Nationalspielerin will Führungskraft werden

„Ich bin gekommen, um Titel zu holen“: Bayern-Damen holen Hendrich

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Kathy Hendrich hat mit Bayern Großes vor – und auch die WM im Visier. 

Kathy Hendrich hat früh gelernt, wie wichtig es ist, nicht nachzulassen. Als sie neun Jahre alt war, wollte sie unbedingt einem Fußballverein beitreten.

Ihre Eltern aber waren skeptisch. Einige Wochen musste die Kleine erst nerven, und nachdem sie zum zehnten Mal gequengelt hatte, gaben die Eltern doch nach. Mit 22 Jahren knackte Kathy Hendrich die 100-Bundesliga-Spiele-Marke, im letzten Sommer wechselte sie mit 26 Jahren nun zu Bayern.

Früh aufzugeben war von klein auf nicht ihr Ding. Bei drei älteren Brüdern und einer älteren Schwester musste sich das Nesthäkchen immer behaupten. „Das klingt jetzt, als wäre ich ein armes Würstchen gewesen, das die ganze Zeit gekämpft hat, weil es anders keine Chance hatte – so schlimm war es nicht, sie waren schon auch nett zu mir“, sagt Hendrich heute. Ein bisschen was ist aber durchaus dran an der Geschichte. Vor allem, wenn die Brüder zum Kicken loszogen, musste die Kleine alles geben, um mitmischen zu dürfen. Anfangs bekam sie den Spitznamen „Störi“, sie durfte bei keinem Team mitspielen und war auf dem Platz nur als Störfaktor geduldet, der irgendwie umspielt werden sollte. Nach einer Weile jedoch stellten die Buben fest, dass das Schwesterherz gar nicht so schlecht am Ball ist. „Mir blieb als die Jüngste nichts übrig, als mich durchzusetzen“, sagt sie, „geschadet hat mir das nicht.“

Aus Nesthäkchen „Störi“ ist längst eine gestandene Nationalspielerin geworden. Die WM im Sommer ist ein klares Ziel, nachdem sie vor vier Jahren noch auf den letzten Drücker gestrichen wurde. Alle Lehrgänge hatte sie mitgemacht, und so kurz vor der Abreise rauszufliegen, sei gar nicht schön gewesen, erzählt die Defensivspielerin. „Aber solche Ereignisse prägen einen auch. Ich ziehe daraus immer neue Motivation.“ Für den DFB-Lehrgang nächste Woche in Spanien wurde sie nun schon wieder nominiert.

Zum FC Bayern ist sie vom 1. FFC Frankfurt gekommen, um zu zeigen, dass sie längst gereift ist. Nach vier Jahren bei dem Traditionsclub sei es Zeit für etwas Neues gewesen, sagt sie. „Ich wollte den nächsten Schritt machen und sehe mich hier in der Rolle als defensive Führungskraft.“ Sie beschreibt sich selbst als „ehrgeizigen Charakter“, entsprechend sind ihre Ziele in München die Höchsten: „Ich spiele schon länger Fußball, da geht es um Titel. Ich will nicht nur helfen, oben mitzuspielen, sondern ich bin gekommen, um Titel zu holen.“

Nachdem sie zu Beginn der Hinrunde noch angeschlagen pausieren musste, gelang es ihr im Laufe der Zeit schon ganz gut, die Erwartungen zu erfüllen. Zwölf Mal stand sie auf dem Platz, beim 1:1 gegen den SC Freiburg war ihr erster Pflichtspieltreffer im Bayern-Trikot einer der wichtigsten der ersten Halbserie. Keine Frage: Sie hat sich wieder einmal schnell etabliert. Das war schon bei ihrem Einstand in der Bundesliga einst im August 2010 bei Bayer Leverkusen so. Nachdem die Partie gegen Duisburg mit einem 0:9 denkbar desaströs geendet hatte, hatte sie sich zwar gedacht „Herzlich Willkommen – aber ich habe deswegen nicht gleich wieder alle meine Sachen zusammengepackt“. Auf der Gegenseite stand damals ihre heutige Teamkollegin Simone Laudehr: „Es ist eine Ehre, jetzt mit ihr zusammen bei Bayern zu spielen. Das hätte ich früher nie zu träumen gewagt.“

Dabei hatte sie ja bereits früh als kleines Mädchen angefangen, den großen Traum zu verfolgen. Ihre Eltern sind im Übrigen „meine treuesten Fans geworden“, sagt das ehemalige Nesthäkchen, das inzwischen längst flügge ist.

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