"Langsam wird es eng für Klinsmann"

Bixente Lizarazu gewann im Fußball nahezu alles, was es zu gewinnen gibt.
+
Bixente Lizarazu gewann im Fußball nahezu alles, was es zu gewinnen gibt.

München/Paris - Ihn werden die Fans des FC Bayern nie vergessen: Bixente Lizarazu, in München nur liebevoll „Liza“ genannt. Insgesamt neun Jahre lang beackerte der sympathische Franzose die linke Abwehrseite des Rekordmeisters.

Mit seinem unermüdlichen Einsatz wurde der 1,69-Meter große Baske schnell zum Publikumsliebling – und zu einem der erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten: Weltmeister, Europameister, Champions League- und Weltpokalsieger, sechs Mal deutscher Meister.

Vor dem Gastspiel von Frankreichs Meister Olympique Lyon erreichte die tz Lizarazu in Paris und sprach mit ihm über die derzeitigen Probleme bei seinem Ex-Verein.

So luxuriös ist das Leistungszentrum des FC Bayern

Fotostrecke

Spielen Sie!

Das große FC-Bayern-Quiz

Herr Lizarazu, wie geht es Ihnen?

Lizarazu: Mir geht es sehr gut, vielen Dank. Und langweilig wird es mir auch nicht: Ich arbeite für das französische Fernsehen, einen Pay-TV-Sender, der die Champions League überträgt, den bekanntesten französischen Radiosender RTL und die Zeitung L’Equipe. Zusätzlich genieße ich es, meine Leidenschaften wie das Reisen auszuleben – es läuft perfekt für mich, ich genieße mein Leben.

Wozu selbstverständlich nach wie vor das Surfen gehört?

Lizarazu: Klar, absolut. Das ist nach wie vor eine meiner großen Leidenschaften…

…weshalb Sie wahrscheinlich auch Ihren Modell-Körper behalten haben?

Lizarazu (lacht): Stimmt! Ich bin nach wie vor in sehr guter Form. Ich spiele zwar kein Fußball mehr, gehe aber fast jeden Tag zum Surfen und betreibe Judo.

Als Experte in den Medien sind Sie sicher über die erste Krise und Jürgen Klinsmann informiert. Was denken Sie über die Situation?

Lizarazu: Solche gigantischen Veränderungen, wie sie Klinsmann herbeigeführt hat, sind immer sehr gefährlich – gerade in Vereinen mit einer langen und großen Geschichte und Kultur wie der FC Bayern. Man kann das alles nicht in zwei oder drei Monaten ändern. Das dauert eine sehr lange Zeit. So schnell so viel zu ändern ist sehr schwierig. Vielleicht ist das momentan das Problem des FC Bayern. Klinsmann ist ein modern denkender Trainer, das ist wichtig. Doch er sollte als erstes darauf achten, dass seine Defensive an Stabilität gewinnt.

Das System wird oft von 3-5-2 zu 4-4-2 gewechselt – ein Fehler?

Lizarazu: Ich denke, es war ein Fehler, die Dreierkette auszuprobieren. Nach der Zeit unter Ottmar Hitzfeld ist es in Bayerns Kultur verankert, mit der Viererkette zu spielen.

Also ist es nicht richtig, variabel zu sein mit zwei Spielsystemen?

Lizarazu: Nein, zumindest nicht in der Defensive. Hinten müssen die Bayern eingespielt sein. Innen-und Außenverteidiger müssen sich blind verstehen, sie brauchen Sicherheit. Von mir aus kann man zwischen Doppel-Sechs und Raute wechseln. Aber hinten braucht Bayern die Viererkette. Alle großen Mannschaften in Europa spielen so – Bayern muss das auch machen! Dann kommt der Erfolg zurück. Den Rest wie die neue Philosophie oder geänderte Strukturen kann ich nur schwer beurteilen.

Aber Sie wissen was los ist, wenn in München zwei Spiele in Folge verloren werden…

Lizarazu: Na klar! Klinsmanns Veränderungen brauchen Zeit – aber er hat keine Zeit. Er hat 2006 ein wunderschönes Bild des deutschen Fußballs vermittelt und gezeigt, dass er zu guten Dingen fähig ist. Aber wenn er nicht schnell Ergebnisse vorweisen kann, bekommt er Probleme. Zwei Niederlagen in Folge sind bei Bayern eine Katastrophe – da wird es auch für Klinsmann langsam eng. Bayern ist ein großer Club. Da hat man keine Zeit, da müssen Ergebnisse her.

War es nötig, so viel beim FC Bayern zu verändern?

Lizarazu: Ich beobachte Bayern nicht jeden Tag, kenne nicht alle Einzelheiten. Aber in München gab es auch zu meiner Zeit sehr viele Dinge, die schon perfekt waren. Auch Ottmar Hitzfeld hat sehr, sehr gute Dinge gemacht. Man kann nicht alles verändern. Aber natürlich hat auch Klinsmann gute Methoden. Was ich in Sachen Training und Vorbereitung bei der WM 2006 gesehen habe, war sehr interessant.

Eine seiner umstrittensten Neuerungen war, die Fan-Kneipe abzureißen und das Training für die Anhänger nur noch selten öffentlich zu machen.

Lizarazu: Davon habe ich gehört. Das ist ein sehr gutes Thema, auf das Sie mich ansprechen. Zu diesem Aspekt kann ich mich gut äußern, denn ich habe auch in Frankreich und Spanien gespielt. Und eines ist sicher: Diese Neuerung ist nicht gut! Aus einem ganz einfachen Grund: Die Fans des FC Bayern sind sehr freundlich, friedlich es herrscht keine Aggressivität wie in Italien oder auch Frankreich. Es ist doch überhaupt kein Problem wenn sie jedes Training sehen. Sie sind immer korrekt, alles läuft entspannt. Jeder einzelne Spieler wird von den Anhängern fair behandelt, auch die, die sich nicht nett gegenüber den Fans verhalten. Diese Beziehung bei Bayern darf nicht verloren gehen. Das muss Bayern wieder ändern und zu den Wurzeln zurückkehren.

Jetzt braucht er Ergebnisse – am besten schon gegen Lyon…

Lizarazu: Bayern ist nicht in Form und Lyon keine einfach zu spielende Mannschaft. Es wird schwierig.

Letzte Frage: Glauben Sie, dass Klinsmann das Ende der Saison in München erlebt?

Lizarazu: Ich wünsche es ihm und dem FC Bayern. Ich weiß, dass er Zeit braucht. Aber wie gesagt: Ich weiß auch, dass er die nicht hat.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lizarau.

Lizarazu: Eine Sache möchte ich noch loswerden. Sie haben die Fans angesprochen: Je mehr ich darüber nachdenke, merke ich, welche Aspekte meiner Karriere wichtig waren und hängen geblieben sind. Einer dieser Punkte ist die Mentalität der Bayern-Fans. Das war in München unglaublich und Bayern sollte es nie verlieren. Bitte schreiben Sie das.

Interview: Tobias Altschäffl

Komfort pur: Der Mannschaftsbus des FC Bayern - und wer wo sitzen darf

Fotostrecke

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Schau hin, Brazzo! Dieser Nationalspieler soll schon im Winter vom Hof gejagt werden
FC Bayern
Schau hin, Brazzo! Dieser Nationalspieler soll schon im Winter vom Hof gejagt werden
Schau hin, Brazzo! Dieser Nationalspieler soll schon im Winter vom Hof gejagt werden

Kommentare