Van Gaal: Erste Kritik an Thomas Kraft

München - Erst seit drei Spielen hütet Thomas Kraft das Tor des FC Bayern. Jetzt übt Trainer Louis van Gaal erstmals deutliche Kritik an seinem Torwart. Rückendeckung erhält Kraft vom neuen Kapitän.

Louis van Gaal fühlte sich bestätigt. „Das erste Spiel ist immer das leichteste. Er muss aber auch das zweite, dritte und vierte Spiel gut halten. Das ist viel wichtiger“, hatte der Trainer nach Thomas Krafts erstem Bundesliga-Spiel in Wolfsburg am 15. Januar gesagt. Damals waren alle voll des Lobes für die neue Bayern-Nummer-Eins. Nur van Gaal warnte.

Gegen Aachen nun machte Kraft sein drittes Spiel als Stammkeeper – und wieder äußerte sich van Gaal ganz schön kritisch über seinen Torwart. „Er hat mir nicht gut gefallen, er war unsicher und hat die Situationen nicht vorhergesehen. Das muss er aber“, moserte van Gaal.

Bayern in Aachen: Bilder & Einzelkritik - Einmal gab's die Note 1

Bayern in Aachen: Bilder & Einzelkritik - Einmal gab's die Note 1

Das Spiel 1 nach dem Wechsel von Mark van Bommel hat der FC Bayern mit 4:0 gewonnen. © AP
Für Louis van Gaal stand eine wichtige Entscheidung an. © Getty
Überraschung gab es da aber keine: Philipp Lahm (l.) trägt die Binde. © AP
Thomas Kraft dirigiert. © dpa
Für den erkältungsgeschwächten Robben, der auf der Bank sitzt, spielt Altintop. © Getty
Luiz Gustavo (Mitte) darf von Beginn an ran. © Getty
Die Aachener ziehen sich tief zurück. © dpa
Und lauern immer wieder auf Konter. © dpa
Für ihre Bemühungen werden die Bayern belohnt. © AP
26. Minute: Toooooor für Bayern durch Gomez! Hamit Altintop setzt über links Luiz Gustavo ein. Dessen passgenaue Flanke findet den Kopf des völlig freien Gomez, der nicht mal abheben muss. © Getty
1:0. © Getty
Das Führungstor aus einer anderen Perspektive. © Getty
Mario Gomez jubelt. © dpa
Und jubelt. © dpa
Thomas Kraft freut sich. © Getty
Louis van Gaal und Christian Nerlinger applaudieren. © AP
Kollektive Begeisterung © AP
Daumen hoch von Thomas Müller © dpa
34. Minute: Auer kommt im Zweikampf mit Luiz Gustavo im Bayern-Strafraum zu Fall. © Getty
Die Pfeife des Schiedsrichters bleibt stumm - doch der Brasilianer hatte ihn am Fuß getroffen. Glück für die Bayern. © Getty
Das Spiel bleibt umkämpft. © AP
Mario Gomez hat immer wieder gute Chancen. © dpa
Tolgay Arslan (r.) kommt gegen Holger Badstuber schmerzhaft zu Fall © Getty
Aachen hält dagegen. © dpa
Immer wieder muss Thomas Kraft eingreifen. © Getty
Doch dann die 75. Minute: Tor für Bayern durch Müller! Robben nimmt Fahrt auf und setzt Müller ein, der wird erst von Demai abgedrängt, tunnelt dann jedoch aus spitzem Winkel Aachen-Keeper Hohs. © Getty
Dafür erntet er einen Tätschler © Getty
Thomas Müller hat gut lachen. © dpa
Denn in der 80. Minute trifft er erneut: Müller auf Gomez, Gomez auf Müller, dessen abgefälschter Schuss sitzt. © Getty
Dann darf auch der eingewechselte Robben mal. © Getty
Bastian Schweinsteigers exakte Hereingabe muss der Niederländer nur einschieben. © dpa
Das 4:0. © dpa
Bastian Schweinsteiger jubelt. © dpa
Und nicht nur er. © dpa
Die anderen jubeln mit. © dpa
Pflichtaufgabe erfüllt © Getty
Auch die Verantwortlichen können nun fürs Halbfinale planen. © Getty
Das Schlusswort hatte der Präsident. „Ich denke, das war heute ein sehr souveräner Sieg, der auch in dieser Höhe verdient war“, befand Uli Hoeneß. Wohl wahr. Die Bayern in der Einzelkritik: © AP
Thomas Kraft: Zwischen genial und unglücklich: Bei einigen Flanken wirkte der junge Torwart unsicher, dann rettete er auf der Linie wieder mit einem Wahnsinns-Reflex. Muss Kraft mit dem Fuß ran, hat er nur ganz wenig von Kahn – denn er bringt so gut wie jeden Pass an den Mann… Note 3 © Getty
Philipp Lahm: Ein Spiel, mit dem der Außenverteidiger in die Geschichte eingehen wird. Nicht unbedingt wegen seiner Leistung, Lahm spielte solide wie meist und versuchte nach vorne anzukurbeln. Wohl aber wegen der Binde am Arm: Seit Dienstag ist er fester Kapitän beim FC Bayern, Nachfolger eines Paul Breitner oder Oliver Kahn. Note: 3 © Getty
Holger Badstuber: Eng am Mann, konsequent im Zweikampf, sowohl am Boden als auch in der Luft. Ist nach seiner langwierigen Schambein-Verletzung schon wieder der Alte. Note: 3 © Getty
Anatoli Timoschtschuk: Sicherer als zuletzt gegen Kaiserslautern, wurde von den offensivschwachen Alemannen aber auch kaum gefordert. Note 3 © Getty
Luiz Gustavo: Auch im dritten Spiel mit Licht und Schatten. Sehr ballsicher, bereitete mit einer sehenswerten Flanke („ARD-Experte Scholl: „Die beste Flanke, die ich seit langem gesehen habe“) das 1:0 von Gomez vor. Aber: Hatte Glück, dass nach seinem Foul an Auer nicht Elfmeter gepfiffen wurde. Note: 3 © Getty
Andreas Ottl: Unauffällig im defensiven Mittelfeld. Lief zu häufig nur nebenher, zu brav in den Zweikämpfen, leistete nur wenig für den Spielaufbau. Aber auch ohne nennenswerten Fehler. Note: 3 © Getty
Danijel Pranjic: Sehr flink, sehr beweglich, hatte im Spielaufbau einige gute Ideen. Suchte immer wieder den Weg nach vorne, statt quer zu spielen, war so eine enorme Bereicherung für das Offensiv-Spiel der Bayern. Note: 2 © Getty
Thomas Müller: Wurde am Ende noch zum Mann des Tages. Ging häufig in die Eins-Gegen-Eins-Situation mit Demai, gewann diese meist – und entschied dann mit seinem Doppelpack das Spiel. Note: 1 © Getty
Bastian Schweinsteiger: Ließ sich häufig weit zurückfallen, um sich die Bälle schon in der eigenen Hälfte zu holen. Fehlte deswegen ab und an hinter den Spitzen. Auf der Sechs fühlt er sich eben wohler als in der Spielmacherrolle. Note: 3 © Getty
Hamit Altintop: Leitete mit seinem Pass zu Gustavo das 1:0 ein. Hatte besonders in der zweiten Hälfte viel Raum, den er aber nicht konsequent ausnutzte. Ihm fehlt einfach die Kreativität eines Ribéry. Note: 3 © Getty
ab der 72. Minute: Arjen Robben: Ein Tor, eine Vorlage – nicht schlecht für einen 18-Minuten-Auftritt. ohne Bewertung © Getty
Mario Gomez: Im Moment ist er einfach eine Tormaschine. Gleich die erste Möglichkeit nutzte er zum 1:0. Aber: Vergab zwei Riesen-Chancen, als er freistehend an Torwart Hohs scheiterte. Note: 2 © Getty
Ab der 83. Minute: Miroslav Klose: zu spät für eine Bewertung. © Getty

Rumms! Harte Worte für den jungen Keeper. Und das, obwohl er die Bayern mit einem irren Reflex vor dem Ausgleich bewahrt hatte. Die 61. Minute: Ecke Aachen, Feisthammel köpft aus vier Metern. Kraft reißt instinktiv seinen Arm und die Schulter hoch, wehrt den Ball ab. Ein Reflex im Stile eines Handball-Torhüters. Prädikat Weltklasse!

Zuvor aber – und damit hatte der Trainer Recht – wirkte Kraft nicht immer souverän. In der ersten Hälfte nahezu beschäftigungslos, offenbarte er vor allem beim Herauslaufen ungewohnte Schwächen, da muss er vor allem körperlich noch zulegen.

Die Frage aber ist: Muss der Trainer seinen jungen Torhüter öffentlich so bloßstellen? Die Diskussionen um den Wechsel von Butt zu Kraft werden dadurch jedenfalls nicht leiser werden. Oder will der Trainer seinen Keeper davor bewahren abzuheben? Klar ist: Intern genießt Kraft vollstes Vertrauen.

Die Torhüter des FC Bayern seit Sepp Maier

Bilder

Besonders Torwart-Trainer Frans Hoek hält große Stücke auf das Torhüter-Juwel. Und bei den Fans ist Kraft ohnehin sehr beliebt – auch in Aachen gab es wieder Rufe Pro Kraft und gegen Manuel Neuer. Kraft selbst wollte nach dem Aachen-Sieg nicht sprechen, von seinen Mannschafts-Kollegen erhält er jedoch Rückendeckung. „Ich trainiere ja jeden Tag mit ihm. Vor daher überrascht mich nicht, dass er so gute Leistungen zeigt“, sagt Philipp Lahm. Die heftige Kritik an ihm – spätestens jetzt weiß Kraft: Beim FC Bayern darf man sich keinen Fehler erlauben. Auch wenn er noch so klein ist.

Jan Janssen

Rubriklistenbild: © Getty

Auch interessant

Meistgelesen

Ballon d‘Or an Messi statt Lewandowski – Experten schimpfen über Weltfußballer-Wahl
FC Bayern
Ballon d‘Or an Messi statt Lewandowski – Experten schimpfen über Weltfußballer-Wahl
Ballon d‘Or an Messi statt Lewandowski – Experten schimpfen über Weltfußballer-Wahl

Kommentare