Marketing-Profi erklärt in der tz, wann ein Verkauf noch sinnvoll ist

„Es gibt bei Ribéry eine ökonomische Grenze“

Franck Ribéry
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Europas Spitzenklubs buhlen um die Künste des französischen Ausnahmespielers.

München - Der Mann beherrscht die Schlagzeilen – ob mit Ball oder ohne: Franck Ribéry, die heißeste Personalie in Deutschlands Fußball-Sommer 2009.

Das letzte Angebot kam aus England, vom FC Chelsea: 76 Millionen! Der Transfermarkt schließt am 31. August – ein Ende der Wechseldiskussionen ist nicht abzusehen. Aber wie wichtig ist der Super-Dribbler für die Marke FC Bayern und die gesamte Bundesliga?

Die tz fragte bei Stephanus Tekle, Senior Consultant und Bayern-Experte beim Forschungs- und Beratungsunternehmen Sport und Markt nach. Und der rät: Im Zweifel verkaufen!

Ribéry: So zaubert, jubelt, scherzt und liebt der Bayern-Star

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„Natürlich ist Ribéry ein Ausnahmespieler, der die letzten Jahre das Aushängeschild der Bundesliga war und die Liga international attraktiver gemacht hat“, lässt Tekle keine Zweifel an den Fähigkeiten des 26-Jährigen. Für unverkäuflich hält er ihn trotzdem nicht: „Aber es gibt eben auch eine ökonomische Grenze. Aus dieser Perspektive muss man ab einer bestimmten Summe handeln – da kann ich die Verantwortlichen verstehen, dass kein Riegel vorgeschoben wird.“ So schließt Uli Hoeneß einen Verkauf nicht grundsätzlich aus, sondern sagt: „Wenn wir Ribéry abgeben würden, muss ein Klub schon etwas Verrücktes tun.“ Für Tekle eine verständliche Handlungsweise. „Am Ende des Tages muss man auch schauen, dass man den Verein wirtschaftlich solide führt. Wenn man Ribéry für 25 Millionen gekauft hat und jetzt ein Vielfaches bekommen könnte, bedeutet das ja auch, dass man Budget für andere Einkäufe zur Verfügung hätte“, erklärt der Fußball-Fachmann: „Man muss sich ja auch Folgendes überlegen: Je länger er bleibt, ohne seinen Vertrag zu verlängern, umso schlechter ist die Ausgangsposition. Deswegen kann ich verstehen, dass man bei einem Angebot von 60 Millionen + X jetzt überlegt, ihn ziehen zu lassen.“

Aber wie sehr würde es dem FCB schaden, wenn der große Superstar den Verein verlässt? „Bei aller Liebe zu den Fähigkeiten von Ribéry: Den FC Bayern hat es in der Form vorher auch schon gegeben“, sagt Tekle, „am Ende ist es die Frage, ob man mit einem neuen Gesamtkonzept als Mannschaft international erfolgreicher auftritt. Wenn die Mannschaft unter van Gaal mit einem neuen Gesicht – und vielleicht ohne Ribéry – spielt, dann ist am Ende auch jeder ersetzbar.“ Eine Einschränkung macht Tekle jedoch: „Von der glamourösen Seite her würde Ribéry ohne Frage fehlen. Durch Ribéry wurde Bayern attraktiver.“

Die Augen der Bayern

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Auf einer Stufe mit Cristiano Ronaldo ist Ribéry in dieser Hinsicht aber noch lange nicht. Das könnte dafür sorgen, dass Ribéry bei Bayern bleibt – Tekle: „Bei Ronaldo spielt neben den sportlichen Fähigkeiten das Vermarktungspotential außerhalb des Spielfeldes eine Rolle. Dieser Faktor ist in den Denkspielen bei Real elementar. Und dieses Potential ist bei Ronaldo fast unbegrenzt vorhanden. Bei Ribéry sehe ich dieses Potential nicht. Deswegen wird nicht die Bereitschaft da sein, ähnliche Summen zu bezahlen.“

Ein weiterer Aspekt: Der Trikot-Verkauf. „Ein ausgewiesener Star wie Ribéry kurbelt das Merchandising an“, sagt Tekle: „Den Bayern würde er in diesem Punkt definitiv fehlen. Aber durch den Transfer von Gomez hat man einen Grundersatz.“ Im Moment können die Fans noch zwischen beiden Leiberln wählen…

ta

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