2:5 höchste Heim-Niederlage seit 29 Jahren

Die Demütigung!

"Wir werden wieder aufstehen", kündigte Klinsmann an.
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"Wir werden wieder aufstehen", kündigte Klinsmann an.

München - Erst o’zapft, dann abg’watscht. Nach diesem Spiel schmeckte den Bayern-Fans selbst die beste Wiesn-Mass nicht mehr…

Statt traditioneller Stärke zur fünften Jahreszeit gab’s am Samstag gegen Bremen kollektives Versagen. 2:5 – in Worten: zwei zu fünf – wurde die Klinsi-Elf zum Oktoberfest-Auftakt niedergebügelt. Die höchste Heim-Niederlage seit 29 Jahren. Die erste Pleite in der Allianz Arena nach 20 Spielen. Da flüchtete sich Franz Beckenbauer in Galgenhumor. „Ich beneide dich nicht. Trink doch einfach ein paar Wiesn-Mass heute Abend“, empfahl der Bayern-Präsident bei Premiere Trainer Jürgen Klinsmann, „das ist die einzige Möglichkeit“. Der Kaiser gewohnt locker – seine Mimik verriet jedoch, dass auch ihn dieses Spiel schockierte. Denn die Bayern wurden verhöhnt. Von den Fans mit ironischen „Jürgen Klinsmann“-Sprechchören – und auf dem Rasen von der haushoch überlegenen Schaaf-Elf. Die Bremer rächten sich bitter für die 0:4-Heimniederlage vor gut einem Jahr und sorgten mit dem 5:2 für die Demütigung!

Bayern - Bremen - Die Bayern in der Einzelkritik

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Die Bayern wurden im eigenen Stadion hergespielt. Noch mehr: Sie wurden in der 61. Minute lächerlich gemacht, als sich die Bremer bei einem Angriff den Ball dreimal in Folge mit der Hacke zuspielten. „Die Bayern haben heute alles falsch gemacht. Es gibt so Tage, da brichst du dir den Finger in der Nase“, fasste Franz Beckenbauer zusammen: „Es gibt solche Spiele.“

Eine Erklärung, die den tausenden vorzeitig flüchtenden Fans nicht genügen dürfte. Mehr als vier Gegentore kassierten die Bayern zuletzt am 9. Oktober 1976 – beim 0:7 gegen Schalke, der höchsten Liga-Heimpleite.

Beckenbauer trocken: „Das war eine Blamage. Es ist so viel falsch gelaufen, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Das war ein schwarzer Tag.“ Und es war nach dem Aufschwung der letzten Wochen ein schmerzhafter Tiefschlag für Jürgen Klinsmann. „Das schmerzt natürlich sehr, es tut weh“, gab der Trainer zu. Den kaiserlichen Rat zum Frusttrinken wollte Klinsi aber nicht befolgen: „Ich nehme immer jeden Ratschlag von Franz an, aber diesem werde ich nicht nachkommen.“

Stattdessen wurde die Blamage direkt nach Abpfiff in der Kabine analysiert. 30 Minuten verweilten Vorstand, Trainer und Mannschaft nach dem 2:5 in der Kabine, danach verließen Hoeneß und Rummenigge wortlos das Stadion. Setzte es vom Manager ein Donnerwetter?

Kommentar Luca Toni: „Er brauchte uns nichts zu sagen. Wir wissen alle, dass wir heute schlecht waren.“ Die Spieler standen unter Schock. „Ich weiß nicht, was in diesem Spiel passiert ist. Ich habe einfach keine Erklärung dafür“, meinte Zé Roberto traurig. Kapitän Mark van Bommel angefressen nach dem Spiel: „Was heute passiert ist, darf nicht mehr passieren.“ Seine Hauptkritikpunkte: Die Schwäche nach Standards („Zwei solche Tore nach Freistößen dürfen nicht passieren. Das ist ein generelles Problem“) und der schöngeredete Erfolg von Bukarest. „Wir waren am Mittwoch sicherlich auch nicht gut. Wir haben gewonnen, aber das war nicht überzeugend“, sagt van Bommel über den gefeierten Champions-League-Auftakt. Auch das Fehlen von Franck Ribéry will der Holländer nicht als Ausrede gelten lassen: „Das darf kein Alibi sein. Bei uns darf nicht alles von einem Spieler abhängig sein.“ Der Franzose sah das Debakel auf der Tribüne mit Grauen, während Tochter Hiziya den Bremern applaudierte.

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Der einzige Vorteil für Bayern: Schon am Mittwoch können die Roten im Pokal Wiedergutmachung betreiben. „Man kann immer verlieren, aber es kommt darauf an, wie man auf so ein Spiel reagiert“, meint Philipp Lahm: „Jetzt müssen wir gegen Nürnberg ein Zeichen setzen.“ Speziell für die Fans ist das Pokal-Derby von besonderer Bedeutung. „Wer auf dem Boden liegt, muss aufstehen. Und das werden wir auch tun“, kündigt Klinsi vor dem Duell gegen Nürnberg an: „Wir werden vielleicht noch stärker sein als zuvor.“ Ansonsten könnten die leisen „Ottmar Hitzfeld“-Sprechchöre vom Samstag schnell zum Orkan anschwellen…

Tobias Altschäffl

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Quelle: tz

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