Ex-Coach Carles Rexach im tz-Interview

"Bei Pep werden aus Individualisten Teamplayer"

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Carls Rexach war lange Jahre Co-Trainer des FC Barcelona unter Johan Cruyff

München - Mittlerweile hat sich nun so gut wie jeder Fußballexperte über Pep Guardiola ausgelassen. Es wird Zeit, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die ihn am besten kennen. So zum Beispiel sein Ex-Coach Carles Rexach.

Rexach mit Pep Guardiola.

Mittlerweile hat sich nun so gut wie jeder Fußballexperte über den neuen Bayern-Trainer Pep Guardiola ausgelassen. Es wird Zeit, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die ihn am besten kennen. Das tz-Interview mit Carles Rexach, der Entdecker Messis und Pep Guardiolas Co-Trainer unter Johann Cruyff.

Herr Rexach, haben Sie Pep Guardiola schon zu seinem neuen Arbeitsplatz gratuliert?

Rexach: Ja, ich habe ihn vor ein paar Tagen angerufen. Er war sehr glücklich, dass diese ganzen Spekulationen nun vorbei sind und er sich auf die Bayern vorbereiten kann.

Die perfekte Entscheidung?

Rexach: Sportlich gesehen, ja. Die Bayern sind ein großer Klub mit einem großartigen Kader zurzeit. Das Wichtigste ist aber, dass die Deutschen diszipliniert sind und sich etwas sagen lassen. Guardiola kann also in Ruhe arbeiten.

Die Philosophie Guardiolas passt also nach Deutschland?

Rexach: Genau! Denn Pep kann die Spieler davon überzeugen, so zu spielen, wie er es will. Hinzu kommt, dass die Deutschen auch Geduld mitbringen, um seinen Stil zu erlernen.

So entwickelte sich der Guardiola-Coup

So tickt Neu-Bayer Pep Guardiola

Josep Guardiola ging im Fußball bei Johan Cruyff und Louis van Gaal in die Lehre. Beim FC Barcelona trieb er das Kurzpassspiel zur Perfektion. Nun will der 41-Jährige auch die Bundesliga erobern. © dpa
Josep Guardiola wird zuweilen als der Vater des Kurzpassspiels des FC Barcelona bezeichnet. Aber dies stimmt nur zum Teil. Die Spielweise Barças, die die Fußballwelt zuweilen in Verzückung versetzt und Spanien zum Gewinn der Welt- und Europameisterschaft verhalf, hat ihre Ursprünge in der Zeit, als Johan Cruyff der Trainer der Katalanen war. © dpa
Guardiola gehörte damals Anfang der 90er Jahre als Regisseur dem „Dream Team“ des Niederländers an. © dpa
„Pep“, wie er in Spanien genannt wird, war ein Fußballer mit einer auffallend eleganten Ballbehandlung und einem Auge für frei stehende Mitspieler. Als Trainer trieb der Schüler von Cruyff und Louis van Gaal das Kurzpassspiel zur Perfektion. Dabei kam sein Erfolg eigentlich ziemlich überraschend. © dpa
Als er 2008 bei Barça die Nachfolge von Frank Rijkaard antrat, war er als Trainer fast ohne Erfahrung; denn er hatte bis dahin nur die B-Elf betreut und dieser zum Aufstieg in die 3. Liga verholfen. © dpa
Dafür kannte er seinen Heimatclub wie kein Zweiter. Der Maurersohn hatte dereinst bei Barça als Balljunge angefangen und wusste um die Qualitäten des Nachwuchses. Binnen vier Jahren sammelte er mit dem FC Barcelona als Trainer 14 Titel, darunter zwei Champions-League-Siege und drei spanische Meisterschaften. © dpa
Ende der vorigen Saison verzichtete er auf eine Verlängerung seines Vertrags und ließ sich mit seiner Familie zu einem „Sabbat-Jahr“ in New York nieder. © dpa
Als Trainer war Guardiola in Spanien zwei Jahre lang nicht nur der Rivale von José Mourinho gewesen, sondern auch in menschlicher Hinsicht ein Gegenspieler des Portugiesen. Während der Coach von Real Madrid sich in der Rolle des Provokateurs und Rüpels zu gefallen scheint, tritt Guardiola eher zurückhaltend und bescheiden auf. © dpa
Er beherrscht die Kunst der feinen Ironie und gilt als ein Feingeist, der abseits des Fußballplatzes den Kontakt zu Kulturschaffenden sucht. © dpa
Er gibt grundsätzlich keine Interviews. © dpa
Der Grund: Guardiola will Journalisten kleinerer Medien nicht benachteiligen. © dpa
Sie kennen Guardiola noch als Spieler. War er damals schon so perfektionistisch veranlagt?

Rexach: Oh ja! Pep war schon immer ein taktischer Spieler, er war der Trainer auf dem Feld. Er hat sich nicht allein auf sein Spiel konzentriert, sondern sich mit Taktik usw. beschäftigt. Er war einfach anders.

Es heißt, er hätte oftmals mit Ihnen und Johann Cruyff über solche Themen diskutiert.

Rexach: Durchaus, ja! Er und Ronald Koeman waren die Spieler, mit denen Johan und ich immer über das Taktische gesprochen haben. Wenn wir während einer Partie gewechselt haben, war es wichtig, dass sie wussten, was der Trainer und ich damit beabsichtigten.

Und was ist sein Geheimnis als Trainer?

Rexach: Das Wichtigste in Barcelona war, dass die Spieler angenommen haben, was Pep ihnen vermitteln wollte. All diese Spieler, Xavi, Iniesta, das sind sehr gute Fußballer, die Pep aber auch zugehört haben. Die Mannschaft ist für ihn das Wichtigste, und wenn man dann noch so ein Genie wie Messi im team hat, dann ist der Kuchen quasi gegessen.

So tickt Neu-Bayer Pep Guardiola

So tickt Neu-Bayer Pep Guardiola

Josep Guardiola ging im Fußball bei Johan Cruyff und Louis van Gaal in die Lehre. Beim FC Barcelona trieb er das Kurzpassspiel zur Perfektion. Nun will der 41-Jährige auch die Bundesliga erobern. © dpa
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Haben auch Individualisten einen Platz in seinem Team?

Rexach: Ja, unter ihm werden sie nämlich zu Teamplayern. Messi war auch mal ein Individualist, heute nicht mehr.

Glauben Sie, dass er aus den Bayern Barcelona II macht?

Rexach: Nein, denn auch Pep kann keinen Messi klonen. Sein Konzept bleibt aber das gleiche, er wird offensiv spielen lassen. Denn das ist es, was Spielern und Zuschauern gefällt.

Glauben Sie, dass er sich mit vielen Spielern verstärkt?

Rexach: Nicht aus der ersten Mannschaft. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass er vielleicht in der Masia tätig wird, um den Bayern ein wenig den Barça-Stempel aufzudrücken. Aber Bayern hat bereits ein gutes Team, er wird also nur noch ein, zwei Wechsel vornehmen.

Interview: J. Carlos Menzel Lopez

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