Nach dem Debakel: Setzt der Trainer weiter auf die Dreierkette?

Klinsi in der Systemfalle

München - Sie hatten sich gerade so schön eingespielt. Neues System, neues Glück. Es klappte in der Bundesliga immer besser – und selbst in Bukarest bestand das 3-5-2 die internationale Nagelprobe.

Doch dann kam Bremen. Am Samstag war im Bayern-Spiel auf einmal nichts mehr, wie es sein sollte. Keine Ordnung, kein Druck, Löcher in allen Mannschaftsteilen. Bremen nahm den FC Bayern auseinander. Weil Klinsi das falsche System wählte?

Die Dreierkette mit verstärktem Fünfer-Mittelfeld sollte eigentlich dazu dienen, gegen defensiv eingestellte Gegner Druck zu erzeugen. Bremen beschränkte sich in der Arena jedoch nicht auf die Abwehr, sondern spielte frech mit – und deckte die Schwachstellen gnadenlos auf. Zur zweiten Halbzeit wechselte Klinsmann dann die Formation. Aus dem 3-5-2 wurde das alte 4-4-2, besser wurde damit jedoch nichts. Jetzt steckt Klinsi in der System-Falle.

Probiert’s der Coach gegen den Club wieder mit der Dreierkette, um Druck zu erzeugen? Oder stellt Klinsi auf das alte und unter Hitzfeld eingeschliffene 4-4-2 um? Verteidiger Lucio steht zu dem System mit der Dreierkette, während viele seiner Kollegen meinen, dass man auch während einer Partie zum Formations-Wechsel fähig sein muss. „Wir können das“, sagt Mark van Bommel, „am Samstag haben wir es aber nicht gut ausgeführt“. Philipp Lahm gibt zu, dass ein Wechsel während des Spiels „eine Umstellung, ein Eingriff“ sei: „Aber als Profi sollte man das eigentlich können.“ Am Samstag gelang das den desolaten Bayern nicht.

Einen Vorwurf wollte Klinsmann in dieser Hinsicht dem eigenen Team jedoch nicht machen. „Ich glaube, die Mannschaft hat von der taktischen Auffassung absolut gut gestanden, ob das die Dreierkette war oder später die Viererkette – letztendlich sind es die Zweikämpfe, die ein Spiel entscheiden“, erklärte Klinsi nach dem 2:5-Debakel.

Richtig. Denn bei aller System-Diskussion war es gegen Bremen in erster Linie die Einstellung, die nicht stimmte. Oder wie es sonst zu erklären, dass van Bommel nach dem Spiel zugab, die Bayern wären „von Bremens Bissigkeit überrascht gewesen“? Ob im 3-5-2 oder im 4-4-2: Jeder stand zu weit weg von seinem Gegenspieler, das Zweikampfverhalten war ungenügend. Dazu kamen unerklärliche Schwächen bei Standards. „Wir haben nur im Raum verteidigt, standen nie am Mann“, kritisiert Tim Borowski.

Bayern - Bremen - Die Bayern in der Einzelkritik

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Grundsätzlich bleibt aber die Frage: In welchem System fühlt sich die Mannschaft besser, sicherer? Klinsis größte Neuerung wurde in der ersten Hälfte am Samstag zerlegt – gegen starke Gegner ist speziell in der Champions League ähnliches zu befürchten. Eine mögliche Gegenmaßnahme: Die Außen im Mittelfeld – zum Start gegen Bremen Lahm und Lell – agieren dann defensiver und vor allem konzentrierter. System, Einstellung, Umstellung – gegen Bremen passte bei den Bayern einfach nichts. Die gute Nachricht für die Roten: Franck Ribéry kehrt gegen Nürnberg zurück. „Wir werden ihn uns morgen und übermorgen im Training ganz genau anschauen und dann entscheiden, ob er von Anfang an auflaufen wird oder besser von der Bank kommt“, erklärte Klinsi am Sonntag. Und eines ist sicher: Mit Ribéry kommt Schwung zurück – ob im 4-4-2 oder im 3-5-2…

ta

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Quelle: tz

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