieg und von Rekord zu Rekord. Das 3:1 gegen Hertha BSC Berlin am 27. Spieltag sichert dem FC Bayern die früheste Meisterschaft aller Zeiten. Bereits im März sind die Münchner für die Konkurrenz aus Dortmund und Gelsenkirchen nicht mehr einholbar. Das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesliga. © picture alliance / dpa
Ein paar Wochen später unterliegen die Bayern mit einer B-Elf 0:1 gegen den FC Augsburg. Die erste Pleite nach 53 Spielen ohne Niederlage. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder ein Spiel in der bundesliga verloren. Doch Rekorde spielen für Pep keine Rolle, die Meisterschaft ist für ihn entschieden. Deswegen schont er seine Stars und rotiert die Startelf regelmäßig durcheinander. © picture alliance / dpa
Zwei Wochen nach der gewonnenen Meisterschaft schaltet der FC Bayern im Viertelfinale der Champions League Manchester United aus. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt haben die Münchner den Rhythmus in der Bundesliga verloren. Auch gegen ManU liegt man 0:1 hinten, dreht die Partie aber durch das schnelle Ausgleichstor. © picture alliance / dpa
Der fehlende Rhythmus macht sich vor allem im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid bemerkbar. Die 0:4-Pleite vor heimischen Publikum ist der bitterste Moment der Saison. Der Traum als erste Mannschaft den Titel in der Königsklassezu verteidigen ist geplatzt. Und plötzlich steht Pep Guardiola und sein Spiel-System in der Kritik. © picture alliance / dpa
Doch die Bayern erholen sich von dem Schock, schlagen nach dem CL-Aus den HSV mit 4:1 und bringen die Bundesliga-Saison zu einem versöhnlichen Ende.  © picture alliance / dpa
Nach dem letzten Spiel (ein 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart) nimmt Bayern-Kapitän Philip Lahm die Meisterschale in Empfang. Die Freude über den "wichtigsten Titel" der Saison ist natürlich riesig. © picture alliance / dpa
Die traditionelle Bierdusche darf bei den Meisterfeierlichkeiten natürlich nicht fehlen. Daniel van Buyten weiht Pep Guardiola in diese Bayern-Tradition ein. © picture alliance / dpa
Eine Niederlage im Pokalfinale gegen den großen Konkurrenten Borussia Dortmund hätte den Bayern die Saison trotz des Meistertitels verdorben. Aber nicht mit Arjen Robben. Der Holländer erzielt in der Verlängerung das wichtige 1:0 für den FCB. Thomas Müller legt kurz vor Schluss das 2:0 nach. Dadurch feiern die Münchner das 10. Double der Vereinsgeschichte!  © picture alliance / dpa
Und Pep Guardiola krönt seine erste Spielzeit als Bayern-Coach mit dem vierten Titel. Kein Wunder, dass er von der kompletten Mannschaft ausgelassen gefeiert wird. © picture alliance / dpa

Er macht klar, dass er eine deutliche Ansage Guardiolas bevorzugt hätte: "Ich hätte es ihm viel höher angerechnet, wenn er zu mir gekommen wäre und gesagt hätte: Hör zu Mario, du passt nicht in meine Vision des Spiels, ich brauche einen anderen Stürmer." Doch dieses Gespräch fand offenbar nie statt, Mandzukic wechselte zum spanischen Meister Atletico.

Aus seiner Zeit in München vermisst der Angreifer vor allem eine Person: Jupp Heynckes. "Ein großartiger Coach und eine große Persönlichkeit", schwärmt er: "Meiner Meinung nach war bei Henyckes alles doppelt so gut, und wenn man sich die Resultate im letzten Jahr anschaut und die Meinung anderer hört, scheint es, als hätten es viele bei Heynckes ebenfalls angenehmer gefunden.“

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