FCB-Coach in neuer Rolle

Von wegen „netter Hansi“: Hinter den Kulissen bemerkt man schon eine Flick-Veränderung

Hansi Flick gestikuliert vor der Bank des FC Bayern, hinter ihm sitzen Holger Broich und Hasan Salihamidzic.
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Hansi Flick ist beim FC Bayern gefragt, die Erfolgsspur dauerhaft wieder zu finden.

2020 lief Hansi Flick und dem FC Bayern alles scheinbar locker von der Hand. Nun muss der Trainer beweisen, dass mehr in ihm steckt als der „Star-Streichler“.

  • Der FC Bayern hat mit dem etwas glücklichen Sieg gegen Freiburg den Negativ-Trend gestoppt.
  • Um dauerhaft zurück in die Erfolgsspur zu finden, reicht jedoch nicht nur ein Sieg.
  • Trainer Hansi Flick hat eine klare Linie. Dafür wird er auch intern dominanter.

München – Die guten Wünsche für 2021 waren nach 13 Tagen überholt. „Lassen Sie uns im neuen Jahr so weitermachen. Motto: Nach dem Triple ist vor dem Triple“, forderte Herbert Hainer in seinem Neujahrsbrief, der die rund 1000 Mitarbeiter des FC Bayern nach den Betriebsferien erreichte.

Unter den Empfängern des gängigen Verteilers beim Triple-Sieger ist freilich auch der Cheftrainer, aber Hansi Flick hätte auch ohne dieses Schreiben gewusst, was in diesem Club von ihm verlangt wird: Der größtmögliche Erfolg, Woche für Woche, aber vor allem am Ende der Saison. Das heißt seit dem Pokal-Aus: Zwei Titel. Dafür allerdings muss der Überflieger-Trainer zum Krisenmanager werden. Kann er das?

FC-Bayern-Profis „Menschen und keine Maschinen“ - Böses K-Wort wird vermieden

Es passte gut, dass der 55-Jährige am Dienstag im feinen Zwirn auf dem Podium an der Säbener Straße Platz nahm. Ein Mann im schwarzen Rollkragen-Pullover, drüber ein graues Sakko, dieses ungewöhnliche Bild sprach am Tag vor dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg (Mittwoch, 20.30 Uhr, hier im Live-Ticker) seine eigene Sprache.

Schon im Training Anfang der Woche hatte man gesehen, dass die Zügel angezogen werden, statt Reservisten-Auslaufen gab es nach dem 2:1 gegen Freiburg eine knackige Einheit bei Schnee und Wind. Am Dienstag dann sagte Flick: „Vielleicht hat es diese zwei Niederlagen gebraucht, um unsere Sinne zu schärfen.“ Und er betonte: „Ein Spiel, ein Sieg reicht nicht, um zurück in die Erfolgsspur zu finden.“ Zwar ist die sogenannte Herbstmeisterschaft schon vor dem Tagestrip nach Augsburg – am Spieltag erst mittags mit dem Bus hin, nachts zurück – sicher. Eine Krise aber ist allein durch den (glücklichen) Sieg am Sonntag noch nicht abgewendet.

Das böse K-Wort nimmt man an der Säbener Straße bewusst nicht in den Mund, man will und wird aber die Lehren aus dem verkorksten Start ins Jahr ziehen. Allen voran Flick ist sich bewusst, dass Ausreden – obwohl seine Spieler „Menschen und keine Maschinen“ seien – nicht mehr zählen. Mangelnde Effizienz in der Offensive sowie desaströse Auftritte in der Defensivbewegung will er nicht mehr entschuldigen, er fordert von seinen Profis eine andere Gangart. Und die Bosse fordern von Flick, ihnen diese einzuimpfen.

FC Bayern: Flick holt sich Ratschläge - er sagt: Man lernt auch im hohen Alter nicht aus

Ratschläge aus der oberen Etage gibt es nicht proaktiv. Flick aber darf jederzeit bei Karl-Heinz Rummenigge und Co. vorstellig werden, wenn er denn welche sucht. Er verschließt sich diesem Angebot nicht, sagt, dass man „durchaus auch im fortgeschrittenen Alter von 55 Jahren noch dazu lernen kann. Auch ich tausche mich aus.“ Mit alten Bekannten wie unter anderem Jupp Heynckes, aber auch intern, wo man nicht immer einer Meinung ist. Flick gilt als streitbarer Geist mit gerader Linie. Er wird dafür aber auch geschätzt.

Natürlich ist der ehemalige Co-Trainer im letzten Jahr schon gewachsen, nun lernt er nochmal dazu. Nach außen hin macht er seinen Job professionell – obwohl ihm beispielsweise die unzähligen Pressekonferenzen zunehmend weniger Spaß machen. Intern tritt er inzwischen anders auf als zu seinen Anfängen als Chef. Das ist unter anderem aus der medizinischen Abteilung zu hören, „deutlich dominanter“, sagt man da, ohne es negativ zu meinen. Ähnlich verhält es sich auch bei Kader-Entscheidungen. Weil Serge Gnabry am Mittwoch wohl wieder fit ist, sind „alle Mann an Bord“. Das heißt, dass Kandidaten wie Douglas Costa oder Marc Roca womöglich wieder aus dem Aufgebot gestrichen werden. Flick sagte dazu: „Der Konkurrenzkampf ist groß. Das ist gut für uns.“

FC Bayern: Hainer schreibt im Neujahrsbrief: „Man darf sich nie aus der Bahn werfen lassen“

Nach dem Mann, der die Stars nur tätscheln muss, hört sich das nicht mehr an. Und obwohl Hainers Neujahrsbrief überholt ist, gibt es eine Passage darin, die Mut macht. Mit Blick auf die ersten Spiele des Jahres schrieb der Präsident: Das Team habe „gezeigt, dass man sich nie aus der Bahn werfen lassen darf und eine Wende zum Guten stets möglich ist.“ Man traut Flick, dem Mann im Sakko zu, das nicht nur in einem Spiel zu beweisen, sondern bis 2023. Mindestens.

Unterdessen hat den FC Bayern das Losglück ereilt: Triple-Sieger trifft bei Klub-WM zunächst auf einen ungewöhnlichen Gegner.

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