Stahl, Kauffmann und Schromm erzählen von früher

„Der hat mich Tag und Nacht belästigt“ - Anekdoten über den „Spaßvogel“ Julian Nagelsmann

Benjamin Kauffmann (FC Pipinsried, l.) und Dominik Stahl (SpVgg Unterhaching, r.) erinnern sich an ihre gemeinsame Zeit mit dem Spieler Julian Nagelsmann.
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Benjamin Kauffmann (FC Pipinsried, l.) und Dominik Stahl (SpVgg Unterhaching, r.) erinnern sich an ihre gemeinsame Zeit mit dem Spieler Julian Nagelsmann.

Julian Nagelsmann wird neuer Bayern-Trainer, seine Spieler-Laufbahn musste er frühzeitig beenden. Wir haben mit ehemaligen Weggefährten des 33-Jährigen gesprochen.

München - Julian Nagelsmann übernimmt zur neuen Saison den Cheftrainer-Posten des FC Bayern München*. Es ist der bisherige Höhepunkt einer steilen Trainer-Karriere für den erst 33-Jährigen. Im Alter von 29 Jahren übernahm er im Februar 2016 als jüngster Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte die TSG Hoffenheim*. Über RB Leipzig* geht es für den gebürtigen Landsberger nun zum FC Bayern München.

Auch als aktiver Spieler hat Julian Nagelsmann einige prestigeträchtige Vereine in seiner Vita stehen. Über die Jugend des FC Augsburg* kam er 2002 in die U 17 des TSV 1860 München. Dort konnte er sich als Kapitän einen Namen machen. Bis 2006 blieb er bei den Löwen, ehe es Nagelsmann zurück zum FCA zog. Unter Trainer Thomas Tuchel* kam er dort zu vier Einsätzen in der 2. Mannschaft. Doch immer wieder war seine Karriere von Verletzungen durchzogen. 2007 zog er dann die Reißleine und beendete seine Laufbahn mit 20 Jahren, die Gefahr einer Arthrose war zu groß.

Julian Nagelsmanns Spielerkarriere endet nach mehreren Verletzungen früh - Zur aktiven Zeit waren bereits Trainer-Ambitionen erkennbar

Fussball Vorort / FuPa Oberbayern hat mit Nagelsmanns ehemaligen Weggefährten gesprochen. Einer davon ist Dominik Stahl, bei der U 19 des TSV 1860 München spielte er mit Julian Nagelsmann zusammen. Der 32-Jährige erinnert sich noch gut an die gemeinsame Zeit. „Auf dem Platz hat er durch seine fußballerischen Qualitäten geglänzt“, berichtet der heutige Mittelfeldspieler der SpVgg Unterhaching über Julian Nagelsmann* und lobt seinen ehemaligen Teamkollegen: „Er war ein intelligenter Spieler.“ Bereits damals sei ihm sein großes Fußball-Wissen anzumerken gewesen. „Er hat seine Vorderleute - so wie ich es einer war - immer recht gut gecoacht“, erzählt Stahl weiter.

Auch seinem damaliger Trainer fiel Nagelsmanns Sachverstand im Fußball auf. „Er ist oft proaktiv auf uns (das Trainerteam, d.R.) zugekommen. Julian wollte immer verstehen, was wir auf dem Platz machen“, erzählt Claus Schromm. Der 52-Jährige trainierte den baldigen Bayern-Trainer in der U 19 des TSV 1860 München. Heute ist er sportlicher Leiter der SpVgg Unterhaching. „Julian war auf dem Platz ein mutiger Spieler, ein Stratege“, betont auch Schromm die Spielintelligenz seines ehemaligen Schützlings.

„Im Trainingslager war er der Spaßvogel am Tisch und hat da für gute Laune gesorgt. Sein Humor kam sehr gut an.“

Dominik Stahl erinnert sich an die gemeinsame Zeit mit dem Spieler Julian Nagelsmann.

Wie aktuell als Trainer bestach auch der Spieler Julian Nagelsmann durch seinen lockeren Charakter. Nagelsmann habe immer mal wieder einen lockeren Spruch auf den Lippen gehabt, erinnert sich Dominik Stahl. „Im Trainingslager war er der Spaßvogel am Tisch und hat da für gute Laune gesorgt. Sein Humor kam sehr gut an“, erzählt der Hachinger und ergänzt: „Ich glaube, dass ihm diese lockere Art auch sehr gut tut.“

Auch Trainer Claus Schromm kann Stahls Eindruck von Nagelsmanns Charakter bestätigen. „Julian ist ein frecher, entspannter Mensch. Trotz seiner wenigen Einsätze hatte er einen hohen Stellenwert in der Mannschaft“, so der 52-Jährige.

Julian Nagelsmann besticht schon als Spieler durch seine lockere Art - „Er ist ein Menschenfänger“

Auch Benjamin Kauffmann war Teamkollege von Julian Nagelsmann. Bis 2006 standen beide gemeinsam für die A-Jugend des TSV 1860 München auf dem Platz. Highlight damals war unter anderem ein 3:2-Derbysieg gegen den FC Bayern München um Mats Hummels* und Sandro Wagner. Kauffmann ist noch immer als Spieler beim Regionalliga-Aufstieger FC Pipinsried aktiv. Doch mit Julian Nagelsmann verbindet den 32-Jährigen Pipinsrieder noch mehr, beide besuchten gemeinsam die Fachoberschule. Auch dort fiel er durch seinen Charakter auf.

„Der hat mich Tag und Nacht belästigt“, erinnert sich Kauffmann lachend an die gemeinsame Zeit. „Manchmal dachte ich mir: ‚Juli, jetzt ist aber auch mal gut‘. Aber Spaß beiseite, er kam überall gut an.“ Eine Fähigkeit von Nagelsmann betont Kauffmann besonders. „Julian ist ein lebensfroher Mensch, der die Gabe hat, Menschen zu fesseln und zu packen. Er ist ein Menschenfänger.“ Auf seinem Weg im Fußball-Business habe ihm das sicher geholfen. „Das ist die große Kunst, die Julian beherrscht“, sagt Kauffmann weiter.

„So fröhlich und lustig er neben dem Platz war, so ehrgeizig und verbissen war er auf dem Platz“

Benjamin Kauffmann über Julian Nagelsmanns Charakter.

Doch klar ist auch: Nagelsmanns Erfolg als Trainer war und ist kein Zufall. Wie als Trainer war auch der Spieler Julian Nagelsmann schon äußerst zielstrebig. „So fröhlich und lustig er neben dem Platz war, so ehrgeizig und verbissen war er auf dem Platz“, erinnert sich Teamkollege Benjamin Kauffmann, der den Fleiß des künftigen Bayern-Trainers sogar als „unfassbar“ beschreibt.

Auch Nagelsmanns selbstbewusstes Auftreten ist immer wieder Thematik in der Presse. Dominik Stahl berichtet aus der gemeinsamen Zeit. „Sein Selbstbewusstsein hat sich gezeigt, wenn er vor der Gruppe gesprochen hat“, erzählt der Mittelfeldspieler. „Ich glaube, auch als Trainer hat er ja eine große Zielstrebigkeit an den Tag gelegt.“

Ehemalige Kollegen bedauern frühzeitiges Karriereende - Stahl „hätte es ihm natürlich gewünscht“

Claus Schromm bestätigt diesen Eindruck. „Er war schon als Spieler vom Selbstbewusstsein geprägt.“ Nagelsmanns Erfolg als Trainer erklärt sich der heutige Hachinger wie folgt: „Er hat sich nach der Verletzung nicht unterkriegen lassen und es schnell verstanden, umzuswitchen.“ Kaum einer hat es schließlich so früh auf die Trainerbank eines Profi-Klubs geschafft wie Nagelsmann. Trotz des schnellen Erfolgs stellt Schromm klar: „Der Julian ist der Julian geblieben.“

„Man hat schnell gesehen, dass er es ernst meint“, sagt Benjamin Kauffmann über die steile Trainer-Karriere von Nagelsmann. „Man dachte damals schon, dass er mit seinem Ehrgeiz erfolgreicher sein kann, als er das in seiner Spielerlaufbahn sein könnte.“ Das frühzeitige Ende der Spieler-Karriere bedauern seine ehemaligen Kollegen. „Ich hätte es ihm natürlich gewünscht“, sagt Dominik Stahl, um dann schmunzelnd hinzuzufügen: „Aber ich glaube, er ist nicht so traurig über seinen Plan B.“ (Vinzent Fischer) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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