Legendäre Anekdoten enthüllt

Karl-Heinz Rummenigge: Bruder Michael gratuliert zum Geburtstag - Seitenhieb gegen Hoeneß?

Michael (l.) und Karl-Heinz Rummenigge bei einem Traditionsspiel 2005.
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Michael (l.) und Karl-Heinz Rummenigge bei einem Traditionsspiel 2005.

Michael Rummenigge blickt zum 65. Geburtstag von Bruder Karl-Heinz auf die Vergangenheit. Dabei plaudert er aus dem Familien-Nähkästchen.

  • Er ist einer der wichtigsten Köpfe des FC Bayern München: Karl-Heinz Rummenigge.
  • Am 25. September feiert er seinen 65. Geburtstag - die Rente rückt näher.
  • Sein Bruder Michael enthüllt witzige Anekdoten - und plant sogar einen Scherz mit Salihamidzic.

München - In 15 Monaten ist für Karl-Heinz Rummenigge, den Macher, Schluss an der Säbener Straße. Dann wird der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern den Staffelstab nach fast 20 Jahren an seinen Nachfolger Oliver Kahn übergeben. Bis dahin hat der FCB-Boss noch einiges vor mit seinem Herzensprojekt. Zu Rummenigges 65. Geburtstag am Freitag (25. September) spricht sein Bruder und ehemaliger Mitspieler Michael (56) über den Genießer Karl-Heinz, Pläne für die Rente und den Stellenwert der Familie.

Karl-Heinz und Michael Rummenigge spielten an ihren Geburtstagen Fußball

Herr Rummenigge, wie wichtig sind Geburtstage in Ihrer Familie?
Michael Rummenigge: Das ist ein rundes Jubiläum. 65 Jahre – und wir haben am Montag noch zusammengesessen mit unseren Frauen und gesagt: Wie die Zeit verfliegt, wie sie verflogen ist. Kinder, Enkelkinder, es ist der Wahnsinn, wo die Zeit hin ist, von damals Lippstadt 1974, dann 1981, als ich nach München gekommen bin. Wie schnell das alles gegangen ist. Manchmal glaubt man es nicht – aber es ist halt so. 65, das ist schon ein Wort. Und es ist auch etwas Besonderes. Leider werde ich nicht dabei sein, aber es wird eh keine große Feier. Das wird wieder etwas anderes, wenn er 70 wird.
Wie waren Geburtstage früher im Hause Rummenigge – gab es große Kinder-Partys?
Rummenigge: Eigentlich nicht. Wir haben immer einen Lederball gekriegt, entweder „Adidas Gazelle“ oder „Adidas Uwe Seeler“. Dann gab es einen Nusskuchen von meiner Mutter, der eine oder andere Freund kam. Und dann haben wir wieder Fußball gespielt. Wie immer (lacht). Das war nichts Großes früher – man wurde halt ein Jahr älter.

Karl-Heinz Rummenigge wünscht sich noch einen Champions-League-Titel zur Rente

Alter ist ein gutes Stichwort: Macht sich Ihr Bruder etwas aus Alter?
Rummenigge: Nicht wirklich. Weil er ja auch so eine gewisse innere Ruhe hat. Er hat mir vor Jahren schon mal gesagt: Bei wichtigen Entscheidungen schlafe ich noch mal eine Nacht drüber, auch mal zwei, um nachzudenken. Früher hatte er mehr Emotionalität in seinem Handeln, das hat er heute nicht mehr. Wir sind auch alle altersmilde geworden. Ruhiger, nachdenkend. Es gibt ja auch für alles Lösungen, wenn man die Ruhe bewahrt. Und Karl-Heinz ist ein Genießer geworden. Beim Essen, beim Trinken, natürlich in Maßen.
Auch bei der Zigarre nach großen Siegen.
Rummenigge: Die gehört auch dazu. Und da muss ich sagen: Was mich für ihn ganz besonders gefreut hat – jetzt, wo er nur noch ein Jahr und drei Monate im Amt hat –, dass er mit und für den Klub noch mal das Triple gewinnen konnte. Das ist eine tolle Geschichte. Und er sagt schon jetzt: Wir wollen die Champions League nächstes Jahr noch mal gewinnen. Das ist ja auch möglich! Wenn man sieht, was die Mannschaft und das Umfeld gerade leisten, das ist schon unglaublich. Das war noch mal ein Traum für ihn. Da schließt sich auch ein schöner Kreis.
Da geht es sich auch leichter in Rente.
Rummenigge: Womöglich. Ich habe ihn auch zuletzt gefragt: Was machst du denn am 1. Januar 2022 eigentlich? Ein paar Wochen zu Hause sein, nach Sylt fahren? Ich sagte: „Du kannst dich doch nicht sechs Monate in den Strandkorb setzen!“ Aber er will erst mal runterkommen, mit seiner Frau, er ist ja sein Leben lang unglaublich viel unterwegs gewesen, bis heute. Und es sind viele Enkelkinder da. Es gibt keine konkreten Ziele. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass er erst mal seinen Job noch voll durchzieht. Bis zum letzten Tag im Sinne des FC Bayern.
Die Brüder Rummenigge (l. Karl-Heinz, r. Michael) beim Gewinn des DFB-Pokals 1984.
Und dann wird er Fan?
Rummenigge: Ich glaube nicht, dass er dann nicht mehr ins Stadion geht, man wird ihn schon noch sehen. Alle Reisen wird er nicht mehr machen, aber bestimmt einige. Auch wenn er dann nicht mehr Entscheidungsträger ist.
Wird ihm diese Rolle fehlen?
Rummenigge: Ich war am Montag zufällig an der Säbener Straße, habe ganz kurz mit Oli Kahn sprechen können – und der hat gesagt: „Da kommt schon einiges auf einen zu.“ Was Karl-Heinz leistet, ist wirklich enorm. Und ich glaube auch, dass es nicht ganz einfach sein wird, loszulassen. Aber irgendwann muss man abgeben, muss man auch abgeben können. Obwohl er körperlich und geistig noch topfit ist. Ich bin gespannt, wie er das vom Kopf her bewerkstelligt. Er wird mitfiebern, sich denken: Ach, das würde ich jetzt so oder so machen. Aber er wird sich nicht mehr einmischen. Wie manch anderer.

Oliver Kahn wird Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge - Er hat das Bayern-Gen (Video)

Michael Rummenigge verrät die Tricks von Bruder Karl-Heinz für ein langes Leben

Was ist das Geheimnis dieser ewigen Jugend?
Rummenigge: Er trainiert ja noch, wie ich auch. Er isst vernünftig, ausgesuchtes Fleisch. Und wissen Sie, was am wichtigsten ist? Das habe ich erst am Montag wieder festgestellt.
Sagen Sie es!
Rummenigge: Wir lachen viel. Und laut. Über die Kinder, die Enkel, jeden Blödsinn. Und wir haben auch viel Blödsinn im Kopf.
Erzählen Sie!
Rummenigge: Erst neulich habe ich mit Hasan Salihamidzic telefoniert – und er sagte: „Michael, du hörst dich wirklich genau an wie dein Bruder.“ Da dachten wir uns: Vielleicht legen wir ihn mal rein mit Verstehen Sie Spaß. Für uns wäre das ein Riesen-Spaß (lacht).
Für Salihamidzic eher nicht...
Rummenigge: Der könnte bestimmt mitlachen. Aber das war ja auch nur ein Beispiel dafür, wie es bei uns zugeht. Wir gehen positiv durchs Leben, Karl-Heinz genießt auch seine freie Zeit mit der Familie sehr. Sein Enkel Dante ist jetzt bei mir in der Fußballschule, da tauschen wir uns regelmäßig aus.

Zum Geburtstag von Kaiser Franz Beckenbauer gab es auch Glückwünsche von Karl-Heinz Rummenigge

Familie war für Karl-Heinz und Michael Rummenigge schon immer wichtig

Er selbst sagte zuletzt, der Junge sei talentiert – und will jetzt den Rabona-Trick lernen.
Rummenigge: Er wird erst acht Jahre, aber spielt schon beidfüßig. Die beiden kicken auch viel im Garten, da geht Karl-Heinz das Herz auf. Und der Kleine hat echt Potenzial, auch für den Rabona-Trick. Das ist ja das Schwerste, was es gibt. Da bricht man sich schon mal die Beine. Ich kann ihn auch nicht, zumindest nicht aus der Bewegung.
Man hört raus: Familie war und ist immer wichtig, oder?
Rummenigge: Schon immer. Bei allen Dingen, die er macht. Es ist wichtig, dass es allen gut geht.
Ist der FC Bayern seine zweite Familie?
Rummenigge: Der Satz trifft es perfekt. Wenn man als Westfale nach Bayern kommt, ist das nicht ganz einfach. Selbst wenn er mal weg war: Er ist immer wieder zurückgekommen. Das Haus haben sie nie verkauft. Aus gutem Grund. Jetzt ist er schon seit 20 Jahren Vorstand bald. Er ist einer der größten Persönlichkeiten im Fußball. Wenn mich in der Fußballschule Kinder fragen, wie mein Bruder so war, sage ich: wie heute Cristiano Ronaldo. Und dann kam die Karriere als Funktionär hinterher.
…die auch von Erfolg gekrönt war.
Rummenigge: Über diese vielen Jahre in diesem Business. Natürlich mit Höhen und Tiefen – da denke ich an die „Grundgesetz“-Pressekonferenz. Fehler macht jeder, aber Karl-Heinz hat sie klein gehalten. Da muss man schon den Hut vor ziehen. Und auch sagen: Da gibt es im Weltfußball keinen anderen. Vielleicht Franz Beckenbauer, als Trainer Johan Cruyff. Viel mehr sehe ich nicht.
War ihm das Geschäftsmann-Dasein auch in die Wiege gelegt?
Rummenigge: Mein Bruder und ich sind ja acht Jahre auseinander, aber ich war immer dabei beim Fußball. Und er hat auf der Straße – auch wenn es schon lange dunkel war – so lange gespielt, bis er gewonnen hat. Das hat sich in seinem ganzen Leben so durchgezogen. Selbst wenn wir später am Strand gespielt haben, sagte er: „Moment, wir spielen noch.“ Schluss war erst, wenn er gewonnen hatte. Dieser Wille hat sich durchgezogen. Und dann kommst du zu einem Verein wie dem FC Bayern, wo der zweite Platz der erste Verlierer ist. Das wurde ihm schnell eingebläut – und er hat es als Aktiver und Funktionär fortgesetzt. Das ist ein Charakterzug, von dem alle profitieren.

Nach dem Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 gab es viele Vorwürfe gegen den Bayern-Vorstand.

Für Michael war Karl-Heinz Rummenigge das große Vorbild

Auch Sie kamen dann nach München – und haben sich immer mit ihm verglichen. War das eine Last?
Rummenigge: Ich wurde mit ihm verglichen, ich habe das nicht selbst gemacht. Er war mein großes Vorbild. Ich war technisch ein super Spieler, aber nicht so schnell wie er. Als wir dann im Sturm spielten, wurden wir immer verglichen. Gleiche Bewegungsabläufe, gleiche Stimme. Der Vergleich hinkte aber. Da war ein Weltstar – und ein Lehrling in der Bundesliga. Ich muss eigentlich Udo Lattek dankbar sein, dass er das damals so gut geregelt hat. Es war für mich einfacher, als Kalle zu Inter Mailand ging. Da konnte ich mich bei Bayern freischwimmen.
Haben Sie nicht auch von ihm profitiert?
Rummenigge: Enorm. Er hat mich immer rangenommen, auch kritisiert, mir gesagt, was ich besser machen kann. Ein besseres Vorbild konnte ich nicht kriegen. Später hat er dann meine Verträge gemacht. Auch 1991/92, als mein Vertrag in Dortmund auslief. Er war der beste Berater für mich, hatte alles vor mir schon erlebt. Das war natürlich irgendwie lustig, dass er – damals schon Vizepräsident beim FC Bayern – mit dem BVB meinen neuen Vertrag ausgehandelt hat. Das hat alles immer wunderbar funktioniert. Es blieb in der Familie – und ich musste keine Provision zahlen (lacht).
Beim Pokalfinale 1984 hat er Sie selbst als letzten Elfmeterschützen ausgesucht. Das war auch eine Art Prüfung, oder?
Rummenigge: So kann man es sagen. Unter den ersten fünf Schützen war ich nicht, ich hatte die Schuhe schon aus. Er hat den entscheidenden Elfer gemacht, damit es weiterging. Dann kam er zu mir, als Norbert Ringels von Gladbach sich den Ball holte. Er sagte: „Wenn der jetzt verschießen sollte, rennst du hin und schießt.“ Ich fragte: „Weiß der Udo (Lattek/Anm. d. Red.) das schon?“ Er sagte: „Das ist mir egal.“ Ringels schoss tatsächlich an den Pfosten. Also musste ich. Sie glauben gar nicht, wo mein Herz hing. In den Kniekehlen. Aber es ist gut gegangen. Und auf der Ehrenrunde hatten wir den Pokal gemeinsam in der Hand. Das waren Emotionen, die ich nie vergessen werde.
Schon damals hat er Dinge angeschoben.
Rummenigge: Und das ist bis heute ein Charakterzug. Kalle und Paul (Breitner/Anm. d. Red.) hatten bei Bayern auch immer einen Spitznamen: Macher. Das sagt doch alles aus. Kalle hat immer gemacht. Für die Mannschaft, er hat die Dinge angepackt. Dann kam noch Uli (Hoeneß/Anm. d. Red.) dazu, das war ein Erfolgsrezept. Mit Visionen, mit guten Ideen.
Was wünschen Sie Ihrem Bruder für die nächsten Jahre – und das Rentendasein?
Rummenigge: Ihm wird es nicht langweilig werden. Er ist im Internet unterwegs, was andere ja in diesem Alter nicht machen. Das finde ich wichtig, dass man da auf der Höhe des Zeitgeistes bleibt. Das hält einen fit, genau wie die Kinder und Enkelkinder. Ich wünsche ihm, dass er ein langes und vor allem gesundes Leben hat. Unsere Mutter ist 2004 hochgradig alzheimerbesetzt gestorben. Das muss man nicht haben! Deshalb wünsche ich ihm: lange fit und gesund bleiben auf allerhöchstem Niveau. Und natürlich: viel Lachen!

Das Interview führte Hanna Raif.

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