Heynckes-Nachfolger

Koan Tuchel, koan Nagelsmann: Warum ER der ideale neue Bayern-Trainer wäre

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Niko Kovac hat bei Eintracht Frankfurt bislang beeindruckende Arbeit abgeliefert.

Jupp Heynckes macht kommenden Sommer endgültig Schluss, der FC Bayern braucht also einen neuen Cheftrainer. Die Anforderungen an den kommenden starken Mann an der Seitenlinie sind klar - und treffen auf den Coach eines aktuellen Bundesliga-Konkurrenten alle zu.

Über die Anforderungen an den neuen Trainer des FC Bayern München besteht weitestgehend Einigkeit in der Führungsetage an der Säbener Straße. Ein deutscher beziehungsweise deutschsprachiger Coach soll es sein, möglichst Laptop- und Oldschool-Trainer in einer Person, also einer, der mehrere taktische Systeme in seiner Mannschaft etablieren kann und für den althergebrachte Werte wie Disziplin, Wille, Ordnung, Fleiß und Kampfkraft keine Fremdworte sind, schon allein deshalb, weil er selbst zahlreiche Fußballschlachten auf höchstem Niveau geschlagen hat. Er soll ein Händchen für Talente haben und eigene Kicker aus dem Nachwuchsleistungszentrum in die Startelf ebenso einbauen können wie hochbezahlte Superstars formen, führen, verhätscheln und zur Höchstleistung anstacheln.

Dies sind die Grundvoraussetzungen für den begehrten Platz auf der Trainerbank des Rekordmeisters - und am besten bringt der Neue auch gleich noch eine Portion Stallgeruch mit. Es ist bewährtes Prinzip an der Säbener Straße, ehemalige Spieler im Verein zu binden - denn sie bringen das Bayern-Gen mit und haben das Mia-san-mia im Blut.

Trainer beim FC Bayern: Die üblichen Verdächtigen sind Tuchel, Nagelsmann, Löw und Klopp

Gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der diese Anforderungen alle erfüllt. Präsident Uli Hoeneß und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatten unisono verkündet, sich bei der Suche nach einem neuen Boss an der Seitenlinie Zeit zu lassen. Mit der Personalie Jupp Heynckes, dem aus dem Ruhestand zurückgekehrten Triple-Trainer, der seit seiner interimsmäßigen Amtsübernahme sieben Siege in sieben Spielen einfahren konnte und den leicht strauchelnden Branchenprimus wieder auf Kurs gebracht hat, ist den Bayern-Bossen ein erfolgsbringender Schachzug gelungen, der ihnen die Zeit gibt, „in aller Ruhe die Baustellen zu befrieden und ab 1. Juli den FC Bayern an einen neuen Trainer zu übergeben“, wie Hoeneß es ausdrückte.

Die Kandidaten, die für den anspruchsvollen Job in Frage kommen, sind überschaubar. Immer wieder werden vor allem Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann genannt. Während ersterer nicht erst seit seiner Trennung von Borussia Dortmund im vergangenen Sommer einen zweifelhaften Ruf als nicht sonderlich umgänglicher, etwas verkopfter Fußballlehrer genießt, trauen die meisten Experten dem erst 30-jährigen Nagelsmann den Sprung nach München noch nicht zu. Torwart-Legende Oliver Kahn beispielsweise fände es verfrüht, den Hoffenheimer Überflieger jetzt schon zu holen. Abwehrspieler Mats Hummels wäre im Fall einer Tuchel-Verpflichtung wohl nicht sonderlich erfreut  - bereits zu gemeinsamen Dortmunder Zeiten eckten die beiden das ein oder andere Mal miteinander an.

Mats Hummels (r.) und Thomas Tuchel waren nicht gerade ein Herz und eine Seele zu gemeinsamen BVB-Zeiten.

Daneben werden in der Verlosung auch häufiger die Namen von Bundestrainer Joachim Löw oder Liverpool-Coach Jürgen Klopp genannt. Allen vier möglichen Kandidaten fehlt aber die oben erwähnte eigene Erfahrung von Spielen auf höchstem Niveau, zudem verfügt keiner über eine FC-Bayern-Vergangenheit.

Niko Kovac als neuer Trainer des FC Bayern? Er erfüllt alle Anforderungen

Doch es gibt einen Trainer in der Bundesliga, der das genannte Stellenprofil perfekt erfüllt: Niko Kovac, seit März 2016 Trainer bei Eintracht Frankfurt. Der 46-Jährige rettete zunächst per Relegation die Hessen vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Danach, in seiner ersten kompletten Saison als Chef, legte der in Berlin geborene Kroate eine sensationelle Hinrunde hin: Die Eintracht schnupperte sogar am internationalen Geschäft, am Ende stand ein sicherer Mittelfeldplatz. Mit bescheidenen Mitteln holt Kovac aus der Eintracht das Maximale heraus, erreichte mit den Adlerträgern sogar das DFB-Pokalfinale.

Sein bevorzugtes taktisches System ist das 4-2-3-1, das auch der FC Bayern seit Jahren praktiziert. Doch Flexibilität ist Trumpf bei Kovac. Je nach Gegner und Spielsituation lässt er die Frankfurter auch mal mit Dreierkette oder sogar klassischem Libero verteidigen. Nicht wenige Beobachter erinnert der Fußballlehrer, der vor seinem Frankfurt-Engagement auch schon die kroatische Nationalmannschaft trainierte, mit seiner akribischen Arbeitsweise an Starcoach Pep Guardiola.

Kovac hat zahlreiche Verbindungspunkte mit dem FC Bayern

Als Spieler schnürte der überdurchschnittlich gute Mittelfeldakteur auch zwei Jahre für den FC Bayern die Fußballschuhe, FCB-Stallgeruch bringt er also mit. 2001 holte Kovac, der dank seiner strategischen und zweikampfbetonten Spielweise eine echte Führungsfigur auf dem Platz war, mit den Roten den Weltpokal, 2003 das Double aus Pokal und Meisterschaft. Hasan Salihamidzic, Bayerns Sportdirektor, war damals sein Mitspieler.

Niko (r.) und Robert Kovac gibt es nur als Doppel.

Und es gibt noch mehr Berührungspunkte mit dem Rekordmeister, die für die Verpflichtung von Kovac sprechen könnten. Bruder Robert, aktuell Co-Trainer bei der Eintracht, spielte ebenfalls beim FC Bayern, sogar zwei Jahre länger als Niko. Seine Frau und seine zwei Töchter wohnen nach wie vor in Salzburg, Kovac‘ letzter Station als Spieler, also nur knapp 150 Kilometer von München entfernt. Und Markus Hörwick, langjähriger Mediendirektor an der Säbener Straße, ist sein Berater in Medienfragen und Öffentlichkeitsarbeit. Auf Nachfrage unserer Onlineredaktion wollte sich Hörwick aber zu einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Kovac und dem FC Bayern nicht äußern.

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Beim FCB-Auswärtsspiel in der Champions League bei Celtic Glasgow war Kovac als Experte bei Sky eingeladen. Im Vorfeld der Partie wurde auch über die Heynckes-Nachfolge gesprochen, Kovac hielt verbal auffällig den Ball flach. „Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, dass der Jupp im Sommer geht“, sagte er zum Beispiel, äußerte aber auch die Vermutung, dass der Nachfolger jemand aus der Bundesliga werden wird, „der die Mentalität kennt“. Gefragt, ob er selbst denn ein Anwärter sei, wehrte Kovac lachend ab: „Nein, nein. Niko Kovac ist weit weg. Ich bin in Frankfurt sehr glücklich.“ Doch was soll er auch anderes sagen in einer öffentlichen TV-Sendung, mit gültigem Vertrag bei der Eintracht bis 2019.

Bei der Eintracht sind sie sich bewusst, welches „Trainerjuwel“ sie da auf der Bank haben. Sportdirektor Bruno Hübner hat sich zu den aufkommenden Wechselspekulationen bereits vor einiger Zeit in der Frankfurter Rundschau geäußert: „Niko ist immer begehrt, das hat er sich durch gute Arbeit verdient. Aber ich glaube nicht, dass er sich damit beschäftigt.“

Das Angebot des österreichischen Fußballverbandes, neuer Nationalcoach der Alpenrepublik zu werden, hatte Kovac unlängst abgelehnt. Wegen der Eintracht, meint jedenfalls Hübner: „Das ist ein geiler Job. Aber Niko hat sofort gesagt, das kommt für mich nicht in Frage. Seine Mission bei der Eintracht ist noch lange nicht erfüllt.“

FC Bayern München: Winter-Transfergerüchte 2017/2018 und aktuelle News

Frankfurt-Vorstand Fredi Bobic  kennt die Begehrlichkeiten nach seinem Coach ebenfalls, sein Statement gegenüber der Frankfurter Rundschau klingt schon fast beschwörend: „Niko hat richtig Spaß an dieser Aufgabe hier, wir wollen zusammen etwas entwickeln. Niko fühlt sich wohl, er sieht, dass hier etwas entsteht. Er hat da richtig Lust drauf, und ich denke, er würde gerne länger in Frankfurt bleiben.“

Bleibt die Frage, ob Kovac nicht auch Lust hat, in seiner Karriere den nächsten Schritt zu gehen. Und ein Angebot des FC Bayern haben in der Vergangenheit noch nicht viele abgelehnt...

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