tz-Serie: Pep privat

Guardiola-Karriere begann mit einem Poster

Matthias Sammer (l.) gegen Josep Guardiola: Bald arbeiten die Ex-Spieler beim FC Bayern Seite an Seite
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Matthias Sammer (l.) gegen Josep Guardiola: Bald arbeiten die Ex-Spieler beim FC Bayern Seite an Seite

München - Die Geschichte des Josep Guardiola beginnt mit einem Poster von Michel Platini in seinem Kinderzimmer in Santpedor. Dabei hatte der junge Spanier den Franzosen noch nie spielen sehen.

Guardiola hatte den französischen Ballkünstler nie spielen sehen, aber er wusste von seinem Vater und seinem Großvater, dass Platini ein unfassbarer Kicker war, immer in der Lage dazu, ein Spiel mit einem seiner tödlichen Pässe zu entscheiden. Was den jungen „Guardi“ aber am meisten an diesem Poster beeindruckte, war der Anmut und die Eleganz Platinis. Der Ball klebte an seinem Fuß, der Blick war gen Horizont gerichtet, der Franzose war auf der Suche nach seinem nächsten Anspiel.

Diese Anekdote sagt alles über den Mann, der mit dem FC Barcelona Fußballgeschichte geschrieben hat. Fußball war für ihn immer mehr als nur 22 Männer und ein Ball. Fußball war für ihn Tradition, Schönheit, ja sogar ein Mythos. Dass er etwas Besonderes war, erkannte Johan Cruyff als Erster.

Ihm fiel der junge Pep schnell im Nachwuchs des FC Barcelona auf. „Etwas schmächtig“, wie Cruyff sagt, dafür aber „mit einem Blick für den besonderen Ball.“ Und genau aus diesem Grund konzipierte der Holländer ein System, das auf die Qualitäten Guardiolas ausgerichtet war. Die Position des spielgestaltenden Sechsers, war geboren. Zunächst saß Pep, damals 20, noch auf der Bank. Dann kam aber seine große Zeit.

Ab der Saison 1991/92 spielte er sich zur Stammkraft im Dream Team um die Stars Micheal Laudrup und Ronald Koeman. Was folgte, war eine Zeit voller Titel und Trophäen, darunter auch der Europacup der Landesmeister und olympisches Gold bei den Sommerspielen 1992 in Barcelona. Es folgte aber auch der Abschied.

Guardiola fühlte sich nicht mehr wohl in Barcelona, er wollte – wie immer eigentlich – mehr. „Meine Karriere rinnt mir durch die Finger, und ich möchte sie im Auslang beenden und andere Länder, Kulturen und Ligen kennenlernen“, so Guardiola damals bei seiner letzten Pressekonferenz. Es war wie heute auch: Guardiola hatte Großes vor, ihn zog es nach Brescia, Rom und Katar, und jetzt hat es ihn nach München gezogen.

Nach seiner Zeit als Barça-Trainer bekam Guardiola zwei ernste Angebote. Eines aus Chelsea und eines aus München. Für Pep war die Entscheidung schnell gefällt. Warum nicht London? Weil Guardiola sich in die Tradition und den Mythos Bayern München verliebt hatte. Hoeneß, Rummenigge, Sammer – das ist lebende deutsche Fußballgeschichte, für Pep das Größte. Chelsea konnte all das nicht bieten.

Hätte man den Menschen in Guardiolas Umfeld unmittelbar nach seinem Rücktritt bei Barça gesagt, dass Pep nach Deutschland gehen werde, hätten sie einem wohl den Vogel gezeigt. „Deutschland? Dort sind die Teams nicht auf Top-Niveau“, hätten sie wohl gesagt. Auch das ist ein Indiz für Guardiolas Gespür. Als dann auch noch sein Freund Raul in den höchsten Tönen über die Liga und die vollen Stadien sprach, war die Sache klar.

Doch auch München wird für Guardiola nur eine Station sein, die

Autor und Journalist Guillem Balagué hat im November Guardiolas Biografie veröffentlicht. Jetzt schreibt er in der tz

nicht länger als drei, vier Jahre andauern wird. Bis dahin wird er sich Zeit geben, um dem FC Bayern seinen Stempel aufzudrücken, dann wird es ihn aber auch wieder woanders hinziehen. Wohin? Gut möglich, dass er danach ein Team übernimmt, dessen Ziel es nicht ist, Meisterschaften en masse zu gewinnen, sondern einen Stil zu entwickeln. Bilbao, Brescia, das könnte ich mir gut vorstellen. Ich kaufe ihm auch nicht ab, dass das Kapitel Barça für ihn geschlossen ist. Ob als Trainer oder Präsident – er wird zurückkehren. Denn dafür ist Pep eben ein Romantiker. So wie damals, als „Guardi“ Balljunge im Camp Nou beim Spiel zwischen Barça und Juve war. Peps Ziel? Ein Autogramm seines Idols, Michel Platini. Doch er schaffte es nicht, war todtraurig. Jahre später erfuhr der UEFA-Chef von dieser Geschichte und ließ Pep ein handsigniertes Trikot zukommen. Für Pep war ein Traum in Erfüllung gegangen.

Von Guillem Balagué

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