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Rotwein-Sitzungen mit „Onkel Josef“: Heynckes-Weggefährten und ihre irren Anekdoten

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Am Samstag endet die höchst erfolgreiche Trainer-Karriere des Jupp Heynckes. © AFP / CHRISTOF STACHE

Jupp Heynckes blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Während all den Jahren gab es einiges zu erleben - nun plaudern seine Weggefährten aus dem Nähkästchen.

Spieler, Trainer und Funktionäre erzählen, was sie während ihrer Karriere gemeinsam mit Jupp Heynckes erlebt haben. Einige Erinnerungen geraten durchaus amüsant...

Jupp macht uns stolz

Bei Jupp kommt trotz seiner Zeit in Bilbao, dessen Präsident ich inzwischen bin, natürlich der Deutsche durch. Aber er hat hier vier Jahre verbracht und mit Sicherheit das ein oder andere mitgenommen. Sonst würde er sich nicht immer wieder an diesen Klub erinnern und ihn stets erwähnen. 

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Zeit in Bilbao: Jose Urrutia lauscht den Worten des Coaches © fkn

Während seiner Pressekonferenz vor dem Rücktritt 2013 nannte er die drei wichtigsten Klubs für ihn: Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Athletic Bilbao. Das erfüllt uns mit Stolz, immerhin reden wir hier von einem Mann des Fußballs, der nicht nur als Aktiver, sondern auch als Trainer eine Menge erreicht hat.

Josu Urrutia

Teamsitzung ohne Jupp

Vor dem Europapokal-Halbfinal-Rückspiel 1991 gegen Belgrad haben wir Spieler eine Mannschaftssitzung bei mir daheim im Keller gemacht. Da war er wirklich sauer und angefressen, dass er das nicht erfahren hat. 

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So geht das: Jupp Heynckes justiert Klaus Augenthaler im Bayern-Training. © imago

Nach unserem bitteren Ausscheiden durch ein Eigentor von mir in Koproduktion mit Raimond Aumann war die Sitzung kein Thema mehr. Wir haben bis heute ein sehr gutes Verhältnis.

Klaus Augenthaler

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Tor-Bilanz war sehr wichtig

Dem Stürmer Jupp Heynckes war zu seiner aktiven Zeit vor allem seine persönliche Torschützen-Bilanz wichtig: Wenn wir 3:4 verloren hatten und er dreimal traf, dann war er zufrieden. Und wenn wir 1:0 gewannen und er schoss kein Tor, dann war er stocksauer. So war der Jupp einfach. Mit dieser Einstellung hat er ja auch viele Erfolge gefeiert. Er war ein unheimlich toller Kollege.

Berti Vogts

Einen Vorwurf mache ich ihm!

Jupp Heynckes war mein großer Förderer, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Bester Beweis: Als ich von Gladbach nach München wechseln wollte, hat er damals wohl zu Manager Helmut Grashoff gesagt, gib ihm die Summe x mehr, und ziehe sie bei mir vom Gehalt ab. Aber 1984 wollte ich Titel gewinnen. 

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Lothar Matthäus hält „Don Jupp“ für wesentlich lockerer als früher. © dpa

Heynckes war persönlich beleidigt, weil ich zu Bayern ging. Zu der Zeit war er nicht so locker wie jetzt. Ich mache ihm nur einen Vorwurf: Im Pokalfinale gegen die Bayern, kurz vor meinem Wechsel, wollte ich nicht schießen. Ich sagte: Nein! Heynckes sagte: Doch, du schießt – und ich verfehle das Tor. Das hat weh getan.

Lothar Matthäus

Video-Kasseten reichten ihm aus

Früher war es noch Usus, vor einer Partie noch am Spieltag intensiv mit dem Trainer zu sprechen. In seinen ersten Jahren beim FC Bayern war er noch ein sehr pedantischer, spröder Mann. Es war sehr schwierig, mit ihm auf einen Fuß zu kommen, aber ich hatte schon immer einen guten Zugang zu ihm – noch aus Gladbacher Zeiten. Mir ist vor allem die Begegnung vor dem Europapokal-Spiel gegen die Glasgow Rangers im September 1989 in Erinnerung geblieben: Dieser enorme Fleiß in einer Zeit, in der die Kommunikation nicht so einfach war. Ohne Computer, ohne Sportdaten und nur mit ein paar Videos hat Jupp Heynckes damals so unglaublich viel für die Mannschaft gearbeitet und den Gegner analysiert. Er ist früher immer wieder in andere Länder gereist, um sich Spiele anderer Teams anzusehen, um so seinen Mannschaften neue Impulse zu geben.

Fritz von Thurn und Taxis

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Rauswurf, Rotwein, unendliche Dankbarkeit

Leider Gottes kam es dazu, dass Jupp Heynckes im Oktober 1991 von seiner Arbeit beim FC Bayern freigestellt wurde. Mir persönlich tat diese Trainer-Entlassung als junger Spieler sehr weh. Ich hätte gerne länger mit ihm gearbeitet. Jupp hat mich extrem gefördert, ich habe ihm unheimlich viel zu verdanken. Dass ich überhaupt die Möglichkeit bekommen habe, bei Borussia Mönchengladbach Profi zu werden, dann den nächsten Schritt zu Bayern München zu machen – und dahingehend für die Nationalmannschaft zu spielen. 

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Der Flasch blüht: „Tiger“ Stefan Effenberg scherzt mit der Trainer-Legende. © imago

Aber zurück ins Jahr 1991: Nach seinem Rauswurf bin zusammen mit Brian Laudrup mit einer Flasche Rotwein zu ihm gefahren. Wir wollten uns auf diese Weise bedanken. Als wir so zusammensaßen, ist schon Wehmut aufgekommen. Zu Anfang war es eine bedrückte Stimmung, nachher hat uns Jupp aber erklärt, dass das Leben weitergehen muss – und wir unsere Sachen weiter durchziehen müssen. Es war ein wunderschöner Abend.

Stefan Effenberg

Total im Thema

Ich kann mich noch gut an den 3. Oktober letzten Jahres erinnern, da war ich bei ihm in Schwalmtal. Ich hatte Jupp gewisse Zeit nicht gesehen und war neugierig, in welcher Verfassung er sich präsentiert. Mit seinen 72 Jahren total fit und total im Thema. Ich habe ihn gefragt: „Hast du zwischendurch irgendwo als Trainer gearbeitet – und wir haben das nicht mitbekommen?“ Er hatte schon alles vorbereitet, die Taktik ausgeklügelt, er hatte einen ganz klaren Plan. Und er war so optimistisch. Er hat gesagt: „Wir sind zwar fünf Punkte hintendran, aber wir haben eine gute Mannschaft. Wir kriegen das hin.“

Karl-Heinz Rummenigge

Er steht zu seinem Wort

Ach ja, der Onkel Josef… Eine seiner größten Stärken war schon immer, dass er vom Ehrgeiz besessen ist – ähnlich wie viele seiner Kameraden bei Borussia Mönchengladbach. Das hat zum Teil dazu geführt, dass er jetzt ein kaputtes Knie hat. Da ziehe ich den Hut, weil er unbedingt das Europapokal-Endspiel in Enschede bestreiten wollte. Danach hat er seine Zeit nicht lange vergeudet und sofort sein Knie machen lassen, um sportlich weiter erfolgreich zu sein. Was aber viel ­wichtiger ist: Er steht immer zu seinem Wort und hält sich an Versprechungen. Das ist etwas, wo man sagt: Halleluja! Denn gerade in der heutigen Zeit ist das nicht mehr selbstverständlich.

Rainer Bonhof

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Danke für den Freiraum!

Während seiner Zeit bei Real Madrid – ich habe damals 1998 im CL-Finale das Siegtor geschossen –, haben wir alle eine Menge von Jupp lernen können. Er ist in Madrid auf eine charakterstarke Truppe getroffen, die oft interne Sitzungen ohne den Mister abhielt. 

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Predrag Mijatovic feiert den Champions-League-Triumph mit Real Madrid © imago

Er war schon damals ein intelligenter Trainer, der wusste, dass er uns das Heft in die Hand geben musste. Er hat uns die Freiheit gegeben, unsere Ideen umzusetzen und wusste, dass das der Schlüssel zum Erfolg war.

Predrag Mijatovic

Aufs nächste Level

Von der ersten Begegnung an war unsere Beziehung sehr positiv und sie ist in den Jahren immer enger und intensiver geworden. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Er hat einen großen Anteil daran, wo ich heute stehe. Er war einer der ersten, der mich wirklich gefördert und gefordert hat. Jupp Heynckes hat mich in seiner ersten Amtszeit auf das nächste Level gebracht. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

David Alaba

Schmankerl-Schock

Teamhotel Bachmair am Tegernsee: Jupp Heynckes sieht zum ersten Mal das bayerische Buffet, das für uns immer bereit stand. Dort gab es am Tag vor dem Spiel deftige Würste, Leberkäse und sämtliche andere Schmankerl. Dazu haben wir Spieler uns gerne eine Helles oder ein Weißbier gegönnt. Das war für Jupp ein Kulturschock vom Allerfeinsten. Erst mit der Zeit hat er eingesehen, dass das unsere Mentalität war. Er konnte sich trotzdem voll auf uns verlassen und wurde mit der Zeit lockerer. Das tat dem Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gut.

Hans Dorfner

Sein Nein tat weh

Ich hatte anfangs unheimliche Probleme damit, dass Jupp nicht bereit war, weiter­zumachen, weil ich dachte, er könnte das noch sehr gut machen für ein weiteres Jahr. Aber jetzt, mit etwas Distanz und wo ich die Entscheidung für mich hingenommen habe, muss ich sagen, es ist alles, wie es gelaufen ist, prima gelaufen.

Uli Hoeneß

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