Teil 1 des großen Interviews

Rummenigge verrät seinen allergrößten Bayern-Fehler: „Er war ja kein Trainer im Sinne eines Trainers“

Karl-Heinz Rummenigge stellte sich den Fragen der tz-Redakteure im Online-Interview.
+
Karl-Heinz Rummenigge stellte sich den Fragen der tz-Redakteure im Online-Interview.

Die Ära Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern geht zu Ende. Im großen Interview mit Merkur und tz blickt der Vorstandsvorsitzende auf seine Zeit zurück - und nennt seinen größten Fehler.

  • Karl-Heinz Rummenigges Karriere beim FC Bayern neigt sich dem Ende zu. Künftig ist Oliver Kahn Chef von Hansi Flick.
  • Im großen Interview mit Merkur und tz verrät er, was sein größter Fehler beim Bundesliga-Rekordmeister war, und welche Zeit ihm den meisten Spaß gemacht hat.
  • Mit unserem brandneuen FC-Bayern-Newsletter verpassen Sie nichts, was sich in der Welt des Triple-Siegers tut. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

München - Das Interview findet virtuell statt – aber Karl-Heinz Rummenigge (65) hat sich an die neuen Standards der Arbeitswelt längst gewöhnt. Auch in seinem letzten Amtsjahr als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern geht er mit der Zeit, stets im Blick: Das Wohl des Klubs, den er seit bald 30 Jahren als Funktionär begleitet. Das große tz-Interview.

Herr Rummenigge, der Triple-Traum ist früh geplatzt. Was ist die größere Herausforderung in Ihrem letzten Amtsjahr: die auf dem Platz oder daneben?

Rummenigge: Ich finde ehrlich, dass man mit einem Triple nie wirklich rechnen darf. Das Aus im DFB-Pokal ist trotz unserer Enttäuschung verschmerzbar – wenn man jetzt die richtigen Lehren zieht. Wir müssen in den nächsten Wochen zeigen, dass auch 2021 mehr im FC Bayern steckt. Wir müssen die Zügel anziehen, alle!

Rummenigge über die FC-Bayern-Blamage von Kiel: „Bin fast eingefroren auf der Tribüne“

Immerhin sind es nun vier Spiele weniger...

Rummenigge: Die vier Spiele hätte ich aber gerne gespielt. Ohne Zuschauer ist auch beim FC Bayern jeder Euro herzlich willkommen.

Sie standen beim FC Bayern 30 Jahre lang eher für Nüchternheit. Zuletzt haben Sie regelrecht aufs Feld gebrüllt. Werden Sie im Schlussspurt Ihrer Karriere zum Vulkan?

Rummenigge: In Kiel war ich ruhig, Uli Hoeneß und ich sind fast eingefroren auf der Tribüne. Aber es stimmt schon, dass ich während eines Spiels ziemlich emotional bin, wenn mir etwas nicht gefällt. Wenn ich früher vor 75.000 Zuschauern etwas geschrien habe, hat es niemand mitbekommen. Aber ich bin der Meinung, dass die Spieler schon wissen müssen, dass wir auf der Tribüne registrieren, wie ein Spiel läuft.

FC Bayern/Karl-Heinz Rummenigge: „Die schönste Zeit hatten wir, als Beckenbauer Präsident war“

Als Sie Ihre aktive Karriere beendet haben, haben Sie gesagt, Sie wollen der neuen, moderneren Spielergeneration Platz machen. Ist das als Funktionär ein ähnliches Gefühl?

Rummenigge: Ich werde in diesem Jahr 66 Jahre alt – und irgendwann muss man dazu bereit sein, Platz zu machen. Das ist im Fußball so wie im Management. Wichtig ist mir aber, dass der Klub gut aufgestellt ist. Und ich glaube, das ist durch die Personalien Herbert Hainer, Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic der Fall. Ich wünsche dem Trio genauso viel Erfolg und auch Spaß, wie Uli Hoeneß und ich das hatten.

Was hat besonders viel Spaß gemacht?

Rummenigge: Die schönste Zeit hatten wir hier alle, als Franz (Beckenbauer, d. Red.) Präsident war. Karl Hopfner, Uli und ich haben die Strippen in der Geschäftsführung gezogen und mussten den Laden neu anschieben. Franz hat das Kommando gegeben: Wir brauchen jetzt Kohle, damit wir international wieder eine große Rolle spielen! Dann sind Uli, Karl und ich losmarschiert und haben rangeholt, was ranzuholen war.

Rummenigge: „Man muss im Fußball ein Zwei-Säulen-System haben“

In den 30 Jahren hat sich viel verändert – wo soll der FC Bayern in 30 Jahren stehen?

Rummenigge: So weit kann ich nicht nach vorne schauen. Ich hätte vor 30 Jahren nicht gewusst, was heute alles auf uns zugekommen ist. Es gab kein Handy, im Grunde keinen Computer, keine digitale Welt. Für mich gilt daher: Man muss im Fußball ein Zwei-Säulen-System haben, fünf Jahre blicke ich voraus. Aber die Fans wollen Spielzeit für Spielzeit einen erfolgreichen, schön spielenden FC Bayern erleben. Deshalb musst du kurzfristig und langfristig denken.

Ist die Bayern-Familie in Zukunft realistisch – oder geht es in Richtung Konzerndenken?

Rummenigge: Konzerndenken wäre nicht gut. Es gibt viele Beispiele im Ausland, wo der Fußball schon wie ein Konzern gehandhabt wird. Den FC Bayern hat es immer ausgezeichnet, dass er einen Mittelweg gegangen ist. Wir brauchen auch Geld, um gute Spieler verpflichten zu können und erfolgreich zu sein. Gleichzeitig aber hatten wir immer die Komponenten Tradition und Familie. Es ist wichtig, dass Oliver mit Herbert Hainer, Hasan Salihamidzic und allen anderen Entscheidungsträgern beim FC Bayern diesen Spagat auch in Zukunft bewältigt.

Wenn ein Mann wie Oliver Kahn kommt und Zukunftsprojekte vorstellt – muss man da als Traditionalist schlucken?

Rummenigge: Nein. Denn ich war schon immer ein Mensch, der sich für Neuerungen offen gezeigt hat. Ich hatte in diesem Klub als Erster ein Handy, als Erster einen Computer. Man muss bereit sein, Augen und Ohren offenzuhalten, um auch neue Wege zu gehen. Gleichzeitig aber gilt es das, was gut funktioniert hat, aufrechtzuerhalten. Ganz nach dem Motto: In Bayern dahoam – in der Welt zu Hause. Man darf also auch in Zukunft nicht vergessen: Die Basis ist das, was hier an der Säbener Straße stattfindet.

Rummenigge über Kahn und Salihamidzic beim FC Bayern: „Oliver ist rationaler“

Kahn hält sich öffentlich bisher zurück. Wird er sich da nach Ihrem Ausscheiden präsenter zeigen müssen?

Rummenigge: Oliver war nie einer, der viele Interviews gegeben hat. Und rumgepoltert hat er eigentlich nur auf dem Platz (lacht). Aber die Erfahrung lehrt: Für diesen Verein war es immer wichtig, dass er Köpfe hat, die sich nach außen zeigen. Man muss den Menschen schon auch sagen, was man für eine Meinung hat. Ich bin sicher, Oliver wird das auch erfüllen. Meinungsstark ist er.

Ist Kahn eher der Typ Rummenigge – und Sali­hamidzic der emotionale Bauchmensch Hoeneß?

Rummenigge: Hasan würde ich schon als emotional bezeichnen, und manchmal ist er auch nicht leicht zu stoppen, wenn er mal in Fahrt ist. Aber Emotionen sind ja gut und wichtig. Oliver ist rationaler. Das ergänzt sich sehr gut. Und bei Herbert Hainer muss man sagen: Er kennt die Konzernkultur von Adidas, aber er hat im Schnelldurchgang aufgesaugt, wie der FC Bayern tickt. Es wird spannend, all diese Komponenten zu vereinen, um Dinge anzuschieben, die für den Klub in Zukunft hilfreich sind.

Hoeneß hat gesagt: „Mein größter Fehler war die Entlassung von Jupp Heynckes.“ Was war Ihrer?

Rummenigge: „Mein größter Fehler war die Einstellung von Jürgen Klinsmann“

Rummenigge: Die Einstellung von Jürgen Klinsmann.

Das kam schnell.

Rummenigge: Man muss bereit sein, Fehler zuzugeben.

Erzählen Sie!

Rummenigge: Jürgen Klinsmann und der FC Bayern passten in unserer Klubkultur und unserer Philosophie leider einfach nicht wirklich zusammen. Er war ja kein Trainer im Sinne eines Trainers, er war eher ein Projektleiter. Er hat seinen eigenen Co-Trainer mitgebracht, das war leider sein großes Problem. Wir hätten ihm damals einen deutschen Top-Trainer an die Seite stellen müssen. Ich bin aber der Meinung: Man muss auch Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen. Idealerweise sollte man sie nur nicht wiederholen. - Interview: Hanna Raif und Manuel Bonke

Im zweiten Teil des Interviews spricht Karl-Heinz Rummenigge über die Europameisterschaft, das Festgeldkonto des FC Bayern und potenzielle Manager, die aktuell noch für die Münchner auf dem Platz stehen.

Auch interessant

Meistgelesen

Überraschender Neuer-Nachfolger beim FC Bayern? Effenberg sicher - „Kann nur einen geben“
FC Bayern
Überraschender Neuer-Nachfolger beim FC Bayern? Effenberg sicher - „Kann nur einen geben“
Überraschender Neuer-Nachfolger beim FC Bayern? Effenberg sicher - „Kann nur einen geben“
Jubel-Nachricht vom FC Bayern lässt Müller und sein Pferd frohlocken - „Tolle Entscheidung“
FC Bayern
Jubel-Nachricht vom FC Bayern lässt Müller und sein Pferd frohlocken - „Tolle Entscheidung“
Jubel-Nachricht vom FC Bayern lässt Müller und sein Pferd frohlocken - „Tolle Entscheidung“
Leroy Sané wird nach Bayern-Gala plötzlich ernst - „Nicht nochmal erleben“
FC Bayern
Leroy Sané wird nach Bayern-Gala plötzlich ernst - „Nicht nochmal erleben“
Leroy Sané wird nach Bayern-Gala plötzlich ernst - „Nicht nochmal erleben“
FC Bayern II: Demichelis-Elf greift nach Länderspielen wieder ein - ohne Arrey-Mbi
FC Bayern
FC Bayern II: Demichelis-Elf greift nach Länderspielen wieder ein - ohne Arrey-Mbi
FC Bayern II: Demichelis-Elf greift nach Länderspielen wieder ein - ohne Arrey-Mbi

Kommentare