Starstürmer im Interview, Teil I

Mega-Angebot aus China: So ging Lewandowski damit um

08 01 2017 Fussball 1 Bundesliga 2016 2017 FC Bayern München Wintertrainingslager in Doha Katar
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Robert Lewandowski: „Ich bin bei Bayern ein besserer Stürmer geworden.“

München - Robert Lewandowski, Starstürmer des FC Bayern, spricht im Interview über sein Traumtor gegen Freiburg, seinen Torriecher und die Bedeutung von Trainer Carlo Ancelotti.

Robert Lewandowski erscheint in Funktionsshirt und Trainingsklamotten zum Interview. Es ist frühmorgens, gleich steht die erste Einheit an. Aber das passt auch zu dem 28-Jährigen, bei dem alles auf Professionalität ausgerichtet ist – bis hin zum Nachtisch, wie er im Gespräch erklärt.

Herr Lewandowski, wie ist es, gleich im ersten Spiel des Jahres das „Tor des Jahres“ geschossen zu haben?

Robert Lewandowski: (lacht) Ich freue mich eher, dass wir gewonnen haben. Das war ein sehr wichtiger Sieg. Nach vier Wochen Pause fragt man sich immer, wie es läuft.

Hätten Sie so ein Tor vor drei Jahren auch schon geschossen?

Lewandowski: Vielleicht eher nicht. Ich denke schon, dass ich bei Bayern ein besserer Stürmer wurde.

Thomas Müller hat als junger Bursche mal 100 Tore in einer Saison erzielt. Wie war das bei Ihnen früher?

Lewandowski: Oh, da habe ich weniger geschossen. Ich weiß aber wirklich nicht, wie viele, ich habe sie nie gezählt. Ich weiß nur, dass ich immer Offensivspieler war und auch immer die meisten Tore in meiner Mannschaft geschossen habe, klar. Und es hat auch schon immer jeder die Tore von mir erwartet. Da hat sich nichts geändert.

Mit Ihrem Treffer in Freiburg haben Sie Giovane Elber in der Liste der ausländischen Torschützen überholt. Nun ist nur noch Claudio Pizarro vor Ihnen. Er hat 190 Tore, Sie 135. Ein Ziel?

Lewandowski: Nein. Weil Claudio fast sein ganzes Leben in der Bundesliga spielt. Da muss ich ja wirklich noch sehr lange spielen.

Bis 2021 haben Sie aber doch nun noch Zeit.

Lewandowski: Die Frage ist, wie lange ich so viele Tore schießen kann.

„Es ist nicht schwer, sich hier wohlzufühlen“

Viele haben gedacht, der FC Bayern sei für Sie eine Zwischenstation. Ist München nun aber Ihre Heimat?

Lewandowski: München ist eine superschöne Stadt, schön zu leben. Die Mannschaft ist super, die Spieler auch. Wir haben hier alles, was wir brauchen. Ich freue mich einfach jeden Tag, beim FC Bayern spielen zu dürfen.

Franck Ribery und Arjen Robben wollten auch nicht so lange bleiben.

Lewandowski: Das stimmt. Aber es ist ja hier auch nicht schwer, sich einfach wohlzufühlen.

Wie viele Sekunden haben Sie über das Angebot aus China nachgedacht?

Lewandowski: Keine Sekunde wäre gelogen. Aber das ist einfach eine andere Welt. Eine, über die ich nicht lange nachdenken musste.

Bei Bayern bekamen Sie ja auch einen sehr guten Vertrag. Ist das der Beweis, dass Tore doch das Wertvollste am Fußball sind?

Lewandowski: Ja. Und Tore sind auch das Schwerste am Fußball. Die Erwartung, dass man in jedem Spiel ein Tor schießen muss, dass man nicht nur gut spielen, sondern immer etwas Neues machen muss, ist sehr hoch. Im Fußball läuft doch am Ende einfach alles über die Tore.

Im Video: Lewandowski findet China-Transfers verrückt

Carlo Ancelotti hat zu Ihnen gesagt, Sie sollen wieder auf Ihren Killerinstinkt vertrauen. Weil für ihn Tore auch am wichtigsten sind?

Lewandowski: Ja. Er ist ein Trainer, der weiß, wie wichtig die Stürmerposition für die Mannschaft ist. Er weiß: Meine Tore können der ganzen Mannschaft helfen, ihr zum Beispiel Selbstvertrauen geben, wenn ein Spiel lange offen war. Wenn wir nur gut spielen, das reicht ja nicht. Für einen Sieg brauchst du Tore.

Instinkt? „Er ist einfach in mir drin“

Man hat den Eindruck, Sie entwickeln sich stets weiter. Erst wurden Sie Freistoßexperte, nun liefern Sie artistische Tor-Einlagen.

Lewandowski: Manchmal muss man das einfache Spiel suchen, manchmal kann man was Neues zeigen. Es wäre ja langweilig, wenn wir als Mannschaft oder auch ich als Spieler immer gleich spielen würden. Und manchmal gibt es eben Situationen wie in Freiburg. Da hatte ich einfach keine Zeit zu überlegen, deshalb habe ich etwas versucht. Eine Flanke in der vorletzten Minute – und dann dieses Tor. Das ist doch die schöne Seite vom Fußball. Man weiß nie, was passiert. Und auch nicht, zu was man selbst in der Lage ist. Da geht es um Instinkt. Das läuft dann alles automatisch.

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Woher kommt dieser Instinkt?

Lewandowski: Ich trainiere ihn seit vielen Jahren. Von wem oder seit wann ich ihn habe, ist schwer zu sagen. Ich habe jetzt kein besonderes Geheimnis, als Kind kein Schlüsselerlebnis. Er ist einfach in mir drin.

Interview: Hanna Raif und Andreas Werner

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Robert Lewandowski, in dem der Starstürmer über die Torflaute von Thomas Müller und über spezielle Ernährungsfragen spricht.

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