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Nagelsmann wählt andere Taktik: FC Bayern scheidet trotzdem aus

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Von: Michael Haug

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Der FC Bayern München ist im Viertelfinale der UEFA Champions League gegen den FC Villarreal ausgeschieden. Trainer Julian Nagelsmann veränderte seine Taktik - ohne Erfolg.

München - Der FC Bayern München* scheitert im Champions League-Viertelfinale an Villarreal, dem Tabellensiebten der spanischen Liga. Trainer Julian Nagelsmann versuchte es im Rückspiel mit einer anderen Taktik, wurde aber nicht für seinen Offensiv-Mut belohnt: Letztlich bedeutete das 1:1 das Aus in der Königsklasse.

Ein weiterer Rückschlag also - nicht der erste in Nagelsmanns Zeit beim FC Bayern, auch wenn die 0:5-Niederlage im Pokal gegen Gladbach anders zu bewerten ist. Auffällig: Selbst wenn die Münchner mit vielen Siegen an der Bundesliga-Spitze stehen, so wird ihr Spiel seit Monaten von einer defensiven Instabilität begleitet.

Nagelsmann verändert Aufstellung: „No guts, no glory“

Das zur Gewohnheit gewordene 4-2-3-1-System musste gegen Villarreal einer Dreieierkette weichen, eine Variation, die Nagelsmann zum Beispiel im Januar beim 4:1-Auswärtssieg gegen Hertha BSC benutzte. Der Bayern-Trainer ließ Leroy Sané und Kingsley Coman am Dienstagabend als „Schienenspieler“ auf der Außenbahn ran. Eine Entscheidung, die Nagelsmann im Vorfeld als „No guts, no glory“ bezeichnete. Wie mutig war die Aufstellung wirklich? Insgesamt hatte der FC Bayern fünf offensiv- und fünf defensiv-orientierte Spieler auf dem Rasen, eine Zählweise, die Nagelsmann gern anwendet.

FC Bayern: Chancen nach der Halbzeit-Pause

Der FC Bayern schlug gegen die tief stehenden Gäste insgesamt 38 Flanken, den meisten fehlte es an Präzision. Die Offensive des FC Bayern kreierte in der ersten Halbzeit sehr wenig, nur eine Kopfballchance durch Jamal Musiala stach heraus. Immerhin hatten die Platzherren mehr Ballbesitz als im Hinspiel und ließen weniger Konter zu.

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Julian Nagelsmann betet vergeblich: Der FC Bayern ist ausgeschieden. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

In der zweiten Halbzeit funktionierte das Gegenpressing besser, Bayern gewann einige Bälle tief in der gegnerischen Hälfte. Auch die Chancen waren da. In der 51. Minute entschied sich Sané gegen eine Halbfeldflanke, lief Richtung Grundlinie und spielte quer zu Upamecano, der den Ball aus wenigen Metern über die Latte knallte. Nach dem Ausgleichstreffer vergab Thomas Müller einen unbedrängten Kopfball, ebenfalls aus kürzester Distanz.

Nagelsmann erklärt den Ausgleichstreffer: „Gegner braucht nur einen Zehn-Meter-Ball gerade nach vorne spielen“

Villarreal gelang es in der Folge wieder, das Spiel ausgeglichener zu gestalten. Auffällig war das Zeitspiel bei Standardsituationen oder nach Fouls. Nach einer Halbchance in Durchgang eins nutzte der Gast dann seine erste richtig gute Chance. „Ist auch normal, wenn du mit deiner Kette eigentlich die ganze Zeit auf 70 Meter verteidigst. Dann ist im Gegenpressing mal eine Sekunde kein Volldruck. Dann braucht der Gegner nur einen Zehn-Meter-Ball gerade nach vorne spielen, dann ist es immer gefährlich“, ordnete Nagelsmann die Situation ein.

Bezeichnend: Der eingewechselte Torschütze Samuel Chukwueze traf den Ball nicht richtig, streichelte ihn über Bayern-Keeper Manuel Neuer. Leon Goretzka leitete den Konter des gelben U-Boots mit einem Ballverlust ein, Alphonso Davies - kurz zuvor für Lucas Hernandez eingewechselt - hob das Abseits auf.

Bayern scheidet also gegen den absoluten Underdog aus. Eine vergleichbare Konstellation gab es aus Münchner Sicht auf internationaler Bühne nur selten. 2002/2003 musste man in der Königsklasse schon einmal nach der Gruppenphase die Segel streichen. 2008 gab es noch eine Peinlich-Pleite im UEFA Cup, damals setzte es ein 0:4 gegen Zenit Sankt Petersburg. Ansonsten zog der FCB nur gegen wirklich große Namen den Kürzeren. Jetzt brachte Villarreal den Giganten zu Fall. Neben dem Verlust von sportlichem Renommee, entgeht dem FC Bayern durch das Ausscheiden jetzt auch noch eine Menge Geld.

FC Bayern: Nagelsmann sieht Dominanz

„Der Druck war gut, wir haben sehr gut verteidigt“, bilanzierte Nagelsmann, der vor der Saison einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet hat. „Wir haben sie dominiert über weite Strecken“, fand der 34-Jährige. Seine Gesamtbilanz fällt dennoch negativ aus, das Minimalziel Halbfinale wurde nicht erreicht - trotz veränderter Grundordnung.

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